quenzel



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Typ/Viewer: RSS/ RSS-ReaderAktualisiert: 07.02.2012Aufrufe: 101

Kategorie: Tagebücher

ich bin der, welcher ich werden kann, also beobachte ich mich und die Zeit, die mich prägen und beeinflussen will. Sie meint es nicht gut mit mir, sie lügt mich an und will mich täuschen. Um jedoch keinen Verfolgungswahn zu bekommen, ist es ratsam, Ironie und Selbstironie einzusetzen und zu entwickeln, als Kampfmittel gegen den Drachen Zeitgeist. Davon handelt mein blog.

Nachrichten aus dem RSS-Feed: quenzel
Bildungskarren im Dreck
26.09.2010, 16:04 | vor 499 Tagen  
Es ist ja nicht so, dass. Man will ja nicht, man kann aber nicht anders. Das ist die Zumutung des Staates, der nicht mit sich reden lässt. Er hat seine braven Beamten, von denen er sich betören und ausrauben lässt. In Sachen Bildungspolitik bin ich belehrt, wenn ich bloß einen Blick in die Schulbücher werfe, z.B. für Geschichte. Sie sind so verkwast geschrieben, dass man sich nicht wundern muss, wenn selbst die besseren Schüler die Lektüre zum Gähnen finden: Z.B. „ Die Ideen der Aufklärung lagen gleichsam „in der Luft“, als der französische Staat von einer schweren Krise erfasst wurde.“ Verwaschener könnte der Satz nicht aussehen. Was soll hier die billige Luftmetapher und um welche Krise handelte es sich denn? Sie haben noch nicht einmal die Fragen des lesenden Arbeiters von Brecht studiert, die so etwas dahin skribeln. Es ist alles halbrichtig, aber kaum eine [..]
Technik als Glaube
21.09.2010, 19:33 | vor 504 Tagen  
wie sie webseiten von einander abkupfern, wie sie die Superlative für ihre geringsten Zwecke verbrauchen und zerdeppern.Sie haben ja keine Ahnung, wie es diesen Superlativen dabei geht, wie sehr sie in Angst und Schrecken fallen, sobald nur einer eine neue website kreiert. Egal ob er Schuhe verkauft oder Wimperntusche, er will immer das Prädikat innovativ dafür in Anspruch nehmen.Ähnlich steht es mit der maßgeschneiderten Individualität. Als gäbe es das. Selbst die vollkommen seriösen Geschäfte scheuen sich nicht, dem Kunden, den sie wie ein gefaktes goldenes Kalb verehren,so sehr auf die Pelle zu rücken, dass dieser gerne bezahlt, um nur loszukommen von der kommerziellen Hölle, die heute überall ihre Filialen aufschlägt. Dabei ist die Technik die Favoritin, sie ist sündteuer, aber gerade das reizt die Leute, ihr alles, den letzten Cent zu opfern. Für nichts schmeißen [..]
Vom Haupt der Medusa
20.09.2010, 07:36 | vor 505 Tagen  
Ich ich ich – so beginnt das Tagebuch Witold Gombrowicz, betont egozentrisch. Damit wollte er sagen, das Ich ist mein Organ, mein Spiegel, in den ich schaue, um die Welt wahrzunehmen. Alle Bemühung um Objektivität ist lächerlich und hybrid. Auch zitiert er an dieser Stelle verdeckt die List des Perseus, der sich dem Haupt der Medusa näherte, in dem er ihrem schrecklichen Anblick nur in der Spiegelung auf seinem Schild ansichtig und so gerettet ward. Gombrowicz nutzte sein Ich also als Schutzschild, um sich von der unmittelbaren Wucht der Erscheinungen nicht in Stein verwandeln und hinter das ewige Licht führen zu lassen. Diese Strategie ist mir vorbildlich, ohne dass ich ständig in extenso von mir reden muss, denn ich weiß, es ist unvermeidlich, ich stecke ohnehin hinter allem, was ich beobachte und sage. Ich setzte von Anfang an auf einen betont subjektiven Stil. Natürlich [..]
Ulmwerbung
17.09.2010, 10:16 | vor 508 Tagen  
Gestern schrieb mir ganz unverhofft ein anonym bleiben wollender Sponsor und bat mich, eine satirisch- ironische Ulmwerbung zu entwerfen. Zur Angeberei der Stadt, die Marke werden will, die sich partout als „Spitze im Süden“ missverstehen möchte, als „Innovationsregion“ ausgibt und anderes Spumare mehr auf ihre Wimpelchen schreibt, wo doch das Altfränkische und Hinterwäldlerische überall kaum zu übersehen ist. So mein Sponsor. Jetzt frag ich mich natürlich, wie ich Werbung und Parodie auf einen Nenner hieven kann, denn die Stadt hat viel mehr Potential, viel mehr Möglichkeiten, in der Alb und an der Donau gelegen, als Substanz im Sinne der Modernität. Gut, die neuen Architekturen, die HFG, das Münster- stattliche Monumente nicht eingelöster bzw. längst vergangener Kultur, das alles kann sich sehen lassen. Wie aber bringe ich diese raren Momente von Größe [..]
Tiny Stricker
15.09.2010, 14:50 | vor 510 Tagen  
Wenn ich bloß die Briefe meines alten Freundes Tiny wieder fände in all dem Wust von Papieren, Büchern, Zeitschriften, nach all den tausend Umzügen in Berlin, Köln, Luxembourg, München und jetzt Ulm. Sie sind noch da. Aber wo? Ich krame in allen Kisten. Die Briefe hatte er mir damals in den 70ern nach Berlin geschickt. Sie gingen etwa so: „ Lieber W., hier in der Metropole von Löwenbraü und Beckenbauer genießen wir in diesen super-apokalyptisch anmutenden Tagen den herrlichsten Nieselregen. Beim gestrigen Bierabend mit meinem Zimmernachbar Sepp kam es in der Nacht noch zu einer Einweihung meiner zarten Person in die Rituale finsterster, erzalter Männergesinnung. Sepp zeigte mir seine Waffensammlung und nötigte mich, den geborenen Anhänger Mahatma Ghandis, zu einem grandiosen Wettbewerb im Messerwerfen. Sepp brillierte mit fanatischer Miene und forderte mich auf, es ihm [..]
Top Harald Schmidt
14.09.2010, 12:20 | vor 511 Tagen  
Dirty Hararld Schmidt wechselt den Verein, geht wieder zurück zu Sat 1, die behäbigen, arroganten ARD Direktoren haben das Nachsehen. Geschieht ihnen ganz Recht. Harald Schmidt hat die Faxen dicke, das ewige Dreinreden inkompetenter Redakteure nervt ihn. Er hat längst eine eigene Firma und macht seine Produktionen fertig im six pack, so wie es ihm gefällt und zwar mit ihm genehmen, schnellen und privatwirtschaftlich geschulten Leuten, statt mit diesen hirnlahmen ARD -Beamten aus dem privilegierten Hinterwald, die wie die Maurer ihre Kelle fallen lassen, wenns an die Minuten der Überstundenzeit geht. Mein Gott, wie leicht könnte man den unbeweglichen Staats-Tanker mit guten professionellen Schellboten überflügeln, wenn man nur anständige, hochwertige Programme machen wollte. Auch ist es sehr bezeichnend, dass die Regionalzeitung hier die Meldung gleich auf die erste Seite setzt, [..]
Aufklärung als zynische Phrase
11.09.2010, 16:57 | vor 514 Tagen  
Der Philosoph Henning Ritter deutet singuläre Haltungen und Ideen, hauptsächlich der Moralisten und Aufklärer des 18.Jahrhunderts, und bezieht seine Notate auf das Verständnis und die Rezeptionsbedingungen unserer Epoche. Manchmal aber macht er sich frei von allen Zitaten der Denker und Poeten und findet einmal zu folgendem Satz: " Aufklärung heute bedeutet: Die Reichen erklären den Armen,warum sie arm sind." Bonmot und Phrase - Aufklärung als hohler Herrschaftsanspruch fällt mit der Beobachtung eines niederträchtigen Sachverhaltes in eins. Kommentare
Das Tagebuch als Zeitung
06.09.2010, 18:06 | vor 519 Tagen  
Henning Ritter schreibt in seinen Notizheften über James Boswell, den berühmten Diaristen, diesen zunächst zitierend: „ ich selbst bin mir im Augenblick das wichtigste Thema“, so Boswell am 9.Februar 1763. Ritter: „ Dieses Selbst will aber im Gewühl des Geschehens geschildert werden.Das Tagebuch ist eine Zeitung über die eigene Person und für die Nachwelt ein Zeugnis ihrer Zeit.“ Kommentare
Der Kunstverrat
06.09.2010, 17:37 | vor 519 Tagen  
meint, wie der große Schweizer sagte, die Kunst selbst ist die größte Verräterin. Aber nicht wen, sondern wem verrät sie etwas oder oft alles? Nur denjenigen, die die historischen Regeln der Lektüre kennen und studieren. Ewig studieren, die Kunst der Lektüre ist nicht auszulernen. Außerdem: es ist ja öffentlich nie zu sagen oder gar zu bekennen,was die Kunst weiß. Sie erfindet deshalb eine Geheimschrift, die geübte Philologen, selten Psychoanalytiker zu enträsteln wissen, weil diese meistens ihr offenbares Spezialwissen jener Geheimschrift aufbürden und sich sodurch den Text selbst verdunkeln. Sie wollen selbst verraten und ihnen entgeht drum der größere Verrat der Kunst. Kommentare
Quenzels Abschied
21.04.2010, 09:46 | vor 657 Tagen  
die meisten Blogger tun sich sehr leicht mit dem Schreiben. Was sie Text nennen, ist meistens nur rasch dahin protokolliertes Tagesgerede. Es hat gar keinen Wert. Nichts für mich. Ich verabschiede mich,ziehe mich in die Alpen meines Schweigens zurück. Lebt wohl ihr wenigen Getreuen. Kommentare
Der Fußball
19.04.2010, 10:39 | vor 659 Tagen  
was die Politik nicht mehr erreicht,schafft der Fußball spielend: Spannung im Fanblock. Nicht nur auf dem Rasen, auch im Verbalen. So ruft Felix Magath seine Schalker Gläubigen auf die Ränge zur letzten Entscheidungs-Schlacht. Uli Hoeness aus München kontert mit deftigen Sprüchen, die den Ehrgeiz im Pott als Aberglauben verhöhnen und den Glanz der Münchner erneut hervorstreichen. Ein Großteil der übrigen Republik, zwischen München und Gelsenkirchen, wird nun durch Neid gegen die reichen Bayern motiviert, sich mit Schalke solidarisch zu fühlen. Hoeness wird beinah zum Buhmann der Nation erhoben, er nimmt die Rolle Hagen von Tronjes ein, doch Magath ist nicht blond und forsch wie Siegfried, er ist eher wie Gott Loki, schlau und fintenreich, er hat mit Uli und den Bayern noch eine Rechnung offen. Da kommt heute der Bayern-Diplomat Beckenbauer zu Beckmann und wird alles wieder mit [..]
Aschenregen
19.04.2010, 01:06 | vor 660 Tagen  
fällt in den letzten Tagen der Menschheit von Karl Kraus. Es ist dort ein Vorzeichen noch schlimmerer, folgender Zeichen. Heute diskutieren sie den Fall wirtschaftspolitisch. Der Flugverkehr, der durch den Aschenregen ausfällt, beläuft sich auf einen Millionenschaden. Kann es, um diesen abzuwenden, drum sinnvoll sein, mögliche Menschenopfer vorsorglich durch ein Flugverbot verhindern zu wollen? Marode Wirtschaftswerte und zu rettende Menschenleben werden hier als ein unversöhnlicher Widerspruch verhandelt, den die ARD-Tagesschau nicht aufzuheben imstande ist. Denken Sie also am besten selbst. Kommentare
Komm heiliger Geist..
17.04.2010, 17:26 | vor 661 Tagen  
Adolf Holl erzählt in seiner Biografie des heiligen Geistes, wie im Mittelalter die fanatischen Anhänger des heiligen Franz, nach dessen Tod, in Spanien einfielen und dort in Moscheen den Propheten Muhammed beschimpften, dem Islam fluchten und sich dem Zorn der anwesenden Muslime aussetzten. Diese verprügelten die Franziskaner und nur ein Wunder eines vermittelnd eintretenden Grafen konnte sie retten. Doch die Gertetteten fühlten sich nicht so, sondern rissen ihrem Beschützer rasch aus und gingen nach Marokko, wo sie wiederum eine große Moschee aufsuchten und den Islam als falsche heuchlerische Religion verfluchten. Hier fanden sie endlich ihre Begehren. Sie wurden gefangen genommen, gemartert wie Jesus und schließlich geköpft. Der Wunsch, die eigene fanatisch geglaubte Wahrheit durch das Martyrium zu verewigen und zu besiegeln, maltraitiert seither alle Gesellschaften. Kommentare
Titus Andronicus
16.04.2010, 10:28 | vor 662 Tagen  
Das gibt ein Schlachtfest. William Shakespeares schrecklichster Wurf. Titus Andronicus. Am 30.4. am Stuttgarter Staatsschauspiel. - Da müsste Volker Lösch, der Berserker unter den Regisseuren, vollends zu sich selbst kommen.Ich habe von Lösch einiges gesehen. Ich pflege gewissermaßen eine leidenschaftliche Hassliebe zu diesem Menschen, verstehe ihn ganz von innen. Es wird bestimmt ein grelles, Sex-Tötungsfest mit zermarterten, amputierten Helden des hellen Wahnsinns auf offener Bühne. Dazu ein stampfender, schreiender Chor.   Grässlich schön. Heiner Müller lässt mich aus dem Grabe heraus heute schon grüßen. Dann hört die Theater-Harmlosigkeit endlich einmal auf zu wirken. Ende der Spaßgesellschaft. Ich freu mich wie ein garstiges Kind auf die Perversion einer Tragödie.   Kommentare
Richard von Weizsäcker
15.04.2010, 21:40 | vor 663 Tagen  
wird nun tatsächlich 90 Jahre alt. Er genoss immer großes Ansehen, man sah in ihm einen vorbildlichen deutschen Patrioten,der maßvoll auftrat, so gut wie nie schrie, stets das Fairplay betonte und in der Sprache deren mittlere Tonlagen schätzte und pflegte.Anders als Kohl, der dampfende Parolen liebte oder Schröder, der zu Werbeslogans neigte. Man sah und erlebte Weizsäcker in seinen schlichten Gesten, die etwas Selbstloses, auch Farbloses repräsentierten. Die Weizsäckerbegeisterung gebildeter Frauen war stiller Natur, verglichen mit der pathetischen Parteinahme für Willy Brandt. Man sah eine Weisheit in ihn hinein, von er er selbst nichts wissen wollte. Die er gar nie beansprucht hat. Er gab sich eher schlicht, bürgerlich und mit vornehmer Distanz zum einfachen Volke,von dem er aber nur immer beste Ansichten hegte und diese stets bescheiden zum Ausdruck brachte. Überhaupt [..]
Verstaubte Aktualität
15.04.2010, 10:26 | vor 663 Tagen  
Heute scheint alles in einer Art Erinnerungspool zu schwimmen, sogar die anarchistischen Gesten mitten in der Wüste des Maschinenparks haben etwas trotzig Kindliches, riechen nach Kommerz und aufstampfendem Trotz. Niemand fürchtet sie mehr, ihr aktueller Nimbus scheint gänzlich verbraucht. Bakunin, Karl Marx und Che Guevara enden im T-Shirt-Museum. Die Techniker der Popmusik grinsen einverständig,ja, ihre große Ära ist vorbei. Wer hätte gedacht, dass die Mühen der Revolte eines Tages an der Fadheit eingehen könnten? Kommentare
Unsere Rettung
14.04.2010, 09:11 | vor 664 Tagen  
Heute Nacht lief der schreckliche und schöne Film Vittorio De Sicas, die gleichnamige Fassung des Romans Giorgio Bassanis: „Die Gärten der Finzi-Contini“. Ich war sehr müde, konnte mich aber von den wunderschönen Bildern des Schreckens, wie in das vornehme hochkultivierte Italien allmählich der Faschismus einsickert und alles zerstört, nicht trennen. Ich schaute ihn en weiteres Mal bis zum bitteren Ende an. Es ist ein Kunstwerk der größten, der obersten Klasse. Ein Jammer, dass auch das heutige Italien, gewiss an Schönheit mit dem des Vorfaschismus gar nicht vergleichbar, wieder ein Unmensch regiert, um es diesmal mit seiner puren Kitschexistenz und Trivialität zu vernichten. Ich spreche den Namen des Unsäglichen gar nicht aus. Außerdem waren unsere Tamligrößen Gerd, Joschka und der dicke Helmut eine Bohne besser als der Gröfatz aus Rimini? Wirklich? Und wo bleibt [..]
Deutscher Glaube
13.04.2010, 12:14 | vor 665 Tagen  
an Schulen, Ausbildung, Hochzüchtung ist grotesk und schlägt voll auf das Festival durch, das in München alljährlich In Erwartung einer planmäßigen Entdeckung junger Regiegenies stattfindet. Wie will man jährlich im April – jetzt zum 6. Mal- 8 Regie-Jung Genies auf den Markt bringen ohne Schulen? Ist das Festival „radikal jung“- abgesehen davon, dass es von Jahr zu Jahr noch mehr Jugendstaub annimmt, nicht sogar eine verdeckte Schleichwerbung für Theaterschulen? Zum Regisseur kann man nicht ausgebildet werden, Regisseur ist man, den Rest bringt man sich selber bei, sagt Peter Brook,dessen Inszenierungen die Welt des Theaters regelmäßig aus der Krise hoben. Was das Festival angeht, so ist dort vieles zu beobachten, natürlich jede Menge megalomaner Jugendkult, literarische Inkompetenz bei der Stückauswahl, die Gier des Publikums nach Entertainment und Gags, eine [..]
Der Papst und die Journaille
12.04.2010, 11:38 | vor 666 Tagen  
Die Versuche der liberalen Presse, dem Papst, anässlich der üblen Missbrauchskandale, am Zeug zu flicken, sind sehr duchsichtig. Man möchte ihn unter Zugzwang bringen. Er möge unverzüglich zu den Anschuldigungen, auch gegen seine Person, Stellung beziehen, sonst, so die unterschwellige Drohung, werde man noch massiver und noch lautstärker. Der Papst ist ein weiser Mann und wird sich nicht nötigen lassen und eine gerechte Antwort zu einem Zeitpunkt, den er für den richtigen hält, nicht schuldig bleiben. Allerdings wird er auf Latein respondieren und man erkennt darin wieder die wohltuende Distanz der katholischen Kirche zur Zeit, in deren Aufgeregtheiten sie sich nicht einspannen lassen will. Dann wird die liberale Presse sich blamieren und ihre mangelnden Lateinkenntnisse in den Jargon ihrer kopflosen Umtriebigkeit übersetzen. Angesichts der Schwere des Problems fehlt den [..]
Wünsche der Geistlosigkeit
11.04.2010, 13:52 | vor 667 Tagen  
Im Fackelheft 275 vom März 1909 beschreibt Otto Soyka, ein damals bekannter Wiener Autor, den herrschenden Geist der Zeit wie folgt: „ ..als man zur Ansicht kam, daß Geistesarmut nicht schändet, hörte sie auch auf, verschämt zu sein.Sie fordert heute bereits laut und herrisch Unterstützung. Die Reform der Schule macht sie zu ihrer Sache und ruft nach der Erleichterung im Studium, die ihr naturgemäß das Erstrebenswerteste ist. Und gegenwärtig ist der Geist der Zeit gerne bereit, sich nach den Wünschen der Geistlosigkeit der Zeit zu richten.“ Soyka konnte sich vermutlich nicht vorstellen, dass man mit der Förderung der Geistesarmut bis in unsere Sümpfe hinein vorwärts schreiten kann. Kommentare
SPD - lokal
10.04.2010, 15:45 | vor 668 Tagen  
wer sich ein Bild über die desolate SPD machen möchte, sollte sich nicht allein an ihren Großsprechern in den Medien orientieren, sondern einmal beobachten, was diese Partei in den Kommunen alles verspricht und betreibt. Zum Beispiel in Ulm, wo sie sich buchstäblich in die Kirchturmspolitik einmischt. Die katholische Wengenkirche plant, ihren Turm zu vergrößern. Dazu liegen bereits konkrete Baupläne eines renommierten Architekten vor und die Zusagen der finanziellen Unterstützung, und zwar zu je einem Drittel von seiten des Landes Baden Württemberg und der Stadt Ulm. Für das letzte Drittel kommt eine Spendeninitiative der Kirche auf. Das passt der SPD plötzlich nicht. Das Thema Kirchturm müssse noch einmal in ganzer Breite öffentlich diskutiert werden. Es ist klar, warum. Über die SPD redet zur Zeit kein Mensch, der halbwegs bei politischem Bewusstsein geblieben ist. [..]
Welcher Sieg bittschön?
09.04.2010, 11:24 | vor 669 Tagen  
Die Absicht Präsident Obamas und des russischen Staatschefs Medwedew, ein Drittel der Atomsprengköpfe abzurüsten, ist gewiss rühmlich und lobenswert. Dass Medwedew dazu gleich wieder den Mund voll nimmt und die Phrase eines „Siegs für die gesamte Menschheit“ ausgibt, sind wir von den mit Pomp und Pathos aufgeladenen Russen gewöhnt. Doch dass die Südwestpresse Ulm dieses Zitat unkritisch übernimmt, statt es wenigstens ironisch zurückzuweisen, scheint mir sehr suspekt. Da werde ich mehr als hellhörig. Was stellt sich das Provinzblatt unter Sieg heute bloß vor? Ist dieses Wort nicht auf den Sportbereich einzuschränken, wo es regelmäßig auch von Verlierern und spannenden Niederlagen zu berichten gilt? Aber „Sieg für die gesamte Menschheit“? Welchen Reim von Sieg auf die gesamte Menschheit mag sich die Zeitung dabei denn gemacht haben? Der Bericht sagt es nicht aus, [..]
Das gesunde Volksempfinden
08.04.2010, 11:49 | vor 670 Tagen  
Ulm ist kulturell tote Hose, wie man sagt. Den Kulturverwaltern geht es gut, die Künstler darben am öffentlichen Unverständnis und ziehen weg. Die Jugend hat keinen Bock, ein Museum oder gar das Theater zu besuchen. Dort herrscht ohnehin banalste Anbiederung ans Mittelmaß und man orientiert sich an den kitschigen Glotzer-Quoten. Trittbrettfahrerei, wohin man schaut. Kulturförderung heißt Krönung der Mediokren, sagt der Philosoph. Nichts zu machen, das Angebot der VH, die Jugend pädagogisch zum Graffiti und so durch die Hintertür zur modernen Kunst zu locken, schlug fehl. Der Oberbürgermeister stoppte die Aktion, weil Schmiererein an unseren sauberen Wänden doch keine Kunst sein kann. Wir lassen uns unser altes Stadtbild auch von der Jugend nicht kapput machen. „Mir sind hier nicht in New York, oder?“ Man kann sich den Jubel an den einheimischen Spießerstammtischen [..]
Armer OB
07.04.2010, 14:50 | vor 671 Tagen  
manchmal überfordern ihn seine Bürger, die auf seinen entschiedenen Beistand rechnen. Konkret: Wie soll der Oberbürgermeister der Stadt Ulm unterscheiden können, zwischen künstlerischer Freiheit zur Graffiti und übler Schmiererei an öffentlichen Wänden, die das ganze Stadtbild verschandelten. So pfiff der Ob jetzt auf Bürgerbeschwerden hin eine Aktion der Volkshochschule zurück, die Jugendliche zur Gafratti-Kunstaktion aufforderte. Der OB, schreibt die Lokalpresse, werte die Jugendaktion keineswegs als Kunst, sondern als „Ärgernis“. Wahrscheinlich erinnerte er sich gar nicht mehr an die große Feier des New Yorker Sprayers Keith Haring in der Kunsthalle Weishaupt, als er und die Honoratioren der Stadt die große Kunst des Graffiti-Künstlers bewunderten. Oder er sagt sich als alter Lateiner: quod licet Haring in New York, non licet irgendwelchen Jugendlichen des [..]
Traumhaft
04.04.2010, 15:10 | vor 674 Tagen  
Fürchterlich, eines Tages zu bemerken, dass alle Kranken, alle Diebe und Verbrecher ausgestorben sind. Es gibt sie nicht mehr. Massen von Anwälten, Richtern, Justizhelfern, Arzthelferinnen, Ärzten, Pschychiatern sind arbeitslos, zerlumpt lungern sie auf der Straße herum und stochern im Müll nach Lebensmitteln. Grauenhaft, Wirtschaft und Politik kollabieren, massenweise stürzen sich Politiker, Marketingleute und Handelstreibende in den Freitod. Die Bankhäuser stehen offen und werden von den Armen geplündert. Viel Gesindel in den Gässchen. Jede Menge Medienpeople versucht das Chaos einzufangen und zu senden. Doch die Leute wollen jetzt selbst und direkt dabei sein. Ohrenbetäubender Lärm, die Plätze füllen sich, Würstchenverkäufer schreien ihre Ware aus. Sprechchöre von Aufrührern sorgen für ängstlichen Gestank. Ältere Priester und neue Religionsstifterinnen brüllen um [..]
Jessica Lange
04.04.2010, 14:03 | vor 674 Tagen  
ist nicht nur eine grandiose Schauspielerin hochsten Ranges, sie ist überhaupt eine starke Frau. Kostprobe? Sie sagt in dem jüngsten, sehr lesenswerten Interview in der FAZ unter anderem: " Bedauerlicherweise wird Hollywood inzwischen von Buchhaltern regiert, die nur auf maximalen Profit schielen. Das sind lausige Bettgefährten für die Kunst." ja, die Buchhalter dieser Welt!?- Sie zerstören die Kultur, indem sie sie verwalten. Kommentare
Massenproblem
04.04.2010, 11:54 | vor 674 Tagen  
wir sehen heute am Islamismus, dass die Masse nur durch Religion in Form zu bringen ist. Das haben die ersatzreligiösen Marxisten mit ihrem romantischen Begriff der Geschichte nicht verstanden. Als Melk-und Zuchtvieh des rohen Kapitalismus überschreitet die Masse alle Grenzen des Geschmacks. Wohin das führt, ahnen wir, ohnmächtig, täglich. Kommentare
Deutsche Sponsoren
03.04.2010, 13:41 | vor 675 Tagen  
sie kaufen Villen und Häuser für Millionen, Autos können ihn nicht teuer genug sein, jedes Familienmitglied braucht mindestens zwei, überhaupt den flotten Maschinen aller Couleur gehört ihr Faible. Fernreisen, große Feste und Schmuck für die Gattin zählen zur Pflichtkür standesgemäßen middle-, ja upper-class Lebens. Werden sie aber um eine Spende, um einen kleinen Beitrag für ein Theaterstück, ein Buch oder einen kleinen Tanz-Event in Höhe von ein paar tausend Euro gebeten, dann furchen sich ihre Stirnen sofort dramatisch. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Da tut reifliche Überlegung not. Gerade Leute mit Geld müssen bekanntlich auf dieses gut achten und sehen. Andererseits Kultur, wenn sie spitzenmäßig ist, bringt ja oft auch ein bisschen Prestige,steuerlich abschreiben ließe es sich auch, räumen sie ein und nach einer kleinen Bedenkzeit machen sie dann [..]
Geheimnis des Lehrers
03.04.2010, 11:23 | vor 675 Tagen  
Erwin Chargaff, dessen Buch „das Feuer des Heraklit“ schmerzlich- kritische Einsichten in die Verrottung des Geistes in den Naturwissenschaften enthüllt, gibt ganz en passent eine Defintion des Lehrers: „Lehrer ist, wer dem Schüler den Weg zu sich selbst weisen kann.“ Dieser Maßstab ist klar und offenbart den Kern unserer pädagogischen Pisa- Misere . Denn wie wenige Lehrer werden es sein, welche die glücklichen Schüler auf den Sonnen- Weg der Selbsterkenntnis bringen könnten? Der Humanist Erwin Chargaff , in der Geistesgeschichte zu Hause wie in den Naturwissenschaften, zeigt uns den Weg zu uns selbst in diesem geistreichen Buch. Kommentare
Eine Überraschung
02.04.2010, 15:55 | vor 676 Tagen  
Karl Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern, wer hätte ihm das zugetraut? Ich gebe zu: ich nicht. Nach einer beispiellosen Schmuddelkampgane gegen die Fußball- Schiedsrichter Michael Kempter und Manfred Ammerell, in deren Verlauf ein privates e-mail Kempters, des Bankangestellten aus Bad Saulgau, an die Öffentlichkeit gelangte, darin dieser sich negativ gegen den FC Bayern äußerte, akzeptierte Rummenigge Kempters Entschuldigung und sagte ausdrücklich, er halte Kempter fortan wieder für unabhängig und fähig, Bundesligaspiele zu leiten. Kempter tat diese Äußerung in dem mail an Ammerell im Kontext der Beschuldigung, Manfred Ammerell sei schwul und habe ihn und andere Kollegen sexuell belästigt. Davon sah Rummenigge ganz ab, er blieb sachlich und verlangte lediglich eine Erklärung Kempters bezüglich seiner Invektive gegen den FC Bayern. Das DFB-Gericht sprach Kempter [..]
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