quenzel



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Kategorie: Tagebücher
ich bin der, welcher ich werden kann, also beobachte ich mich und die Zeit, die mich prägen und beeinflussen will. Sie meint es nicht gut mit mir, sie lügt mich an und will mich täuschen. Um jedoch keinen Verfolgungswahn zu bekommen, ist es ratsam, Ironie und Selbstironie einzusetzen und zu entwickeln, als Kampfmittel gegen den Drachen Zeitgeist. Davon handelt mein blog.
Nachrichten aus dem RSS-Feed: quenzel
Das Tagebuch als Zeitung
06.09.2010, 19:06 | vor 1 Tage  

Henning Ritter schreibt in seinen Notizheften über James Boswell, den berühmten Diaristen, diesen zunächst zitierend:

„ ich selbst bin mir im Augenblick das wichtigste Thema“, so Boswell am 9.Februar 1763.
Ritter: „ Dieses Selbst will aber im Gewühl des Geschehens geschildert werden.Das Tagebuch ist eine Zeitung über die eigene Person und für die Nachwelt ein Zeugnis ihrer Zeit.“

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Der Kunstverrat
06.09.2010, 18:37 | vor 1 Tage  

meint, wie der große Schweizer sagte, die Kunst selbst ist die größte Verräterin. Aber nicht wen, sondern wem verrät sie etwas oder oft alles?
Nur denjenigen, die die historischen Regeln der Lektüre kennen und studieren. Ewig studieren, die Kunst der Lektüre ist nicht auszulernen.
Außerdem: es ist ja öffentlich nie zu sagen oder gar zu bekennen,was die Kunst weiß.
Sie erfindet deshalb eine Geheimschrift, die geübte Philologen, selten Psychoanalytiker zu enträsteln wissen, weil diese meistens ihr offenbares Spezialwissen jener Geheimschrift aufbürden und sich sodurch den Text selbst verdunkeln.
Sie wollen selbst verraten und ihnen entgeht drum der größere Verrat der Kunst.

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Quenzels Abschied
21.04.2010, 10:46 | vor 140 Tagen  

die meisten Blogger tun sich sehr leicht mit dem Schreiben.
Was sie Text nennen, ist meistens nur rasch dahin protokolliertes Tagesgerede.
Es hat gar keinen Wert.
Nichts für mich. Ich verabschiede mich,ziehe mich in die Alpen
meines Schweigens zurück.
Lebt wohl ihr wenigen Getreuen.

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Der Fußball
19.04.2010, 11:39 | vor 142 Tagen  

was die Politik nicht mehr erreicht,schafft der Fußball spielend: Spannung im Fanblock. Nicht nur auf dem Rasen, auch im Verbalen. So ruft Felix Magath seine Schalker Gläubigen auf die Ränge zur letzten Entscheidungs-Schlacht. Uli Hoeness aus München kontert mit deftigen Sprüchen, die den Ehrgeiz im Pott als Aberglauben verhöhnen und den Glanz der Münchner erneut hervorstreichen. Ein Großteil der übrigen Republik, zwischen München und Gelsenkirchen, wird nun durch Neid gegen die reichen Bayern motiviert, sich mit Schalke solidarisch zu fühlen. Hoeness wird beinah zum Buhmann der Nation erhoben, er nimmt die Rolle Hagen von Tronjes ein, doch Magath ist nicht blond und forsch wie Siegfried, er ist eher wie Gott Loki, schlau und fintenreich, er hat mit Uli und den Bayern noch eine Rechnung offen.
Da kommt heute der Bayern-Diplomat Beckenbauer zu Beckmann und wird alles wieder mit seiner drolligen Art entschärfen. Fußball ist letzlich ein Sport, wird er sagen, und Sepp Herberger zitieren: "der Ball ist rund" und hinzufügen: das ist auch gut so.
Allmählich aber, wenn die Schlacht entschieden sein wird, beruhigen sich die Gemüter wieder. Ganz Schalke wird monatelang im Alkoholrausch taumeln,Bayern wird höhere Kämpfe bestehen in der Championsleague.
Uli und Felix werden sich in einer Bar treffen, und neu beginnen mit ihrer alten Freundschaft. Auch das happy end schafft der Fußball spielend, während politisch Vieles zur Katastrophe tendiert.

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Aschenregen
19.04.2010, 02:06 | vor 142 Tagen  

fällt in den letzten Tagen der Menschheit von Karl Kraus. Es ist dort ein Vorzeichen noch schlimmerer, folgender Zeichen. Heute diskutieren sie den Fall wirtschaftspolitisch.
Der Flugverkehr, der durch den Aschenregen ausfällt, beläuft sich auf einen Millionenschaden. Kann es, um diesen abzuwenden, drum sinnvoll sein, mögliche Menschenopfer vorsorglich durch ein Flugverbot verhindern zu wollen?
Marode Wirtschaftswerte und zu rettende Menschenleben werden hier als ein
unversöhnlicher Widerspruch verhandelt, den die ARD-Tagesschau nicht aufzuheben imstande ist.
Denken Sie also am besten selbst.

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Komm heiliger Geist..
17.04.2010, 18:26 | vor 143 Tagen  

Adolf Holl erzählt in seiner Biografie des heiligen Geistes, wie im Mittelalter die fanatischen Anhänger des heiligen Franz, nach dessen Tod, in Spanien einfielen und dort in Moscheen den Propheten Muhammed beschimpften, dem Islam fluchten und sich dem Zorn der anwesenden Muslime aussetzten. Diese verprügelten die Franziskaner und nur ein Wunder eines vermittelnd eintretenden Grafen konnte sie retten. Doch die Gertetteten fühlten sich nicht so, sondern rissen ihrem Beschützer rasch aus und gingen nach Marokko, wo sie wiederum eine große Moschee aufsuchten und den Islam als falsche heuchlerische Religion verfluchten.
Hier fanden sie endlich ihre Begehren. Sie wurden gefangen genommen, gemartert wie Jesus und schließlich geköpft.
Der Wunsch, die eigene fanatisch geglaubte Wahrheit durch das Martyrium zu verewigen und zu besiegeln, maltraitiert seither alle Gesellschaften.

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Titus Andronicus
16.04.2010, 11:28 | vor 145 Tagen  

Das gibt ein Schlachtfest. William Shakespeares schrecklichster Wurf. Titus Andronicus. Am 30.4. am Stuttgarter Staatsschauspiel. - Da müsste Volker Lösch, der Berserker unter den Regisseuren, vollends zu sich selbst kommen.Ich habe von Lösch einiges gesehen. Ich pflege gewissermaßen eine leidenschaftliche Hassliebe zu diesem Menschen,
verstehe ihn ganz von innen.

Es wird bestimmt ein grelles, Sex-Tötungsfest mit zermarterten, amputierten Helden des hellen Wahnsinns auf offener Bühne. Dazu ein stampfender, schreiender Chor.  
Grässlich schön.
Heiner Müller lässt mich aus dem Grabe heraus heute schon grüßen.

Dann hört die Theater-Harmlosigkeit endlich einmal auf zu wirken.
Ende der Spaßgesellschaft. Ich freu mich wie ein garstiges Kind
auf die Perversion einer Tragödie.
 

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Richard von Weizsäcker
15.04.2010, 22:40 | vor 145 Tagen  

wird nun tatsächlich 90 Jahre alt. Er genoss immer großes Ansehen, man sah in ihm einen vorbildlichen deutschen Patrioten,der maßvoll auftrat, so gut wie nie schrie, stets das Fairplay betonte und in der Sprache deren mittlere Tonlagen schätzte und pflegte.Anders als Kohl, der dampfende Parolen liebte oder Schröder, der zu Werbeslogans neigte.
Man sah und erlebte Weizsäcker in seinen schlichten Gesten, die etwas Selbstloses, auch Farbloses repräsentierten. Die Weizsäckerbegeisterung gebildeter Frauen war stiller Natur, verglichen mit der pathetischen Parteinahme für Willy Brandt. Man sah eine Weisheit in ihn hinein, von er er selbst nichts wissen wollte. Die er gar nie beansprucht hat. Er gab sich eher schlicht, bürgerlich und mit vornehmer Distanz zum einfachen Volke,von dem er aber nur immer beste Ansichten hegte und diese stets bescheiden zum Ausdruck brachte. Überhaupt hatte man den Eindruck, wenn er redete, brachte er nur etwas zum Ausdruck, das anderswo, in früherer Zeit schon einmal gedacht worden war. Insofern wirkte er auch immer wie ein besonders sachlicher Märchenonkel.
Er war kein Volksverherrlicher wie manche Marxisten, wie Brecht, der das Volk so groß in seinen Himmel hob, dass dieses Volk, gesetzt es existierte, bis heute vor Scham erröten müsste, hätte es von solchem Ruhm jemals etwas gehört.
Weizsäcker ist liberal, bis ins Groteske sündenlos und seriös. Als Frau wäre er Jungfrau noch heute. Er trinkt nicht, er raucht nicht, er hält Maß und liebt noch nicht einmal den Fußball. Natürlich: Er scheint die allgemeine Katastrophenlage zu kennen, ihr aber nichts Mystisches abgewinnen zu wollen.
Er verkörpert auf Lebenszeit den Präsident als Bürger, eine Persönlichkeit über allen Meinungen. Unter den Kabarettisten reizte er besonders Richard Rogler zu emotionalen Ausbrüchen.
Rogler fand unfassbar, dass ein Politiker so makellos erscheinen sollte. Das war ihm ein oberfauler Trick, den er vergeblich aufzudecken suchte.
Weizsäcker ist bis heute so etwas wie ein Muster-Demokrat, in der Weise wie wir von Musterhäusern sprechen oder von Musterbriefen.
Seine eigene Meinung bringt er an, aber stets mit dem Vorbehalt, dass sie auch grundfalsch sein könnte. Das irritierte die Stammtische von je her, sie kannten sich mit ihm nicht aus, sie konnten sich bei ihm nicht in Begeisterung hinein stürzen, wie bei Kohl oder Strauß oder Schmidt. Bei denen wusste man, woran man war, die lieferten ihren Anhängern reichlich Munition. Weizsäcker hingegen lächelte immer fein, als wollte er damit das unbedingte Rechtsprechen jener Pulverköpfe etwas verschämt zurücknehmen und entschuldigen. An Weizsäcker haben wir jenen Mangel an Extremismus, der bei uns Deutschen selten ist. Auch das Technokratisch-Wissenschaftliche fehlt bei ihm. Wir kennen eigentlich nur sein Image und seine Würde, seine Gesinnung und Meinung ist uns kaum mehr in Erinnerung. Er schritt durch die Kulissen der Zeitgeschichte, als wäre er incognito gekommen und sein eigentlicher Name wäre Schulze.

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Verstaubte Aktualität
15.04.2010, 11:26 | vor 146 Tagen  

Heute scheint alles in einer Art Erinnerungspool zu schwimmen, sogar die anarchistischen Gesten mitten in der Wüste des Maschinenparks haben etwas trotzig Kindliches, riechen nach Kommerz und aufstampfendem Trotz.
Niemand fürchtet sie mehr, ihr aktueller Nimbus scheint gänzlich verbraucht.
Bakunin, Karl Marx und Che Guevara enden im T-Shirt-Museum.
Die Techniker der Popmusik grinsen einverständig,ja, ihre große Ära ist vorbei.
Wer hätte gedacht, dass die Mühen der Revolte eines Tages an der Fadheit eingehen könnten?

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Unsere Rettung
14.04.2010, 10:11 | vor 147 Tagen  

Heute Nacht lief der schreckliche und schöne Film Vittorio De Sicas, die gleichnamige Fassung des Romans Giorgio Bassanis: „Die Gärten der Finzi-Contini“.
Ich war sehr müde, konnte mich aber von den wunderschönen Bildern des Schreckens, wie in das vornehme hochkultivierte Italien allmählich der Faschismus einsickert und alles zerstört, nicht trennen.
Ich schaute ihn en weiteres Mal bis zum bitteren Ende an.
Es ist ein Kunstwerk der größten, der obersten Klasse. Ein Jammer, dass auch das heutige Italien, gewiss an Schönheit mit dem des Vorfaschismus gar nicht vergleichbar, wieder ein Unmensch regiert, um es diesmal mit seiner puren Kitschexistenz und Trivialität zu vernichten. Ich spreche den Namen des Unsäglichen gar nicht aus. Außerdem waren unsere Tamligrößen Gerd, Joschka und der dicke Helmut eine Bohne besser als der Gröfatz aus Rimini? Wirklich? Und wo bleibt da Europa, das ein Veto einlegt gegen den kommerziellen Frevel der Politik gegen das gemeinsame, großartige Erbe?
Echte Tradition? Alles nur Geschwätz.

Bleibt ein Trost: die Bilder De Sicas sind auf ewig unzerstörbar. Sie sind unsere Rettung.

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Deutscher Glaube
13.04.2010, 13:14 | vor 148 Tagen  

an Schulen, Ausbildung, Hochzüchtung ist grotesk und schlägt voll auf das Festival durch, das in München alljährlich In Erwartung einer planmäßigen Entdeckung junger Regiegenies stattfindet. Wie will man jährlich im April – jetzt zum 6. Mal- 8 Regie-Jung Genies auf den Markt bringen ohne Schulen? Ist das Festival „radikal jung“- abgesehen davon, dass es von Jahr zu Jahr noch mehr Jugendstaub annimmt, nicht sogar eine verdeckte Schleichwerbung für Theaterschulen?
Zum Regisseur kann man nicht ausgebildet werden, Regisseur ist man, den Rest bringt man sich selber bei, sagt Peter Brook,dessen Inszenierungen die Welt des Theaters regelmäßig aus der Krise hoben.
Was das Festival angeht, so ist dort vieles zu beobachten, natürlich jede Menge megalomaner Jugendkult, literarische Inkompetenz bei der Stückauswahl, die Gier des Publikums nach Entertainment und Gags, eine erkleckliche Schar von Schauspielern mit einigem Talent, solide Beständigkeit alter Literaturdenkmale, interessante Bühnenbauten und nicht zuletzt aufschlussreiche
Selbstdekuvrierungen des Zeitgeistes im hochsubventionierten Theater-und Kultur-Betrieb.
Zu vermissen : Vor allem originelle Autoren, da diese inzwischen auch bestellt und in eigens in Theaterschulen gezüchtet werden.
Autodidaktische, sich selbst setzende Regisseure bekommen überhaupt keine Chance mehr und freie Theater sind ebenfalls die große Ausnahme.

Das Festival läuft also geölt wie ein Maschinchen, manches ist gekonnt, doch im Ganzen ist die Veranstaltung kreuzbrav und fad. Denn staatlich und von E-On geförderte Avantgarde muss daneben gehen. Es ist vergebliche Mühe wie der Versuch, Kühen und Katzen Klavierunterricht zu geben.-
Sie sind wie das Tehater übernational oder sie sind nicht.

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Der Papst und die Journaille
12.04.2010, 12:38 | vor 149 Tagen  

Die Versuche der liberalen Presse, dem Papst, anässlich der üblen Missbrauchskandale, am Zeug zu flicken, sind sehr duchsichtig. Man möchte ihn unter Zugzwang bringen. Er möge unverzüglich zu den Anschuldigungen, auch gegen seine Person, Stellung beziehen, sonst, so die unterschwellige Drohung, werde man noch massiver und noch lautstärker.
Der Papst ist ein weiser Mann und wird sich nicht nötigen lassen und eine gerechte Antwort zu einem Zeitpunkt, den er für den richtigen hält, nicht schuldig bleiben. Allerdings wird er auf Latein respondieren und man erkennt darin wieder die wohltuende Distanz der katholischen Kirche zur Zeit, in deren Aufgeregtheiten sie sich nicht einspannen lassen will. Dann wird die liberale Presse sich blamieren und ihre mangelnden Lateinkenntnisse in den Jargon ihrer kopflosen Umtriebigkeit übersetzen. Angesichts der Schwere des Problems fehlt den Skriblern jedes ernstzunehmende Niveau und Verantwortungsgefühl. In jeder
Zeile beinah spürt man die Profit-Gier der Auflagensteigerung.
Auch wird die Kirche nicht zulassen, dass einzelne Verbrechen in ihren Reihen der ganzen Kirche zugerechnet werden. Das will die fintenreiche, die Skandale ausschlachtende Journaille nämlich, die in den grässlichen Missbrauchsfällen die Chance wittert, das Oberhaupt der Kirche wie diese selbst nachhaltig zu schädigen und zu verleumden. Es geht der Sensationspresse naturgemäß nicht um die Opfer, das entgeht dem besseren und kundigen Leser natürlich nicht.
Freilich, semper aliquid haeret, zumal die aufzuklärenden Verbrechen schlimm genug und wahrlich keine Bagatellen sind. Die Rufschädigung, die bereits stattfand, ist für die gesamte Kirche nicht leicht zu verkraften.

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Wünsche der Geistlosigkeit
11.04.2010, 14:52 | vor 149 Tagen  

Im Fackelheft 275 vom März 1909 beschreibt Otto Soyka, ein damals bekannter Wiener Autor, den herrschenden Geist der Zeit wie folgt:

„ ..als man zur Ansicht kam, daß Geistesarmut nicht schändet, hörte sie auch auf, verschämt zu sein.Sie fordert heute bereits laut und herrisch Unterstützung. Die Reform der Schule macht sie zu ihrer Sache und ruft nach der Erleichterung im Studium, die ihr naturgemäß das Erstrebenswerteste ist. Und gegenwärtig ist der Geist der Zeit gerne bereit, sich nach den Wünschen der Geistlosigkeit der Zeit zu richten.“

Soyka konnte sich vermutlich nicht vorstellen, dass man mit der Förderung der Geistesarmut bis in unsere Sümpfe hinein vorwärts schreiten kann.

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SPD - lokal
10.04.2010, 16:45 | vor 150 Tagen  

wer sich ein Bild über die desolate SPD machen möchte, sollte sich nicht allein an ihren Großsprechern in den Medien orientieren, sondern einmal beobachten, was diese Partei in den Kommunen alles verspricht und betreibt. Zum Beispiel in Ulm, wo sie sich buchstäblich in die Kirchturmspolitik einmischt. Die katholische Wengenkirche plant, ihren Turm zu vergrößern. Dazu liegen bereits konkrete Baupläne eines renommierten Architekten vor und die Zusagen der finanziellen Unterstützung, und zwar zu je einem Drittel von seiten des Landes Baden Württemberg und der Stadt Ulm. Für das letzte Drittel kommt eine Spendeninitiative der Kirche auf. Das passt der SPD plötzlich nicht.
Das Thema Kirchturm müssse noch einmal in ganzer Breite öffentlich diskutiert werden.
Es ist klar, warum. Über die SPD redet zur Zeit kein Mensch, der halbwegs bei politischem Bewusstsein geblieben ist. Anlässlich des Turmbaues ließe sich das vielleicht ändern, zumal die katholische Kirche durch die Missbrauchskandale eh genügend belastet ist. Warum hier nicht Trittbrett fahren ,sagen sich die lokalen Größen der Hartz IV Partei ?
So können wir vielleicht wieder ein paar Punkte machen.
Es ist erbärmlich, es müsse geprüpft werden, ob die Höhe des Turms nicht das ganze Stadtbild störe und überhaupt, wozu solcher Luxus in dürftiger Zeit?Aus solchen Fragen lassen sich doch bestimmt Wählerstimmen herauswirtschaften, sagen sie sich, die neuen Sozis von heute.
Die SPD verspricht sich von ihrer Kampagne gegen den Kirch-Turm Zustimmung beim Wahlvolk. Wehe, wenn sie sich dabei wieder überschätzt. Denn was weiß sie schon von der Bedeutung des Turmes für eine Gemeinde, deren Anliegen sie doch sonst nie etwas angingen? Die Scheinheiligkeit spricht aus allen Poren ihres unglaubwürdigen Engagements. Je mehr sie weiterreden zur Sache, desto deutlicher wird ihre geballte Inkompetenz.

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Welcher Sieg bittschön?
09.04.2010, 12:24 | vor 152 Tagen  

Die Absicht Präsident Obamas und des russischen Staatschefs Medwedew, ein Drittel der Atomsprengköpfe abzurüsten, ist gewiss rühmlich und lobenswert. Dass Medwedew dazu gleich wieder den Mund voll nimmt und die Phrase eines „Siegs für die gesamte Menschheit“ ausgibt, sind wir von den mit Pomp und Pathos aufgeladenen Russen gewöhnt.
Doch dass die Südwestpresse Ulm dieses Zitat unkritisch übernimmt, statt es wenigstens ironisch zurückzuweisen, scheint mir sehr suspekt. Da werde ich mehr als hellhörig. Was stellt sich das Provinzblatt unter Sieg heute bloß vor? Ist dieses Wort nicht auf den Sportbereich einzuschränken, wo es regelmäßig auch von Verlierern und spannenden Niederlagen zu berichten gilt?
Aber „Sieg für die gesamte Menschheit“? Welchen Reim von Sieg auf die gesamte Menschheit mag sich die Zeitung dabei denn gemacht haben?
Der Bericht sagt es nicht aus, er jubelt nur vorlaut mit.
Der Aufklärungsauftrag der freien Presse geht in die Binsen, wo sie Staats-Propagandabegriffe von gestern blauäugig übernimmt.

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Das gesunde Volksempfinden
08.04.2010, 12:49 | vor 153 Tagen  

Ulm ist kulturell tote Hose, wie man sagt. Den Kulturverwaltern geht es gut, die Künstler darben am öffentlichen Unverständnis und ziehen weg. Die Jugend hat keinen Bock, ein Museum oder gar das Theater zu besuchen. Dort herrscht ohnehin banalste Anbiederung ans Mittelmaß und man orientiert sich an den kitschigen Glotzer-Quoten. Trittbrettfahrerei, wohin man schaut.

Kulturförderung heißt Krönung der Mediokren, sagt der Philosoph. Nichts zu machen, das Angebot der VH, die Jugend pädagogisch zum Graffiti und so durch die Hintertür zur modernen Kunst zu locken, schlug fehl. Der Oberbürgermeister stoppte die Aktion, weil Schmiererein an unseren sauberen Wänden doch keine Kunst sein kann. Wir lassen uns unser altes Stadtbild auch von der Jugend nicht kapput machen. „Mir sind hier nicht in New York, oder?“
Man kann sich den Jubel an den einheimischen Spießerstammtischen vorstellen. Und das Traurige: Die Intelligenteren schweigen, winken ab, sie wollen sich ihre Chancen, in Amt und Würden zu bleiben, nicht verscherzen. Feigheit und Anpasserei garantieren die Karrieren und den restlichen Wohlstand.

So geht es in der ganzen Republik bald zu. Für Kultur fehlt das Geld, das Gros der Sponsoren unterstützt ausschließlich populistische Dinge, wie Sport, Grillfestle und Rockmusik.
Denn auch kulturell muss sich alles rechnen, auszahlen, wie sie sagen. Für kleinere geistreiche Pflänzchen ist kein Platz mehr vorbedacht.
So gibt sich ein Land selbst auf, geht geistig unter, macht noch schnell den Rest vom Reibach und pflegt im übrigen seinen tiefen Schlaf.

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Armer OB
07.04.2010, 15:50 | vor 153 Tagen  

manchmal überfordern ihn seine Bürger, die auf seinen entschiedenen Beistand rechnen. Konkret: Wie soll der Oberbürgermeister der Stadt Ulm unterscheiden können, zwischen künstlerischer Freiheit zur Graffiti und übler Schmiererei an öffentlichen Wänden, die das ganze Stadtbild verschandelten. So pfiff der Ob jetzt auf Bürgerbeschwerden hin eine Aktion der Volkshochschule zurück, die Jugendliche zur Gafratti-Kunstaktion aufforderte. Der OB, schreibt die Lokalpresse, werte die Jugendaktion keineswegs als Kunst, sondern als „Ärgernis“.
Wahrscheinlich erinnerte er sich gar nicht mehr an die große Feier des New Yorker Sprayers Keith Haring in der Kunsthalle Weishaupt, als er und die Honoratioren der Stadt die große Kunst des Graffiti-Künstlers bewunderten.
Oder er sagt sich als alter Lateiner: quod licet Haring in New York, non licet irgendwelchen Jugendlichen des Kepplergymnasiums.
Der Aktionsleiter der Denkstätte „Weiße Rose“, erinnerte prompt an Hans und Sophie Scholl, die während des Nazireichs mit Pinsel und Farbe Freiheitsschreie an die Wand gemalt hätten.
Solche Volte wird der OB seinerseits wahrscheinlich wieder für ein Ärgernis halten, denn Freiheit ist doch genügend vorhanden, wird er sagen,welche Parolen könnten also heutige Jugendliche schon erfinden, die ein Graffiti sinnvoll erscheinen ließen?
Der Ulmer Ob, der sich gewiss global vernetzt fühlt mit der ganzen Jugend der Welt, muss naturgemäß die Ausdrucklust der Ulmer Jugend beschränken, wenn
der „normale Bürger“ dafür kein Verständnis erübrigt.
So ist der Stand der Welt. Was in New York zu einer sensationell neuen Kunstsprache führte, muss in Ulm, außerhalb der Museumskontrolle, noch lange keine Rolle spielen.

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Traumhaft
04.04.2010, 16:10 | vor 156 Tagen  

Fürchterlich, eines Tages zu bemerken, dass alle Kranken, alle Diebe und Verbrecher ausgestorben sind. Es gibt sie nicht mehr. Massen von Anwälten, Richtern, Justizhelfern, Arzthelferinnen, Ärzten, Pschychiatern sind arbeitslos, zerlumpt lungern sie auf der Straße herum und stochern im Müll nach Lebensmitteln. Grauenhaft, Wirtschaft und Politik kollabieren, massenweise stürzen sich Politiker, Marketingleute und Handelstreibende in den Freitod. Die Bankhäuser stehen offen und werden von den Armen geplündert. Viel Gesindel in den Gässchen. Jede Menge Medienpeople versucht das Chaos einzufangen und zu senden. Doch die Leute wollen jetzt selbst und direkt dabei sein. Ohrenbetäubender Lärm, die Plätze füllen sich, Würstchenverkäufer schreien ihre Ware aus. Sprechchöre von Aufrührern sorgen für ängstlichen Gestank. Ältere Priester und neue Religionsstifterinnen brüllen um die Wette. Unruhen überall, auch in den Kaufhäusern.
Die Polizei aber ist unfähig zum Einsatz mit Wasserwerfern, da in ihren Reihen seit Monaten der Alkoholmissbrauch wütet, wie in vielen anderen Institutionen auch, z.B. in der Gesundheitsbehörde, wo man überall torkelnde und lallende Existenzen antrifft. Die Lage ist buchstäblich wie besoffen.
Gottlob kam dann nach einer letzten grellen Sexszene der Abspann des Traumes, den ich aber leider nicht mehr lesen konnte, besonders der producer hätte mich doch wirklich interessiert, denn ich erwachte urplötzlich.

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Jessica Lange
04.04.2010, 15:03 | vor 156 Tagen  

ist nicht nur eine grandiose Schauspielerin hochsten Ranges, sie ist überhaupt eine starke Frau. Kostprobe? Sie sagt in dem jüngsten, sehr lesenswerten Interview in der FAZ unter anderem: " Bedauerlicherweise wird Hollywood inzwischen von Buchhaltern regiert, die nur auf maximalen Profit schielen. Das sind lausige Bettgefährten für die Kunst."
ja, die Buchhalter dieser Welt!?- Sie zerstören die Kultur, indem sie sie verwalten.

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Massenproblem
04.04.2010, 12:54 | vor 157 Tagen  

wir sehen heute am Islamismus, dass die Masse nur durch Religion in Form zu bringen ist. Das haben die ersatzreligiösen Marxisten mit ihrem romantischen Begriff der Geschichte nicht verstanden.
Als Melk-und Zuchtvieh des rohen Kapitalismus überschreitet die Masse alle Grenzen des Geschmacks.
Wohin das führt, ahnen wir, ohnmächtig, täglich.

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Deutsche Sponsoren
03.04.2010, 14:41 | vor 157 Tagen  

sie kaufen Villen und Häuser für Millionen, Autos können ihn nicht teuer genug sein, jedes Familienmitglied braucht mindestens zwei, überhaupt den flotten Maschinen aller Couleur gehört ihr Faible. Fernreisen, große Feste und Schmuck für die Gattin zählen zur Pflichtkür standesgemäßen middle-, ja upper-class Lebens.

Werden sie aber um eine Spende, um einen kleinen Beitrag für ein Theaterstück, ein Buch oder einen kleinen Tanz-Event in Höhe von ein paar tausend Euro gebeten, dann furchen sich ihre Stirnen sofort dramatisch. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Da tut reifliche Überlegung not. Gerade Leute mit Geld müssen bekanntlich auf dieses gut achten und sehen.
Andererseits Kultur, wenn sie spitzenmäßig ist, bringt ja oft auch ein bisschen Prestige,steuerlich abschreiben ließe es sich auch, räumen sie ein und nach einer kleinen Bedenkzeit machen sie dann tatsächlich doch ein paar Hunderter locker und wollen fortan großzügig und wortreich bedankt und verehrt werden.
In jeder Vorrede zum Buch oder zum Musikstück ist ihnen eigens zu danken, in allen Programmheften, Plakaten und sonstigen Werbemitteln prangt ihr Firmen-Logo extragroß und prächtig.

Die beschämende Misere der wohlhabenden, oft geistlosen Leute wird naturgemäß von allen Abhängigen kunstvoll verschwiegen und verbrämt.
Es geht ja keinen etwas an, wie man die Republik ein zweites Mal geistig vor die Hunde gehen lässt. Am wenigsten naturgemäß die Phrasendrescher der Politik und die Leutchen mit Geld.

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Geheimnis des Lehrers
03.04.2010, 12:23 | vor 158 Tagen  

Erwin Chargaff, dessen Buch „das Feuer des Heraklit“ schmerzlich- kritische Einsichten in die Verrottung des Geistes in den Naturwissenschaften enthüllt, gibt ganz en passent eine Defintion des Lehrers: „Lehrer ist, wer dem Schüler den Weg zu sich selbst weisen kann.“
Dieser Maßstab ist klar und offenbart den Kern unserer pädagogischen Pisa- Misere . Denn wie wenige Lehrer werden es sein, welche die glücklichen Schüler auf den Sonnen- Weg der Selbsterkenntnis bringen könnten?

Der Humanist Erwin Chargaff , in der Geistesgeschichte zu Hause wie in den Naturwissenschaften, zeigt uns den Weg zu uns selbst in diesem geistreichen Buch.

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Eine Überraschung
02.04.2010, 16:55 | vor 158 Tagen  

Karl Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern, wer hätte ihm das zugetraut? Ich gebe zu: ich nicht. Nach einer beispiellosen Schmuddelkampgane gegen die Fußball- Schiedsrichter Michael Kempter und Manfred Ammerell, in deren Verlauf ein privates e-mail Kempters, des Bankangestellten aus Bad Saulgau, an die Öffentlichkeit gelangte, darin dieser sich negativ gegen den FC Bayern äußerte, akzeptierte Rummenigge Kempters Entschuldigung und sagte ausdrücklich, er halte Kempter fortan wieder für unabhängig und fähig, Bundesligaspiele zu leiten.
Kempter tat diese Äußerung in dem mail an Ammerell im Kontext der Beschuldigung, Manfred Ammerell sei schwul und habe ihn und andere Kollegen sexuell belästigt.
Davon sah Rummenigge ganz ab, er blieb sachlich und verlangte lediglich eine Erklärung Kempters bezüglich seiner Invektive gegen den FC Bayern.
Das DFB-Gericht sprach Kempter ebenfalls frei. Die DFB- Führung aber will sich jetzt besinnen und Kempter als Schiedsrichter eventuell bald wieder einsetzen, wenn dieser zuvor erneut eine Leistungsprüfung absolvierte.
Man sieht, die beinharte Leistungsgesellschaft verlangt immer mehr Leistungen und Leistungsprüfungen. Ihre Fangarme reichen bis in den kommerziellen Fußballsport hinein.
Aber gut. Kempter will das tun und Rumenigge wird künftig sehr genau hinsehen, ob er sich irrte oder ob Kempter tatsächlich wieder unparteiisch pfeifen kann.
Ich empfehle Michael Kempter drum, damit er inskünftig aus allen Verdächten sich befreie, dem FC bayern doch hin und wieder einen Elfmeter, -“ den man geben kann“, wie die Experten sagen,- zu schenken.

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Jugend ohne Gott
02.04.2010, 11:32 | vor 159 Tagen  

je älter man wird, desto flacher erscheint einem die Zeit,an deren Gebrechen, die sich verblendende Zeichen schuf, man allzu lange teilgenommen hat. Die Tragik besteht darin, ohne Lehrer und Weisheit aufwachsen zu müssen, sodass man eine ganze lange Jugend lang wie ein verlorenes Tier herumirren und den Götzen der Epoche nachlaufen muss.
Dann kam meine Universitätszeit, die noch zuließ, dass neben dem vielen Geschwafel, das auch dort zu erdulden war, ich wenigstens ein paar wenigen der herausragenden Weisheitslehrer begegnen durfte. Die Diktatur der Naturwissenschaften hat diese wenigen heute endgültig vertrieben,sodass die Universität ihre Bedeutung für die Bildung allmählich ganz verlieren wird. Sie mutiert ausschließlich zur Wissensfabrik wie die Konzerne, die sie naturwissenschaftlich bedient, wie Siemens und BASF etc.auch.
Die Jugend in der Provinz, wie ich sie gestern wieder erlebte, gastiert im Retro, im kultisch aufgemöbelten Gestern, mit alten Hüten angetan, mit schrägen Riten, ohne jeden Bezug zur Gegenwart, zur realen Präsenz.
Die Jugend braucht die Weisheit, die Geisteswissenschaft, die Poesie, alles andere: Geld Naturwissenschaft, Machtmissbrauch, das findet sich, stellt sich früh genug ein.
Aber die Jugend ahnt wie immer nicht,was ihr fehlt und keiner sagt es ihr.

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Das Sportfernsehen
01.04.2010, 23:19 | vor 159 Tagen  

bringt immer wieder Dialoge zustande, die bemerkenswert sind.
Der Moderator: wie ist es zu erklären, dass trotz Taktik immer wieder Tore
bei Standardsituationen fallen?
der Kicker: (nach einer Pause) schwer zu sagen,aber man weiß ja nie
genau wo der Ball hinkommt.

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KUNSCHT - in Ulm
01.04.2010, 13:45 | vor 160 Tagen  

Die Kuratorin der bedeutenden modernen Kunstsammlung ihres Vaters Siegfried Weishaupt, Frau Kathrin Weishaupt-Theopold, antwortet auf die Frage des Ulmer Spazz: „ Was ist Kunst?“ unter anderem:

„ Zu großen Teilen tansportiert Kunst irgendwelche Inhalte.“

O je. Solche Rhetorik entspringt der Sinnfinsternis.Tückische, deutsche Sprache, der Satz ist eine Sinnkatastrophe. Durch keinen Nachsatz zu retten. Sie versucht es freilich:

„mit sozialkritischen, politischen oder historischen Themen.“

Was bitte soll ein sozialkritisches Thema sein? Hat sie nochmal Günter Grass gelesen?
Was heißt schon politisch,was bitte historisch? Diese verkohlten Formeln.
Nichts als semantische Wolkenschieberei, Schmonzes hätte man früher in Wien dazu gesagt.
Aber sie gibt nicht auf, sie ist wie Claudia Roth ganz gierig nach bloßen Inhalten.

„ Es geht heute sehr stark um kunsthistorische und kunstheoretische Inhalte.“

Inhalte gegenwärtiger Kunst wären Theorie und Historie? Nein, ich lache gar nicht, ich pfeife ein Lied. manchmal ahne ich sogar, was sie meinen könnte, die gute Dame.
Aber der Casus ist typisch für den heutigen Journalismus. Ob jemand etwas zu sagen hat, ist ihm nebensächlich, Hauptsache, die Kandidatin der Rede ist irgendwie, eben wie zitiert über „irgendwelche Inhalte“, prominent oder populär zu machen.
Nach den ersten zwei Absätzen hörte ich gleich auf, weiter zu lesen.
Der einfältige Spazz hat sie mir geoutet, die Dame kann freilich gar nichts dafür. Sie hat nur Kunstwissenschaft studiert, da ist Deutsch eben nur Neben- kein Prüfungsfach.

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Auferstehung
01.04.2010, 12:51 | vor 160 Tagen  

Dass ein Gott für ihn gestorben ist, verleiht dem Menschen den Adel und gibt ihm die größte Hoffnung.

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Stalins Omnipräsenz
31.03.2010, 11:40 | vor 161 Tagen  

Als die erste Bombe in der Moskauer U-Bahn hochging, so erzählt ein Russe, der an der Ticketbox der Metro stand, kam ein schwer bewaffneter, mit einer kugelsicheren Weste umgürteter Polizist angerannt und rief einer alten Metrobeamtin zu: „ Das war nur die erste Bombe, es folgen gleich noch zwei weitere“. Davon und von der Detonation aufgeschreckt, begehrten einige in der Warteschlange vor der Ticketbox anstehende Bürger Auskünfte darüber, was er damit meine, was eigentlich los sei?
Da schrie der Milizionär sie an, sie sollten das Maul halten, sonst ließe er sie auf der Stelle verhaften und in das Gefängnis der Geheimpolizei werfen.

Diese merkwürdige Anekdote hat folgenden Hintergrund:
Seit einiger Zeit arbeitet die russische Opposition im Parlament daran, die übermächtige Willkürherrschaft der Sicherheitskräfte per Gesetz einzuschränken.
Die Sicherheitskräfte, - der Staat im Staate, - versuchen naturgemäß, Ihre Entmachtung zu verhindern, und bedürfen drum stets des neuerlichen Nachweises, dass ihre Omnipräsenz sehr wohl lebensnotwendig sei. Denn nur ihre starke Macht sei in der Lage, die immensen Gefahren des Terrors und des Massenverbrechens zu bekämpfen und zu bannen.
Doch ein solch täglich beschworenes Verbrechen ließ, seit man die Tschetschenen besänftigt hat, auf sich warten. Und die Rhetorik der Staatsgewalt schallte immer hohler durchs Land. So entstand der Eindruck, dass die Sicherheitskräfte selbst dafür sorgen wollen, ihre Übermacht als eine Garantie der Staatsvernunft nachzuweisen.
Der Verdacht, dass die russische Polizei an dem Terrorakt in der Moskauer Metro selbst aktiv beteiligt gewesen sei, klingt am Beispiel der oben zitierten Anekdote drum durchweg plausibel.
Auch dass die russischen Medien statt den ersten Bildern vom blutigen Tatort, ur-alte Filme zeigten, ist kein gutes, sondern ein altes Zeichen, das der größte Staatsterrorist aller Zeiten, Josef Stalin, oft gebrauchte.

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Der neue Mensch von Moskau
30.03.2010, 21:40 | vor 161 Tagen  

nach dem Unglück in Moskau, als niemand mehr in die Metro steigen wollte, erhöhten die Taxifahrer und sogar die Busfahrer sofort drastisch ihre Preise.
Welch ein Volk,in dem das Unglück des anderen sofort
nichts als kommerzielle Profitinteressen erweckt.
Die hypertrophe Utopie vom homo novus einst gebiert noch immer wahre Ungeheuer.

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Die Leistung der Türken
30.03.2010, 14:08 | vor 161 Tagen  

die politische Sphäre scheint heutzutage weitgehend entpersönlicht. Karl Marx' böses Wort von den "Charaktermasken" ist aktueller denn je. Auf den Punkt: Die Begegnung zwischen der nüchternen Protestantin Merkel mit dem Temperamentsbolzen Erdogan verspricht wenig Günstiges und auch das Nachholzen Wowereits wird da kaum etwas nützen.
Frau von der Leyen oder von Guttenberg als Partner des robusten Türken wären wohl geeigneter und Erfolg verheißender. Der Türke bedürfte eines deutschen Männerfreunds in der Politik, der ihn beruhigen und sehr gut beraten könnte.
Außerdem, die abstrakte Forderung nach stärkerer Integration der Türken im Lande vertuscht die tatsächliche Assimilation, die einige deutsche Türken mit Bravour seit langem vollzogen haben.
Warum sprechen wir nicht deutlicher und offener davon?

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