Faszination Nordbaikal - Reisen nach Sibirien



      Faszination Nordbaikal - Reisen nach Sibirien
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Kategorie: Tagebücher

Lassen Sie sich inspirieren durch unsere Erlebnisse und Erfahrungen verschiedener Reisen zum Nordbaikal und unserer Erlebnisse beim Great-Baikal-Trail Wanderwegebau.

Nachrichten aus dem RSS-Feed: Faszination Nordbaikal - Reisen nach Sibirien
Bridge of Friendship - Tag 5: Der Nord-Pylon steht
(Thu, 19 Mar 2009 10:36:00 +0000)  Die Streifenhörnchen (Burunduks) wurden von Tag zu Tag kecker und bedienten sich bald selbst am Frühstückstisch - hier ein stibitzter Kecks.Blick nach Süden - das Tarp des Pickniks liegt geschützt hinter den Dünen.Um am Pylon zu arbeiten, bauten wir eine große Anstellleiter aus Brettern. Christian verbindet hier gerade die Pfosten.08.07.06: Heute sollte der erste Pylon seine Gestalt bekommen - die Tragekonstruktion am Nordufer. Das Ziel war es, diese komplett fertig zu stellen. Natürlich begann dieser Tag auch wieder mit allgemeinem Wecken und enspanntem Frühstück, zumindest für alle, die keinen Küchendienst hatten. An unserem Frühstückstisch fanden sich wieder Gäste ein, die zunehmend kecker und mutiger wurden. Es waren Streifenhörnchen - Burunduks. Sie hatten ihre Scheu schon soweit abgelegt, dass sie sogar vom Tisch an dem wir saßen, allerlei Leckereien stibitzten, Brotkrümel oder sogar ganze Kekse. Aber auch an der Abfallgrube sicherten sie sich einiges an Essbarem. Um in der Höhe der Pfosten arbeiten zu können, benötigten wir entsprechende Technologien - simpel ausgedrückt eine Leiter. Da wir keine hatten, mussten wir etwas in dieser Art selber bauen. Auch um die Pfosten vor dem Umstürzen zu sichern, war eine Verschwerterung mit Brettern erforderlich, die später wieder entfernt werden würde. Für beides benötigten wir Bauholz, am besten Bretter oder Bohlen. Da wir derartiges Material beim Leiter des Sanatoriums gesehen hatten, wandten wir uns mit Tanja an ihn. Er half uns bereitwillig aus. Was immer wir bräuchten, sollten wir uns nehmen. Trotz des großzügigen Angebotes wollten wir nicht zu verschwenderisch mit dem Material umgehen und gestalteten die Leiter (eher ein Anstellgerüst) so, dass man die Bretter später für andere Teile der Brücke wiederverwenden konnte.Um die notwendigen Arbeiten an der Konstruktion musste ich mich selbst kümmern, so dass die Anleitung zu parallelen Arbeiten, sofern es nicht Christian tat, etwas auf der Strecke blieb. Das führte dazu, dass manche häufiger Leerlauf hatten und sich im Schatten niederließen, ohne dass es gleich auffiel. Das sollte an den kommenden Arbeitstagen noch häufiger vorkommen. Natürlich sollte jeder nach eigenem Empfinden Pausen einlegen, aber einfach nichts zu tun, weil der der nächste Arbeitschritt unklar ist und sich nicht mit seinem Problem zu melden, dass gefiel mir nicht wirklich.Der Grund am Nordufer ist sumpfig - daher auch die Balkenlage zum Aufnehmen des Druckes. Die Pfostenlöcher und Zwischenräume wurden mit Kieselsteinen und Sand vefüllt.Schon bald nachdem etwas sichtbar über den Boden ragte, stellten sich die ersten Neugierigen ein.Die Mädchen schleppten Unmengen Sand vom Strand zum Bauplatz - meistens in Plastikschüsseln.Die veranschlagten Arbeiten waren eigentlich keine große Sache - scheinbar. Es ging schließlich nur um vier Balken und zwei-drei Verstrebungen, die zu einem Gebilde zusammengefügt werden sollten. Aber technologisch war es natürlich etwas komplizierter. Die Arbeiten fanden auf engem Raum statt. Für Arbeiten in der Höhe mussten wir auf dem leiterartigen Gerüst stehen, was dank der großzügigen Dimensionierung aber bis zu zwei Personen sein konnten. Und die Ausklinkungen mussten durch mehrmaliges Anpassen beim Aufstellen korrigiert werden. Arbeitete jemand oben auf dem Gerüst mit dem Hammer oder mit anderem Werkzeug, ließ ich das Gerüst durch jemanden - meistens war es Oliver - sichern und untersagte Arbeiten im Bereich darunter. Einmal viel auch jemandem ein Hammer hinunter, was den Sinn dieser Maßnahme deutlich machte.Christian hatte offensichtlich Spaß daran, selbst auf das Gerüst zu steigen und verschiedene Arbeiten in der Höhe durchzuführen, wie das Anpassen der ausgeklinkten Balken und das Aufnageln der Stahlbänder. Aber auch Ich hatte die eine oder andere Arbeit in luftiger Höhe durchgeführt und fand erhebend mit dem Blick über unser Baufeld zu arbeiten.Im unteren Bereich gab es auch eine Menge kleinerer Arbeitsschritte durchzuführen, wie zum Beispiel die Verbindung der Pfosten, Sattelbalken und Fundamentbalken mit Winkeln, Lochplatten und Stahlbändern. Die Mädchen verfüllten und verdichteten den Raum um die Fundamentbalken herum, wofür sie große Mengen an Sand und Kieselsteinen vom Strand herbeischleppten.Besonders fleißig war die kleine Tanja, die sich immer Arbeit suchte und auch unliebsame Tätigkeiten verrichtete, wie das Lackieren der Stahlbeschläge.Schließlich stellten wir die erste Tragekonstruktion planmäßig fertig und konnten uns auf den kommenden freien Tag freuen.
Bridge of Friendship - Tag 4: Das erste Fundament
(Mon, 22 Dec 2008 08:36:00 +0000)  Während im Hindergrund das Fundament der Nordpylone ausgerichtet wird, schält die kleine Tanja Rinde von einem Stamm.Ein Strigun-Käfer sonnt sich auf einer abgelegten Jacke.08.07.06: Der Tag begann, wie der Tag zuvor. Das Wecken der Truppe erforderte einiges an Nachdruck. Es war ein Samstag. Wir hatten uns darauf geeinigt, unsere ersten zwei freien Tage zu nehmen, wenn wir einen sichtbaren Teil der Arbeiten fertig hätten. Das sollte die Fertigstellung beider Fundamente sein.Im Verlauf der Zeit bildete sich eine Arbeitsteilung heraus, die zwar einerseits aufgrund der Zeitknappheit optimal war, andererseits dem einen Teil die anspruchsvolleren Arbeiten und dem anderen Teil die stupiden Arbeiten zuteil werden ließ. Vor allem die Mädchen schälten Rinde von den Baumstämmen, schleppten Sand und Kiesel zum Verfüllen und flochten die Seilschlaufen.Egor und Sascha waren die Kraftmeier. Sie fällten Bäume, schleppten sie aus dem Wald oder hoben die Gruben aus. Christian war vor allem auf handwerklich anspruchsvolle Arbeiten spezialisiert, leitete an und beriet mit mir die Probleme und Lösungen. Regina bewirtschaftete das Camp, wobei ihr reihum jeden Tag jemand anderes als Küchenhilfe zugeteilt wurde.Da ich ständig hin und her gerissen wurde zwischen dem Beaufsichtigen und Anleiten, aber auch Arbeiten, die ich selbst ausführen musste, war Oliver als Assistent sehr hilfreich. Hilfsarbeiten, ohne die es nicht weitergegangen wäre, erledigte er zuverlässig. Am Ende dieses Tages war auch das zweite Fundament fertig und und der Mast der erster Tragekonstruktion war aufgestellt. Damit hätten wir uns die ersten zwei freien Tage gönnen dürfen. Da wir aber noch keine fünf Arbeitstage am Stück absolviert hatten, schlug ich vor, noch einen weiteren Tag zu arbeiten und eine Tragekonstruktion fertig zu stellen. Die weiteren Aufwände ließen sich danach viel besser abschätzen - war meine Argumentation. Mit mehr oder weniger großer Begeisterung wurde der Vorschlag akzeptiert.Der erste Pfosten der Nordpylone steht im Abendrot.Sonnenuntergang - Der rote Feuerball versinkt hinter dem Kamm des Baikalgebirges am Westufer des Sees.Ich spürte, dass nicht alle in gleicher Weise eine Begeisterung für das Projekt entwickelten. Vermutlich konnten sich die meisten das Ergebnis nicht wirklich vorstellen und die gleichzeitig recht eng vorgegebenen Arbeitsabläufe begeisterten sie nicht wirklich. Vor allem bei der großen Tanja, die ja offiziell als Brigadierin eingesetzt war, waren die Zweifel offenkundig. Eine nicht ungefährliche Entwicklung, wenn eine verantwortliche Person in einen offenkundigen Konflikt mit einem anderen Verantwortlichen tritt. Allerdings hatte sie keine Lösungsalternativen für das Projekt, so dass es bei einer mehr oder weniger offenkundig zur Schau getragenen Lustlosigkeit blieb.Auch Oliver entgingen diese Befindlichkeiten nicht. Im war auch deutlich anzusehen, dass er die Rolle, welche Olga zunehmend einnahm missbilligte. Ihr Desinteresse am Projekt war offensichtlich. Sie schien eigene Vorstellungen davon zu haben, wie sie die Zeit verbringen würde. Doch noch äußerte ich mich nicht dazu, obwohl ich ebenfalls ein etwas vorbildhafteres und motivierendes Auftreten der immerhin Zweitältesten in der Truppe erwartet hätte.Beim allabendlichen Besuch der Thermalquellen lockerten wir im heißen Wasser wieder etwas auf und der Anblick des ersten Pfostens im Abendrot, ganz ohne das hektische Getümmel vermittelte das Gefühl, dass wir es schaffen würden. Die abendliche Ruhe am verlassenen Bauplatz hatte vor dem Hintergrund eines traumhaften Sonnenunterganges sogar etwas unheimlich Romantisches.
Bridge of Friendship - Tag 3: Die Arbeiten beginnen
(Sun, 21 Dec 2008 13:13:00 +0000)  Erläuterung der Konstruktion mit hilfe eines Models aus Hölzchen im Sand.In der Mittagspause brauchten wir nur ein paar hundert Meter den Strand entlang zu laufen, um an den gedeckten Mittagstisch zu gelangen.Am Abend war Enspannung in den Dünen angesagt.07.07.06: Der Tag begann, wie von nun an jeder Arbeitstag beginnen würde, nämlich damit, dass Regina und ich aufstanden, Feuer machten, Wasser für Tee und Kascha aufsetzten und etwa gegen acht Uhr den Rest der Truppe weckten. Dar Tisch war bereits gedeckt. Gegen neun war das Frühstück beendet und bis auf den Küchendienst bewegte sich die Truppe zum Baufeld.Jetzt begann die eigentliche Herausforderung. Die bestand darin, alle gleichzeitig zu beschäftigen. Ich hatte keine Ahnung wie schwierig das noch werden sollte, denn kaum einer, ach was, überhaupt niemand war ein Profi für solche Arbeiten und kaum einer hatte das Projekt im Detail erfasst. Zu meinem großen Glück erwies sich Christian als riesige Hilfe beim Anleiten anderer für verschiedenste Arbeiten, ein echter Ko-Bauleiter. Um zu veranschaulichen, wie sich die Arbeiten über die Tage verteilten und wie straff doch die Planung angesichts der wenigen Zeit war, empfehle ich, meine Präsentation Bridge Building Story" anzuschauen. Aber so anspruchsvoll, wie die Aufgabe technisch und technologisch auch sein mochte, es war längst noch nicht alles, was es an Herausforderungen zu bewältigen gab.Das Schwierigste für mich war immer wieder, die verschiedenen notwendigen Arbeiten breit zu verteilen und parallel durchführen zu lassen. Es ist eine echte Herausforderung, eine Gruppe Jugendlicher dabei permanent anzuleiten und zu motivieren und ich meine, ich bin diese Herausforderung nur teilweise gerecht geworden.Bevor wir zum Bauplatz gingen, erläuterte ich die Konstruktion anhand eines Minimodels aus kleinen Hölzern, die ich mir aus Zweigen herausbrach. Im Sand neben unserer Picknicklounge baute ich das Brückenmodell auf und versuchte, die Bauphasen zu erklären. Anfangs schien nur Christian wirklich zu erfassen, was ich erzählte.Der Küchendienst beim Geschirr spülen am Steg.Die Zelte unseres Camps waren in der heideartigen Taiga zwischen den Bäumen verstreut.Aber zu den Dünen, von wo aus dieses Foto entstand, waren es nur ein paar Schritte.An diesem ersten echten Arbeitstag ebneten wir die Baufelder für beide Fundamente ein, besorgten passende Baumstämme für Grund- und Sattelbalken, schälten sie und schnitten die Stämme für das erste Fundament zurecht. Nach dem Anpassen und Ausklinken beendeten wir den ersten Arbeitstag mit der Fertigstellung des ersten Fundaments.Das Gute an diesem Projekt war, dass es keine weiten Wege gab. zum Mittagessen konnten wir immer schnell zum Camp gehen und uns dort vom Küchendienst bewirten lassen. Wir hatten uns wieder darauf verständigt, dass Regina das Regiment über die Vorräte und die Küche führt und ihr jeden Tag ein wechselnder Küchengehilfe zugeteilt wird. an diesem Tag war es Mascha.Letztlich hat der Küchendienst den längsten Arbeitstag von allen. Während die anderen bereits verschiedenen Freizeitbeschäftigungen nachgingen, wie zum Beispiel Federball in den Sanddünen, war für die Diensthabenden noch Geschirr spülen angesagt.Aber zu den heißen Quellen gingen schließlich alle gemeinsam.
Bridge of Friendship - Tag 2: Ein Tag für die Infrastruktur
(Sun, 21 Dec 2008 10:45:00 +0000)  Die Picknicklounge nimmt Konturen an, das Tarp wird aufgespannt.Die erste gemeinsame Malzeit in unserer Picknicklounge.Christian und Johannes beim Bau des Steges.06.07.06: Der zweite Tag ging nochmals auf die Erschließung der Infrastruktur drauf. Im Ergebnis hatten wir eine Kochstelle mit Sitzrondell, eine neue Grube mit einem (vorhandenem) Plumpsklo-Verschlag, eine Picknik-Lounge mit Tarp-Überspannung.Unsere Campingstelle war wirklich schön ausgesucht, aber einen entscheidenden Nachteil hatte sie - ein Bach war leider nicht in der Nähe. So mussten wir das Wasser aus dem Baikal nehmen, was bei Wellengang nicht ganz einfach wäre. Daher errichteten wir noch unter maßgeblicher Anleitung von Christian einen Steg zum Wasserholen.Dieser Steg hatte einen weiteren Vorteil. Da zu dieser Zeit die Zedern blühten, war der gelbe Blütenstaub überall und sammelte sich auf dem Wasser des Baikal vor allem im Spülsaum der Wellen am Ufer. Durch den Steg konnte man nun von weiter draußen klares Wasser schöpfen, ohne ins Wasser steigen zu müssen.Bei all den Arbeiten konnten wir uns aus alten Brettern von Überresten irgendwelcher Holzverschläge bedienen, welche vermutlich von früheren Camps in diesen Dünen hinterlassen wurden. Die Kochstelle war eine besonders wichtige Einrichtung. Wir sorgten für einen angemessenen Sicherheitsabstand zwischen dem Lagerfeuer und dem brennbaren Umfeld. Schließlich war die Vegetation zur Zeit sehr trocken. Eine umlaufende Bank gestattete es allen, einigermaßen bequem am Feuer zu sitzen.Eine Ortsbegehung unserer künftigen Baufeldes fand auch an diesem Tag statt. Wir nahmen ein paar Vermessungen vor und legten die Lage der beiden Fundamente fest. Morgen sollte es richtig losgehen.Schon bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Später würden die Streifenhörnchen fast zur Plage werden.Nach dem abendlichen Besuch der heißen Quellen sitzen Oliver und ich beim Sonnenuntergang vor dem kleinen Laden.Den Abend lässt jeder auf seine Weise ausklingen - besonders romantisch ist es natürlich am Lagerfeuer.Recht bald stellten sich die ersten neugierigen Besucher ein. Es waren Streifenhörnchen - auf russisch Burunduk genannt - welche sich scheinbar für unsere Kochkünste interessierten. Natürlich fanden wir die posierlichen Tierchen süß und spendierten ihnen den einen oder anderen Happen. vielleicht war das ein Fehler, denn die Anzahl der Steifenhörnchen und ihre Zutraulichkeit sollten von Tag zu Tag zunehmen.Nach unserem Tagwerk nutzten wir natürlich die Möglichkeit, in den heißen Quellen zu relaxen. Den Weg über einige hundert Meter bis zu den Quellen würden wir von nun an jeden Abend gehen. Aber auch eine andere Erfahrung - eher eine Plage - würde uns nun allabentlich heimsuchen: Schwärme von blutsaugenden Mücken.Der Weg zu den Quellen führte durch die wenigen Häuser des Sanatoriums Khakusy vorbei, so auch an einem kleinen Lädchen, wo wir uns auf dem Rückweg mit Kleinigkeiten versorgten. Auf der Bank vor diesem Lädchen mit Blick auf den Baikal genossen wir den Sonnenuntergang über dem Westufer des Sees. Dann ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen.
Bridge of Friendship - Tag 1: Überfahrt nach Chakusy
(Sat, 17 May 2008 15:29:00 +0000)  Zunächst beluden wir den SchTEO-Bus mit unserer Camp-Ausrüstung, dann gings nach Nishneangarsk zum Hafen.Der Bus am Anleger in Nishneangarsk. Von unserem Boot war weit und breit nichts zu sehen.Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Unser Boot war inzwischen auch da, aber wir durften noch nicht an Bord.05.07.06: Dieser Tag war der Anreisetag ins diesjährige Camp - das GBT-Projekt "Bridge of Friendship" in Chakusy (engl. Khakusy). Er galt als erster Tag unseres Projektes.Er begann mit einem Frühstück im SchTEO, welches bereits mit unseren Campvorräten bereitet wurde. Dann wurde der SchTEO-eigene Bus beladen. Unser Gepäck, die Vorräte, das Werkzeug und Material. Mir fiel auf, dass die Beschläge zwar solide gemacht, aber noch nicht gestrichen waren. Da sie aus C-Stahl waren, würden sie einen Korrosionsschutz benötigen. Wir würden sie also vor Ort anstreichen müssen. Die Farbe dafür stand auch bereit und amüsierte mich, es war Rosa.Nachdem der Bus beladen war, gab es noch ein Gruppenfoto vor dem SchTEO. Dann stiegen wir ein und fuhren nach Nishneangarsk. Von Sewerobaikalsk sind das etwa 30 Kilometer. Die Straße ist asphaltiert und verläuft parallel zu den BAM-Gleisen, die etwas oberhalb der Straße teilweise in Tunneln verschwindet.Nach etwa dreißig Minuten sind wir in Nishneangarsk. Diese Siedlung ist nicht erst mit der BAM entstanden, wie Sewerobaikalsk und ist daher deutlich älter. Deshalb ist sie auch Sitz der Rajon-Verwaltung für den Nordbaikalkreis. Hier befindet sich auch der regionale Flughafen, welcher mehrmals mal pro Woche sowohl aus Irkutsk als auch aus Ulan-Ude angeflogen wird.Am Pier angekommen sehen wir ein Boot liegen, einen Kutter der Jaroslavez-Klasse, von dem es aber hieß, es sei nicht unseres. Wir bildeten eine Kette und entluden den Bus. Das Gepäck und die Camp-Utensilien stapelten wir direkt auf dem Anleger.Nachdem der Kapitän das Boarding genehmigt hatte, luden wir das Gepäck aufs Oberdeck und bald danach legten wir ab.Nach einer teilweise etwas verschlafenen Überfahrt kommen die Holzhäuser von Chakusy in Sicht.An diesem Tag kümmern wir uns um die Infrastruktur, richten die Kochstelle ein und beginnen mit der Picknik-Launch.Dann hieß es, das ist wohl doch unser Boot, sein Name war ja auch "Chakusy", wie unser Ziel. Aber weil der Kapitän noch nicht da war, durfte auch noch keiner an Bord. Irgendwann ging es dann aber los. Wieder eine Kette bilden und auf dem Oberdeck des Kutters stapeln. Als wir endlich ablegten, hantierte ich wohl etwas zu hecktisch mit meinem Fernglas und schwups, opferte ich eine Objektivkappe dem Vater Baikal. Ich hoffte, er wird mir die nächsten Tage wohl gesonnen bleiben.Die Überfahrt dauerte etwas mehr als drei Stunden. Dann tauchte die Silhouette der Bucht von Chakusy auf. An Bord waren auch Elena Lagutina vom GBT, die sich ein Bild von der Arbeit des GBT am Nordbaikal machen wollte und wie sich während der Fahrt herausstellte, auch Sergej Nikolajewitsch, der Verwalter des Khakusy Sanatoriums. Von ihm erhielten wir im Verlauf des Projektes eine sehr gute Unterstützung.Nach dem Anlegen wurde es noch mal hart: Kette bilden und alles auf dem Anleger stapeln. Dann den Traktor beladen (Laut Christian nennt man das Fahrzeug richtiger weise Geräteträger). Dieser brachte die Sachen bis an die Mündung des Flüsschens - unseres Flüsschens. Nun hieß es, eine Camp-Stelle ausfindig zu machen. Wir entschieden uns für einen lichten, heideartigen Taigaabschnitt mit angrenzenden Dünen zum Baikal hin. Der große Nachteil war, wir müssten alles noch fast 500 Meter schleppen, wobei wir alle mehrmals gehen mussten, bis alles vor Ort war.Die auserwählte Stelle war sehr lauschig und für die Größe unseres Camp war ausreichend Platz geboten. Nur für die Infrastruktur musste noch gesorgt werden. Aus den Artefakten und Brettern älterer Camps begannen wir zuerst mit der Feuerstelle. Gleichzeitig bauten alle ihre Zelte auf. Als Nächstes machten wir uns an die Picknick-Lounge.
über Lena und Baikalgebirge - endlich da!
(Tue, 04 Jul 2006 18:25:00 +0000)  Das Bahnhofsgebäude von Ust-Kut, welches den Stationsnamen Lena trägtGleich werden wir die Lena überqueren - Oliver fotografiert pausenlos.Wir winden uns ins Baikalgebirge hinauf, umringt von zweitausender Gipfeln.04.07.06: Oliver hatte sich vorgenommen, an diesem Tag früh aufzustehen. Er wollte an diesem letzten Reisetag die abwechslungsreiche Landschaft genießen, welche ab Ust-Kut an uns vorüber ziehen würde. Noch vor der Ankunft in Ust-Kut aufzustehen, hieß früh aufstehen - sehr früh, gemessen an den vergangenen Tagen. Natürlich steigt auch die Aufregung, wenn eine so lange Bahnfahrt dem Ende zugeht.Somit sind wir bei unserer Ankunft an der Station Lena - so heißt der Bahnhof von Ust-Kut - munter und zum ersten Ausstieg des Tages bereit. Diesmal gibt es auch ein paar Fotos vom Bahnhof. Die Sonne geht gerade auf und wirft lange Schatten. Nachdem sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt hat, rollen wir durch Industriebrachen. Wir sehen einen Gebäudebrand, der aber von einigen Feuerwehren fast gelöscht ist und schwelende Rauchschwaden aus dem verkohlten Gebäude aufsteigen lässt. Dann schmiegt sich die Bahnlinie immer enger an das Westufer der Lena und offenbart einen Blick über den Fluss hinüber zu den bewaldeten Berghängen der Ostseite.Oliver ist schon mit dem Fotoapparat bewaffnet, um die Überfahrt über die Lena fotografisch zu dokumentieren. Schließlich überqueren wir sie, die Lena, welche frei von Staustufen bis ins Nordpolarmeer fließt und ab Ust-Kut flussabwärts schiffbar ist - natürlich nur in der eisfreien Zeit von Juni bis Oktober.Nachdem wir die Eisenbahnbrücke passiert haben, schmiegen sich die Gleise gleich wieder an den Berghang und gewinnen langsam an Höhe. Nachdem wir bereits auf eine stattliche Höhe über der Lena geklettert sind, verabschiedet sich die BAM von der Lena mit einem letzten atemberaubenden Blick über das majestätische Tal und schwenkt in ein Seitental, welches zum Vorgebirge des Baikalgebirges gehört.Einfahrt in den BAM-Tunnel vor Severobaikalsk - für Eisenbahnfan Oliver ein oligatorisches Fotomotiv.Der erste Tag in Sewerobaikalsk - ein Fastfood-Mahl unterm Sonnenschirm am zentralen Platz.Blick vom zentralen Platz in Richtung Hinterland.Für uns beginnt einer der schönsten BAM-Abschnitte. Obwohl es noch viele Stunden bis Sewerobaikalsk sind, findet man kaum Zeit, zu Essen oder die Sachen für die baldige Ankunft zusammenzupacken. Die wechselnden unberührten Berglandschaften fesseln immer wieder den Blick.Irgendwann ist es soweit und wir ziehen eine große Schleife in der Nähe von Strelka, bevor wir in den ersten großen BAM-Tunnel einfahren. Oliver fotografiert auch hier emsig. Der Zugbegleiter bittet uns, im Tunnel die Fenster zu schließen. Er erzählt uns, man würde von irgend einer Strahlung im Tunnel munkeln. Auch wenn ich dem nicht recht glauben mag, schließen wir die Fenster damit einfach keine muffige Tunnelluft in den Waggon dringt. Auf der anderen Seite des Tunnels sind wir fast schon da. Von Davan aus fahren wir das Tal des Flüsschens Goudshekit entlang und nach dessen Mündung in die Tyja entlang des Tyja-Tals bis an den Baikal, wo der Zug am Bahnhof Sewerobaikalsk hält.Nun sind wir also da - endlich! Nach dem Aussteigen können wir kein "Empfangskomitee" entdecken. Etwas später taucht Ljuba auf und begrüßt uns herzlich. Als sie mitbekommt, dass Matthias nicht mitgekommen ist, ist sie sichtbar enttäuscht, aber nur für kurze Zeit. Zusammen fahren wir ins SchTEO - die "Schule für Tourismus und Ökologische Erziehung", welche gleichzeitig Stab des GBT und Hostel ist.Im SchTEO (russ. ШТЭО) treffen wir weitere Bekannte. Alle sind fleißig dabei, Werkzeug und Vorräte zu verpacken. Wir entscheiden uns, auch im SchtEO zu übernachten und bringen unsere Rucksäcke in die Zimmer. Nach der Begrüßung aller Bekannter, begebe ich mich mit Aljona in einen Schuppen, wo sich das Stahlseil befindet. Es sind zwei in Ringen gelegte Seilstücke mit einem Durchmesser von 11 mm und sehr starken Einzeladern. Es ist dadurch sehr steif und für meine mitgebrachten Seilschellen eigentlich schon zu dick, da ich diese für ein 10-mm-Seil ausgewählt hatte. Dann überprüfte ich mit Aljona die Werkzeuge. Wir stellten fest, dass wir noch einige spezielle Dinge benötigten, wie z.B. eine Eisensäge. Aljona entschied kurzerhand, dass ich mit Jegor in einen Heimwerkerladen fahren sollte und die fehlenden Sachen besorge. Jegor chauffierte den Wagen seines Vaters dorthin und wir kauften alles, was wir noch brauchten.Zurück im SchTEO waren bereits alle anderen Vorbereitungen getroffen und wir verabschiedeten uns für den Rest des Tages von unseren russischen Freunden. Dann ging es in die Stadt zum Essen und Zeitvertreib. Zurück im SchTEO fand die Nachtruhe schließlich in einem der dortigen Dormitory-Räume statt.
Der Recke Jenissej und andere Highlights
(Mon, 03 Jul 2006 18:33:00 +0000)  Das neue Bahnhofsgebäude von Krasnojarsk war 2006 fertig gestelltDiesmal ist auch der Bahnsteig neu gepflastert und kein Nebel über dem Jenissei vor den Bergen im Osten.Der Recke Jenissej - der wasserreichste sibirische Strom.03.07.06: Der frühe Morgen begrüßt uns in Krasnojarsk. Wir machen einen Morgenspaziergang entlang des Bahnsteigs, der uns voller Geschäftigkeit in der Morgensonne begegnet. Wir stellen fest, dass das neue Bahnhofsgebäude nun fertiggestellt ist und auch der Bahnsteig nun gepflastert ist, wo im letzten Jahr noch Baustelle war. Nur noch ein paar Restarbeiten werden von Bauarbeitern durchgeführt. Der Blick in Richtung Osten ist wie letztes Jahr beeindruckend. Die Bergkette jenseits des Jenissej bildet einen Riegel im Dunst. Nur die Nebelbänke über dem Fluß sind diesmal nicht da. Von hier aus gesehen kann man kaum glauben, dass vor den Bergen noch ein kilometerbreiter Strom fließt.Nach ein paar obligatorischen Einkäufen und Fotos auf dem Bahnsteig heißt es wieder: Einsteigen! Dann gehts weiter und wir rollen aus dem Bahnhof, zuerst vorbei an den Neubauten von Krasnojarsk und dann auf die Eisenbahnbrücke zu.Christian macht uns auf ein Werksgelände in Flußnähe aufmerksam. Auf einer großen Fläche stehen Landmaschinen, vor allem Mähdrescher. Dieses Werk sei eines der größten in der ehemaligen Sowjetunion und baute Mähdrescher nach des VEB Kombinates Fortschritt in Lizenz nach.Dann rollen wir über die Brücke und staunen über den gewaltigen Recken Jenissej, der als der wasserreichste sibirische Strom gilt. Schließlich tauchen wir in die westlichen Ausläufer des Sajangebirges ein.Taischet - Blick von der Fußgängerbrücke in Richtung Osten, wo sich die BAM von der Transsib trennt.An der BAM ändert sich das Bild: Wälder, kaum Landwirtschaft, dafür Forstwirtschaft.Relativ gemächlich zieht die BAM ihre Kurven durch die Taiga.Nun wird die Landschaft wieder abwechslungsreicher und zieht mich wie letztes Jahr wieder in seinen Bahn. Es ist dieses Wechselspiel von Taiga und Steppenlandschaft, welches mich fasziniert.Etwa sieben Stunden fahren wir so - mit einem längeren Halt in Iljanskaja - bis Taischet. Eisenbahnkenner wissen: Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Weicheier fahren nach Süden mit der Transsib nach Irkutsk, die harten Kerle aber fahren nach Norden mit der BAM. Na Spaß beiseite, hier in Taischet ist die letzte Gemeinsame Station von alter Transsib und BAM, der Baikal-Amur-Magistrale. Nachdem der Zug Taischet verlassen hat, kann man sehr gut beobachten, wie die beiden Schienenstränge sich aufgabeln, wobei die Transsibirische Liene mit mehrgleisigem Pomp nach Südosten schwenkt, und die BAM-Linie sich bescheiden als weniger befahrene und später eingleisige Strecke sich in Richtung Nordost davonstiehlt.Die BAM ist anders, als die altehrwürdige Transsib. Man sieht weniger Orte, kaum mehr Landwirtschaft, dafür aber jede Menge Taiga. Die wenigen Orte, durch die wir rollen, sind meist nur Holzverladestationen der Forstwirtschaften entlang der Bahnlinie.Diese Landschaft wird sich bis Bratsk kaum mehr ändern und das wird gegen Mitternacht sein. Die gigantische Staumauer des Bratsker Wasserkraftwerkes werden wir dann in der Dunkelheit nicht mehr bewundern können, nur die Lichter von Bratsk werden sich im Wasser des riesigen Stausees spiegeln.
Westsibirische Tiefebene
(Sun, 02 Jul 2006 21:44:00 +0000)  Neubauten am Stadtrand von Nowosibirsk.Frachtschiffe auf dem Ob, dem zweiten sibirischen Riesenfluss, den wir nach dem Irtysch passieren.Auf dem Bahnhof von Nowosibirsk - unser Zug steht und am Bahnsteig herrscht emsiges Treiben.02.07.06: Dieser Tag ist der eintönigen westsibirischen Tiefebene gewidmet. Endlos wird sie vorüber ziehen und uns einen Tag voll bleierner Monotonie bescheren, unterbrochen von vielen Halts und lediglich von zwei großen Städten aufgelockert, an denen wir jeweils einen der sibirischen Ströme überqueren werden - erst Omsk und dann Novosibirsk.In Omsk bin ich noch zu träge, um irgendwelche Aktivitäten zu entfalten. Daher sind leider keine Fotos von der Stadt oder dem Fluß Irtysch entstanden. Der Irtysch ist der erste, westlichste der sibirischen Riesenströme, die ins Nordpolarmeer fließen. Er vereinigt sich am Unterlauf mit dem Ob und bildet mit ihm gemeinsam eine gigantische Trichtermündung.Hinter Omsk beginnt die endlose Ebene erst richtig. Es gibt keine geschlossene Bewaldung mehr. Endlose Wiesenflächen, oftmals Feuchtwiesen mit Binsenbewuchs durchzogen von einzelnen Birkenhainen ziehen vorüber. Wir nutzen die Zeit und lernen uns besser kennen. Vor allem über Christian erfahren wir einiges. Vor allem seine beruflichen Erfahrungen aus dem DDR-Landmaschinenbau bringen so manche interessante Geschichte hervor.Am Nachmittag erreichen wir Nowosibirsk. Die Stadt ist relativ jung und erhielt erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Stadtrecht. Im Gegensatz zu Omsk oder Irkutsk hat die Stadt, welche erst mit dem Bau der Transsib als Siedlung entstand, praktisch keine historische Bausubstanz. Dennoch gilt sie heute als die Hauptstadt Sibiriens, auch wenn es offziell diesen Titel nicht gibt. Aber sie ist Sitz verschiedener Konsulate, auch der deutschen Vertretung für die gesamte Region Sibirien.Bereits am Westufer des Ob sind umfangreiche Bauaktivitäten zu erkennen. Die Stadt scheint zu boomen. Dann überqueren wir den Ob, auf dem ein reger Frachtschiffverkehr herrscht. Schließlich rollen wir im Nowosibirsker Hauptbahnhof ein.Endlose flache Einöde Westsibiriens.Station Taiga - abendlicher Halt: Es gibt tatsächlich wieder mehr Wald zu sehen entlang der Strecke.Hier gibt es wieder einen langen Halt. Da ist es ein Muß, sich die Beine zu vertreten und sich ins bunte Treiben des Bahnhofs zu begeben.Für Oliver ist natürlich der Firmen-Zug "Sibirjak" ein Fotoereignis. Wir schlendern unsererseits etwas auf dem Bahnsteig, der Fußgängerbrücke und auch im Bahnhofsgebäude umher, bis die Waggonbegleiter wieder das Zeichen zum Einsteigen geben.Und schon rollen wir weiter nach Osten. Nach Moskauer Zeit und somit nach russischer Eisenbahnzeit ist es 15:08 Uhr, aber nach Ortszeit ist es 18:08 Uhr - es geht schon dem Abend zu. Bei unserem letzten großen Halt am heutigen Tag in "Taiga" werden es schon vier Stunden Zeitunterschied zwischen Moskau und uns sein. Bis dahin sind es aber noch über drei Stunden Fahrt.In der Umgebung der Station Taiga wird die Landschaft diesem Namen wieder stärker gerecht. Anstatt der weitläufigen Wiesen mit einzelnen Birkenhainen gibt es wieder mehr geschlossenen Wald mit überwiegend Nadelbäumen. Hier absolvieren wir noch einen letzten Spaziergang auf dem Bahnsteig. Von den Passagieren unseres Zuges abgesehen wirkt der Bahnhof von Taiga aber schon ziemlich verlassen. Dann gehts weiter und wir rollen in die Nacht.
Kama - Ural - Asien
(Sat, 01 Jul 2006 21:01:00 +0000)  Wie schon im Jahr zuvor staunte ich über Breite der Kama, die ja nur ein Nebenfluss der Wolga ist.An der Kama liegt Perm, eine Industrie- und Binnenhafenstadt westlich vom Ural.Am Kilometer 1777 markiert ein Obelisk die Grenze zwischen den Kontinenten Europa und Asien.01.07.06: In der Nacht passierten wir Kirow und in den Morgenstunden hatten wir einen Lokwechselhalt in Balesino. Am späten Vormittag überquerten wir schließlich die Kama und erreichten somit Perm. Wieder war ich erstaunt, wie schon 2005, was die Kama doch für ein Riesenfluss ist. Obwohl sie nur ein Nebenfluss der Wolga ist, kann sie sich locker mit der Donau am Unterlauf messen. Diesmal gelangen mir auch ein paar Schnappschüsse.Schließlich hielten wir in Perm. Die Stadt wirkt vom Zug aus nicht übermäßig einladend. Auch am Ufer der Kama ist sie eher geprägt von riesigen Binnenhafenanlagen als von einer Skyline am Wasser - zumindest was man vom Zug aus so sehen kann. Die Stadt ist in der Tat hauptsächlich eine Industriestadt. Das Ölunternehmen Lukoil hat seinen Sitz hier.Perm ist auf dieser Strecke die letzte große Stadt westlich des Ural und somit auch in Europa. Wir rollen weiter und es es wird allmählich hügeliger. Das sind die ersten Ausläufer des Ural, welche wir erreicht haben. Sehr viel bergiger wird er entlang dieser Strecke auch nicht mehr werden.Olga scheint mit der Technik auf Kriegsfuß zu stehen. Zuerst hatte sie ein Problem mit ihrer Uhr - einer neu angeschafften Sportuhr mit Fitness-Funktionen. Sie hatte keine Anleitung dabei, wollte aber die Zeit auf die jeweils neue Zeitzone umstellen. Hier konnte ich mit etwas Geduld und Probiererei schließlich den Dreh rausbekommen und ihr helfen. Mit ihrem Handy gelang es mir nicht mehr. Es war ebenfalls neu. Olga meinte, es hätte keinen Provider-Lock und könnte mit einer beliebigen Sim-Karte betrieben werden. Daher hatte sie sich in Moskau eine preiswerte russische Prepaid-Karte besorgt und diese nun in das Handy eingesetzt. Doch offensichtlich war doch eine Sperre, wahrscheinlich ein Provider-Lock in der Handy-Firmware gesetzt und es funktionierte mit dieser russischen Karte nicht. Schlimmer war aber, dass daraufhin das Handy komplett gesperrt war und auch die alte Karte nicht mehr akzeptierte. Da war dann trotz einiger Probiererei nichts mehr zu machen.Durch die sanften Hügel des südlichen Ural winden sich die Schienen bis Jekaterinburg.Proviantkauf auf dem Bahnsteig in Jekaterinburg - Oliver mit Verpflegung im Arm.Kurz vor Ekaterinburg am Kilometer 1777 erreichen wir die Grenze zwischen Europa und Asien. Diesmal gelang mir auch ein Schnappschuss vom unscheinbar am Rande der Bahnschienen stehenden weißen Obelisken, der diese Grenze markiert. Schon bald danach erreichen wir Jekaterienburg.In Jekaterienburg ist die letzte Möglichkeit für heute, Verpflegung einzukaufen und etwas auf dem Bahnsteig zu flanieren. Die Stadt ist historisch von Bedeutung, nicht zuletzt wegen der Ermordung der Zarenfamilie 1918. Sie konkuriert in der Rangliste der größten russischen Städte mit Nishni Nowgorod um Platz 3. Leider sehen wir vom Zug aus nicht allzuviel vom Glanz dieser Stadt, aber ein kleiner Spaziergang auf dem Bahnsteig ist zumindest drin.Einen Halt sollte es heute noch geben, aber das wird bereits in tiefer Nacht sein. Und zwar in Tjumen und auch diesmal werden wir wieder (wie 2005) nur die nächtliche Lichterpracht dieser Stadt präsentiert bekommen. Die reiche Erdöl- und Erdgasstadt zeigt seinen Aufstieg auch Nachts durch seine Leuchtreklamen und die verschwenderisch angestrahlten Prachtbauten, Einkaufstempel und Hochstraßen. Als Wahrzeichen der westsibirischen Erdölförderung steht ein hellbeleuchteter überdimensionaler Bohrturm in Sichtweite der Bahnstrecke - eine Art Eiffelturm als Bohrturm gestaltet - an dem wir vorbeirollen, nachdem wir den Bahnhof von Tjumen verlassen haben. Dann ist aber entgültig Nachtruhe angesagt.
Zug Nr. 92IJ - Waggon Lux
(Fri, 30 Jun 2006 22:50:00 +0000)  Während Regina, Christian und Oliver noch schnell Proviant beschafften, wartete ich mit Johannes und dem Gepäck in der Bahnhofshalle.30.06.06: Unsere Position auf dem Bahnsteig war gut gewählt. Der Wagen der ersten Klasse - Waggon Lux - hält in unserer Nähe. Die Tür öffnet sich und ein Provodnik, ein männlicher Zugbegleiter steigt aus.Wir präsentieren ihm unsere Bilets. Obwohl es sich um Fahrkarten handelt, die in Moskau (von Olivers Eisenbahner-Bekannten) beschafft wurden, verwirren sie unseren Provodnik zuerst. Die Platzreservierungen gelten schon ab Moskau (Kasaner Bahnhof), die Fahrkarten als solche sind ab Gorki ausgestellt. Zudem will Oliver gleich noch geklärt sehen, dass er ein ganzes Abteil für sich als "Single" gebucht hat, was den Waggonbegleiter vollends durcheinander bringt. Er blättert zwei Minuten in den Fahrkarten herum (jede von ihnen besteht aus mehreren Blättern) und winkt schließlich ab: "Steigt ein", sagt er zu uns, "Das schau ich mir später in Ruhe an". Und schon schleppen wir unsere Rucksäcke im Gänsemarsch den Gang entlang und belegen unsere Abteile.Noch während wir uns im Gang umschauen, spricht uns eine Frau an. "Ihr seid doch die anderen Volontäre, ich erkenne es an euren T-Shirts." Das ist also Olga, unsere bisher noch fehlende deutsche Teilnehmerin. Später lernen wir sie beim abendlichen Zusammensitzen noch näher kennen.Anstelle der oberen Pritsche hängen im Lux-Waggon große Spiegel mit stilisiertem Baikal Motiv an den Wänden - ein Markenzeichen des 92-ger Zuges.Ansonsten ist ein Lux-Waggon baugleich mit den Kupejny Schlafwagen, ......nur plüschiger und eben für nur 2 Personen gibts relativ mehr Platz.Unsere Abteile sind eigentlich nicht anders, als die gewöhnlichen "Kupejnye" Abteile. Es fehlt die obere Pritsche. Daher hat man zu zweit auch entsprechend mehr Platz als zu viert und es ist über den Pritschen, die ja zugleich Sitzbänke sind, ausreichend Kopffreiheit. Die Abteile sich auch plüschiger ausgestattet. Anstelle der oberen Pritschen zieren große, ovale, fast viktorianisch wirkende Spiegel die Wände. Sie sind mit stilisierten Baikalmotiven verziert. Dies und einige andere Markenzeichen dieses Zuges, wie zum Beispiel die Gardinen oder auch das Bordsortiment an Mineralwasser machen deutlich: Wir fahren im Zug "Sewerobaikalsk-Moskau-Sewerobaikalsk". Er wird in Sewerobaikalsk eingesetzt und in der Verantwortung der dortigen Eisenbahndirektion betrieben.Später sitzen wir zusammen und teilen unsere Vorräte. Leider war unsere eilige Einkauftour auf dem Bahnhofsvorplatz von Nischni Nowgorod nicht sehr ergiebig. Dafür schleppt Olga eine riesige Reisetasche nur mit Nahrungsmitteln an. Sie hatte in Moskau einen Zwischenstop bei ihrer Verwandtschaft eingelegt. Dort hatte ihr Schwager, offensichtlich ein Moskauer Neureicher, ihr einen Riesenvorrat an Proviant mitgegeben, wofür sie extra eine neue Reisetasche kaufen mussten. Sogar italienischer Schinken war dabei.Olga ist russlanddeutscher Abstammung und lebt in Heidelberg, wo sie an einer wissenschaftlichen Stiftung an Themen der Genetik forscht. Sie ist promovierte Biologin. Sie erwies sich als sehr kommunikativ - andere würden es schwatzhaft nennen und dominiert mit ihrer etwas egozentrischen Art häufig die Unterhaltungen in der Gruppe. Oliver wird mich später Fragen ob mir das nicht auch auf die Nerven geht. Nun gut - jeder Mensch hat seine Eigenheiten. Wir werden uns als Gruppe daran messen, wie gut wir miteinander klar kommen werden. Ich nahm mir vor, mir nicht zu schnell ein Urteil zu bilden.Mit unseren Provodniks, einem Ehepaar, dessen männlichen Part wir bereits kennen gelernt hatten, schlossen wir schon bald Freundschaft - vor allem Olga, die eine Verbundenheit mit Tanja, der Provodnitza entwickelte, da diese auch wolgadeutscher Abstammung war und schnell mit ihr ein Herz und eine Seele war.
Ein Nachmittag in Nishni Nowgorod
(Fri, 30 Jun 2006 19:30:00 +0000)  30.06.06: Die Bolschaja Pokrowskaja ist die Prominierstraße von Nishni Novgorod. Sie verläuft vom Gorkiplatz bis zum trutzigen Kreml.Historische Gebäude säumen die Prachtstraße und Marina und Sweta erzählen uns Wissenswertes darüber.Das Theater in Ekaterinischem Klassizismus - dieser Zuckerbäckerstil wird bis heute in Russlands Architektur gern nachempfunden.Somit beginnt unser Stadtbummel - sozusagen ganz offiziell - am Maxim-Gorki-Denkmal. Natürlich sind sie stolz auf diesen berühmten Sohn der Stadt, dessen Namen sie zu Sowjetzeiten trug. Schließlich ist sein literarisches Werk, auch wenn er von der sowjetischen Kulturpolitik als proletarischer Dichter instrumentalisiert wurde, unumstritten.Wir schlendern den Gorki-Platz entlang und betreten die Bolschaja Pokrowskaja - eine zentrale Promeniermeile der Stadt. Diese Prachtstraße ist eine Fußgängerzone der Superlative. Mit 1,4 Kilometern Länge ist sie wohl die längste Fußgängerstraße Russlands. Wer hier wuchtige Stalinbauten erwartet, wird angenehm überrascht. Es dominiert Ekaterinischer Klassizismus. Die Straße ist durchaus vergleichbar mit dem Moskauer Arbat. Aber irgendwie ist sie mir symphatischer als der Arbat, was vielleicht an der sommerlich leichten Atmosphäre liegt, oder nur an den nicht vorhandenen Scharen von Nepphändlern - sie wirkt einfach gemütlicher, trotz der Massen, die hier unterwegs sind.So spazieren wir diese Straße entlang. Von Zeit zu Zeit bleiben wir stehen, fotgrafieren und Sweta oder Marina erzählt uns etwas über das eine oder andere architektonische Highlight oder einfach nur Interessantes über die Stadt.Nishni Nowgorod ist eine Millionenstadt. Nur Moskau, Sankt Petersburg und Nowosibirsk sind mit Sicherheit größer. Ansonsten konkurriert Nishni Novgorod mit Ekaterinburg um den vierten Platz auf der Liste der größten Städte Russlands. Sweta ist sich sicher: Unsere Stadt ist die viertgrößte Russlands. Laut Wikipedia hat sich aber Ekaterinburg bereits 2006 an Nishni Nowgorod vorbei auf den vierten Platz vorgeschoben, wenn auch nur mit ein paar tausend Einwohnern mehr.Die Straße ist abwechselnd gesäumt von Bäumen oder von sanierten Altbaufassaden. Unzählige Läden, Kioske und Cafes bieten ihre Dienstleistungen an. Vor einem historischen Gebäude der Universität werden Gemälde feilgeboten.Damals wie heute: Im inneren des Kreml stehen Kirchen und repräsentative Verwaltungsgebäude. Rechts von uns (nicht im Bild) brennt die ewige Flamme, dahinter bildet die Kremlmauer einen majestätischen Balkon über der Wolga.Der Kreml wurde einst auf einem Hügel unterhalb der Okamündung angelegt. Hier blickt man wolgaaufwärts und sieht links hinter dem Kreml die Oka münden.Das Minin-und-Poscharski-Denkmal in der Altstadt unterhalb des Kreml.In der Ferne, am Ende des Boulevard, bildet einer der Kremltürme den visuellen Abschluß. Gemütlichen Schrittes nähern wir uns ihm. Vorbei an einem historischen Bau der russischen Bank und am Theater im klassizistischen Stil.Schließlich stehen wir vor dem Kreml. Hier war einst die befestigte Stadtgrenze. Die wehrhaften Gemäuer sollten die Angriffe der Tataren und Mongolen abwehren und das taten sie mit Erfolg. Dieser trutzigste aller Kreml im russischen Großfürstentum hielt den Angriffen der Tataren in den Jahren 1520 und 1536 stand.Nun steht das Stadttor den Besuchern offen und wir betreten das Innere des Kreml. Rechter Hand steht direkt hinter der Kremlmauer eine Galerie historischen Kriegsgerätes: Panzer, Haubitzen und Ähnliches. Es soll wohl den militärischen Maschinenbau der Stadt symbolisieren.Wir durchschreiten den Kreml bis zur oberen Begrenzung in Richtung des Flußufers, vorbei an repräsentativen Verwaltungsgebäuden und sakralen Bauten. Hier befindet sich auch die ewige Flamme. Dahinter eröffnet sich ein atemberaubender Blick über die Wolga und die Mündung der Oka zur Linken.Wir verlassen den Kreml wieder durch eines der landwärtigen Tore und laufen außen an der östlichen Kremlmauer entlang. Hier ist eine recht neue, prachtvolle Freitreppenanlage errichtet worden, über die man zur Wolga hinabsteigen kann. Auch hier verweilen wir und genießen den Ausblick. Dann steigen wir zur Altstadt am Flußufer hinab.Auch hier sind wir von historischen Gebäuden umgeben. Über uns ragen wehrhaft die Mauern des Kreml auf. Wir kommen zu einem Denkmal, das mir merkwürdig bekannt vorkommt. Es ist das Denkmal für Minin und Poscharski, welches genauso auch in Moskau auf dem Roten Platz steht. Sweta erklärt dazu: Natürlich steht das Original-Denkmal in Moskau, denn Minin und Poscharski sind die Helden der Befreiung Moskaus von der polnisch/litauischen Okkupation im Jahre 1612. Doch Minin und Poscharski sind Söhne Nishni Nowgorods und rückten mit einem Freiwilligenheer aus unserer Stadt gegen Moskau vor. Daher sind sie auch Helden dieser Stadt. Aus diesem Grund hat man hier eine originalgetreue Nachbildung des Moskauer Minin-und-Poscharski-Denkmals errichtet.Nach diesem Exkurs ist es bereits Zeit zum Bahnhof zurück zu fahren. Von Sweta verabschieden wir uns hier, Marina begleitet uns zum Zug. Mit einem wieder proppevollen Nahverkehrsbus geht's zurück zum Bahnhof, wo wir in aller Eile Proviant beschaffen und die Rucksäcke aus der Gepäckaufbewahrung holen. Den Bahnsteig betreten wir, als unser Zug von Moskau kommend, bereits einrollt.
Vom Goldenen Ring bis an die Wolga
(Fri, 30 Jun 2006 13:58:00 +0000)  30.06.06: Dies ist der dritte Reisetag. In den frühen Morgenstunden haben wir das Moskauer Umland passiert und rollen nun durch den Goldenen Ring, einen Gürtel aus historischen Städten, oft geprägt von goldenen Kirchenkuppeln und Stadtbefestigungen - sogenannten Kreml - welche einst die Außengrenze der "Moskauer Rus" schützen sollten.Der Goldene Ring - ein Gürtel alter Städte rund um Moskau - geprägt von alten Holzhäusern einerseits ......und in Gold gedeckten Kirchen und Kreml andererseits, welche einst die Grenze der "Moskauer Rus" sicherten.Wladimir, neben Susdal die bekannteste Stadt des Goldenen Ringes.Wladimir ist wohl neben Susdal und Sergijew Possad (ehem. Sagorsk) die bekannteste Stadt des Goldenen Ringes. Die russische Bahn widmet Wladimir einen Lokwechsel und hält somit ausreichend lange, um zumindest einige Minuten auf dem Bahnsteig umher schlendern zu können. Der Goldene Ring wirkt auf mich, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Vom Moskauer Boom oder einem Aufschwung, wie zum Beispiel in Tjumen durch das Erdöl ist hier nichts zu spüren oder zu sehen. Ich bin aber überzeugt, dass das auch hier kommen wird. Der Goldene Ring hat sowohl touristisches Potential, als auch - durch die Nähe zu Moskau - einen Standortvorteil für die Wirtschaft.Aber nun ist unser Halt schon wieder zu Ende und wir rollen weiter, vorbei an windschiefen alten Holzhäusern in Richtung Nishni Nowgorod an der Wolga. Hier sollte es gemäß Olivers Planung wie folgt weiter gehen: In Nishni Novgorod (dem ehemaligen Gorki) steigen wir aus. Unser Anschlusszug geht planmäßig erst am Abend weiter, so dass wir Zeit haben werden für eine Stadtbesichtigung. Auch hierbei hat Oliver vorgeplant und wir werden von Marina, einer Bekannten von Oliver bereits am Bahnhof erwartet.Marina spricht gut Deutsch. Sie begrüßt uns herzlich und lädt uns zu einer Stadtführung ein. Zuerst bringen wir unsere großen Rucksäcke zur Gepäckaufbewahrung und dann betreten wir den Bahnhofsvorplatz. Bereits hier gibt sich Nishni Novgorod als boomende Stadt. Quirlendes Leben, dichter Verkehr, bunte Kioske, neue Bankgebäude und Reklamen rundherum prägen den ersten Eindruck. Wir kämpfen uns im Kielwasser von Marina zu einer Bushaltestelle durch. Schon bald fahren wir in einem proppevollen Nahverkehrsbus in Richtung Stadtzentrum.Der Bahnsteig in Wladimir - es scheint, der ganze Zug vertritt sich die Beine.Nach einer Busfahrt vom Bahnhof in die Innenstadt beginnen wir unseren Stadtrundgang am Gorkiplatz.Christian und Marina auf dem Gorkiplatz - hier wird noch Sweta zu uns stoßen.Nishni Novgorod liegt an der Stelle, wo die Oka in die Wolga mündet, man kann sagen an der Mündung eines gewaltigen in einen noch gewaltigeren Fluss.Nishni Nowgorod kennt man als Geburtsstadt des russisch/sowjetischen proletarischen Schriftstellers Maxim Gorki, nach dem die Stadt zu Sowjetzeiten benannt war, aber auch als die Rüstungsschmiede der Sowjetunion, Zentrum des schweren Maschinenbaus und Verbannungsort des Dissidenten Andrej Sacharow. Die Stadt war noch bis vor kurzem für Ausländer gesperrt. Sehr spannend ist aber die Geschichte von Nishni Nowgorod und deren Spuren, auf denen wir die nächsten Stunden wandeln werden.Wir entsteigen dem Linienbus in der Nähe des Gorkiplatzes. Der Tag ist sonnig und heiß. Die Gerüche der sommerlichen Großstadt sind intensiv. In der Nähe des Fernmeldeamtes steht ein klassisches mobiles Kwasfass. Das habe ich schon lange nicht mehr gesehen! In einer Bank an der Ecke tauschen wir Geld. Dann schlendern wir zwischen Blumenrabatten über den Gorkiplatz bis hin zum Maxim-Gorki-Denkmal, wo wir mit Sweta verabredet sind.Eine Frau, die sich unserer Gruppe nähert, wird von Oliver herzlich begrüßt. Es ist Sweta. Auch sie spricht sehr gut Deutsch. Sie schließlich auch Deutschlehrerin. Gemeinsam beginnen wir unseren Stadtbummel, bei dem uns Marina und Sweta abwechseln Wissenswertes über die Stadt erzählen.
Belarus - Transit
(Thu, 29 Jun 2006 21:41:00 +0000)  29.06.06: In den frühen Morgenstunden erreichten wir die Grenze. Der Zug steht eine ganze Weile auf polnischer Seite. Hier steigen auch die weißrussischen Grenzer zu. Die Waggonbegleiterinnen wecken uns Passagiere und bald schon kommen die Kontrollen - erst die Polnische dann die Weißrussische.Ein Halt in Weißrussland - leider hatte ich es in Brest versäumt, zu fotografieren, obwohl wir dort einen sehr langen Stopp hatten.Minsk - die Hauptstadt Weißrusslands. Ein Blick vom Hauptbahnhof.Wir verlassen Minsk. In dieser Kurve wird die Länge unseres Zuges deutlich.Die Weißrussische Kontrolle wird auch stellvertretend für die Russische Föderation durchgeführt. An der Grenze zwischen Belarus und Russland wird es dafür keine Kontrollen mehr geben. Obwohl wir uns also vorerst im Transitland Belarus befinden, haben wir sozusagen auch die Aussengrenze von Russland passiert.Die Kontrollen haben uns aber nicht wirklich munter werden lassen, so dass wir weiter dämmern, während der Zug zur Umspurung auf die breitere russische Spurweite in Abschnitten abgekoppelt wird und die die Umspurhallen gerollt wird. Hier beobachte ich - bäuchlings auf meiner Pritsche liegend - das Treiben der Bahnarbeiter, während wir mit den Hebebühnen in die Höhe schweben. Dabei nicke ich immer wieder ein. Halb schlummernd erlebte ich die Umspur-Prozedur und das Einrollen in den Bahnhof von Brest. Unser Waggon war dabei vom Rest des Zuges getrennt worden, der ja direkt nach Moskau fahren würde und wir wurden auf ein Abstellgleis am Ostende des Bahnhofs "geparkt". Der Zug nach Kasan sollte erst Stunden später bereitgestellt und unser Waggon dort angekoppelt werden.Inwischen waren alle wach und hatten ihre Morgentoilette und ihr Frühstück hinter sich - Zeit für einen Spaziergang. Die Provodniza bat uns darum, uns nicht zu weit vom Waggon zu entfernen - er könne auch zwischendurch woanders hin rangiert werden. Warscheinlich hatte sie eher Angst, wir würden die Zeit vergessen oder uns verlaufen. Letzlich respektierten wir ihre Bitte und schlenderten nur in Richtung Bahnhof und zurück, während Oliver eine Menge Fotos machte. Ich hatte (leider) darauf verzichtet, meine Kamera mitzunehmen.Irgendwann kam eine Rangierlok in unser Abstellgleis gefahren und unser Waggon wurde an den Zug nach Kasan gekoppelt und danach vor dem Brester Bahnhof bereitgestellt. Unser Halt in Brest währte somit über 8 Stunden von 3:05 Uhr bis 11:13 Uhr Osteuropäischer Zeit (davon schliefen oder dösten wir allerdings die ersten Stunden).Nicht jeder Bahnhof hält Bahnsteige bereit, die lang genug für unseren Zug sind. So steht die Spitze des Zuges bereits außerhalb des Bahnhofs.Johannes hat sich erstmals in Russland verpflegt: Das Eis für sofort, das Bier für nachher.Letzter Halt im Tageslicht in Smolensk.Aber dann rollten wir durch Belarus - nunmehr auf breiter russischer Spur und mit dem beruhigenden Wiegen und rhythmischen Stoßen der Drehgestelle.Dieser Tag zwischen zwei Übernachtungen im "kleinen" umspurfähigen Normalspurwaggon, welcher sich neben den Breitspurwaggons etwas schmächtig ausnahm (vergleiche Foto links oder siehe hier), wurde dieser Tag zum Kennenlernen genutzt. Dies hieß in erster Linie: wir lernen Christian kennen und Christian lernt uns kennen. Natürlich war vor allem Christian der Wissbegierige, da wir anderen vier ja bereits zum zweiten Mal fuhren und für ihn als "Baikal-Neuling" die Erfahrungsträger waren. Aber seine beruflichen Erfahrungen als Ingenieur sollten uns am Baikal noch eine große Unterstützung sein.Der Halt in Minsk war mir unter den vielen Halts noch gut in Erinnerung geblieben, da ich die Stadt (bzw. die Perspektive vom Zug aus) doch als recht imposant warnahm.Auf einem der ersten längeren Halts auf russischem Gebiet kamen schließlich unsere ersten Rubel zum Einsatz und wir deckten uns mit frischer Verpflegung ein - von Eis bis Bier, was man so braucht im Zug.In Smolensk schließlich dämmerte es bereits und wir schlenderten ein letztes Mal für den heutigen Tag über den Bahnsteig. Dann rollten wir in die Nacht und auf das Podmoskowje (Moskauer Umland) zu.
Wieder auf Achse
(Wed, 28 Jun 2006 15:40:00 +0000)  28.06.06: Neben meiner technischen Projektplanung nahmen auch andere Planungen Gestalt an. Zum einen liefen die Visabeschaffung und Reiseplanung diesmal schon ziemlich routiniert ab. Zum anderen zeichnete sich immer deutlicher die personelle Besetzung unseres Camps ab.Die Dreierabteile im Schlafwagen hatten wir als Double-Abteile gebucht und jeweils zu zweit belegt.Die Reiseplanung und auch die Beschaffung der Zugtickets lag maßgeblich in Olivers Händen. Wir wollten diesmal die gesamte Strecke von Deutschland aus mit dem Zug fahren. Zurück zu sollte es ab Novosibirsk mit dem Flieger bis Hannover gehen.Dafür hat sich Oliver eine spezielle Variante ausgedacht. Es sollte im Kurswagen Berlin-Kasan bis Nishni Novgorod gehen und nach einem mehrstündigen Aufenthalt von dort aus direkt bis Severobaikalsk.Der deutschprachige Teil der Truppe bestand neben den Vorjahresteilnehmern Oliver, Johannes, Regina und mir noch aus Christian aus Bischofswerda und Olga aus Heidelberg, die recht spät noch hinzustieß. Sie wollte über Moskau anreisen, so dass wir sie erst in Nishni Novgorod kennen lernen würden. Von den russischen Teilnehmern wussten wir nur, dass einige alte Bekannte wieder mit von der Partie sein würden.Unser Kurswagen Berlin-Kasan beim Halt in Frankfurt/Oder.Warschau-­Hauptbahnhof - danach fuhren wir in die Abenddämmerung.So starteten wir also bereits in Verden mit dem Zug. Die erste Etappe begann am Morgen des 28.06.2006 und führte uns nach Berlin. Vom Bahnhof Berlin-Lichtenberg sollte unsere Reise dann richtig losgehen. Am Bahnsteig in Lichtenberg trafen wir dann Oliver und Christian (den wir nun persönlich kennenlernten). Bis zur Abfahrt war noch reichlich Zeit, so dass wir uns noch ordentlich mit Einkäufen eindeckten.Als schließlich der Zug bereitgestellt wurde, steuerten wir auf den Kazaner Kurswagen zu, der als erster hinter der Lok angekoppelt war. Die Zugbegleiterinnen freuten sich, als sie erfuhren, dass sie schon ab Berlin Fahrgäste haben würden, denn offensichtlich war dieser Waggon eher aus Prestige im Einsatz, obwohl die Nachfrage dafür gering ist. Oliver erklärte es damit, dass Kazan ja die Hauptstadt der Autonomen Republik Tatarstan ist, und solch einen Kurswagen eben haben müsse - gut für uns.Wir nahmen unsere sehr speziellen Dreier-Abteile in Besitz, die wir (also Oliver für uns) als Double gebucht hatten. Dann rollten wir irgendwann gen Osten.Beim letzten Halt in Deutschland - in Frankfurt/Oder - kamen Schwager und Schwägerin aus dem Oderbruch noch zum Zug und versorgten uns mit Getränken. Dann gings durch Polen weiter. Hinter Warschau ließen wir die Abendsonne hinter uns und damit schon unseren ersten Reisetag. Regina und ich hatten ein Abteil, Christian und Johannes ein Weiteres und Oliver reiste als "Single" und hatte ein Abteil für sich allein.
Zwischen Begeisterung und Belastung
(Thu, 15 Dec 2005 15:00:00 +0000)  15.12.05: So begann ich mit der Erarbeitung eines technischen Projektes. Dabei blieb ich im E-Mail-Kontakt mit Aljona, informierte aber auch ab und zu Oliver und Tom. Meine Zielstellung war folgende:Im Februar sollte ein Entwurf des technischen Projektes fertig sein und zur Begutachtung und Stellungnahme nach Severobaikalsk geschickt werden.Im März sollte das technische Projekt mit Detailzeichnungen und Materialliste fertig sein.Im April sollte ein technologischer Plan mit personeller Ressourcenplanung und Arbeitsmittelbedarf erstellt werden um die benötigten Werkzeuge beschaffen zu können und die Arbeitsabläufe auf zehn Arbeitstage und zehn Arbeitskräfte aufzuteilen.Einer der Entwürfe für die Brückenkonstruktion - dieser hier kommt dem realen Ergebnis am nächsten.Während die erste Phase der Projekterstellung planmäßig abgeschlossen wurde, war doch die zeitliche Belastung so groß, dass die zweite Phase sich bereits bis in den Mai verzögerte. Ich stellte fest, dass meine Planung doch zu sehr vom problemlosen Zugang zu deutschen Baumärkten geprägt war. Viele Ansätze waren aus Sicht der Freunde in Severobaikalsk zu teure Edellösungen. So wurde ein Stahlseil besorgt, welches vom Freileitungsbau übrig war und neben selbst gefertigten Beschlägen aus C-Stahl (Respekt!) gab es nur noch Nägel in verschiedenen Größen.Schließlich entstand das Projektdokument als eine Beschreibung von mehreren alternativen Ausführungsvarianten mit entsprechenden Detailzeichnungen und Anhängen. Zum technologischen Plan kam es nicht mehr. Nur die Werkzeug-Liste schickte ich als profane E-Mail an Aljona. Ich nahm mir vor, die technologische Planung der Arbeiten vor Ort vorzunehmen, was mir noch einigen Stress einbringen sollte.
Ein Projekt wird geplant
(Wed, 30 Nov 2005 14:35:00 +0000)  30.11.05: Ein Dank an die modernen Kommunikationsmittel! Nachdem die Idee einer Hängebrücke mich immer stärker beschäftigte und wir auf unserem Nachtreffen in Brotterode dieses Thema bereits in den Raum stellten, spürte ich, das mich diese Idee nicht loslassen würde. Mehr noch, sie war bereits zur Vision geworden und nahm die Konturen eines Projektes an. Ich recherchierte im Internet solche Themen, wie „Hängebrücke“, „Brückenbau“, „Statik“ oder „Seiltechnik“. Es gab ja auch den Tipp von Tom Umbreit: „Reich doch Dein eigenes Projekt ein“. Und so nahm ich E-Mail-Kontakt zu Aljona vom GBT in Severobaikalsk auf.Erinnerung an Khakusy 2005: Die Mündung des Flüsschens in der Abendsonne.Ihre Antwort war herzlich. Sie freute sich, von mir zu hören und fand die Idee von Brückenbau sehr gut. Sie betonte auch, dass unsere russischen Freunde aus dem Camp vom Vorjahr mit Begeisterung wieder mit dabei wären. Gleichzeitig dämpfte sie meine Erwartungen mit folgenden Fakten: Die Camps für das Jahr 2006 seien schon beantragt. Ein neues Projekt einzureichen sei schwierig. Des weiteren wird ein Camp am Frolicha-See nicht möglich sein, da es unüberwindliche Zerwürfnisse mit der Leitung des Naturreservates gäbe. Das war erst mal eine Enttäuschung für mich.Dennoch entspann sich ein reger E-Mail-Austausch, infolge dessen sich folgende Situation herauskristallisierte:Ein weiteres Projekt ist grundsätzlich machbar, wenn sich die Gruppe unschwer rekrutieren lässt, ausreichend ausländische Freiwillige teilnehmen und im Vorfeld ein reales technisches Projekt erstellt wird. Das sahen wir als machbar an. Darüber hinaus musste ein Ort gefunden werden, wo dieses Projekt sinnvoll und erwünscht wäre. Hier kommen nun die Verbindungen der Marjasows nach Chakusy zum tragen.Die Überquerung des angeschwollenen Flüsschens über den glitschigen Stamm war mit vollem Marschgepäck nicht ganz ungefährlich. Hier sollte nun nach Aljonas Aussage die Brücke hin.Aljona schrieb: Ihr kennt den Fluss, um den es geht. Während Eures Ausfluges nach Chakusy im vorjährigen Camp habt ihr ihn auf riskante Weise nach einem Regen mit vollem Gepäck auf einem glitschigen Baumstamm überqueren müssen. Der Fluss ist vielleicht nicht so eindrucksvoll, wie die "untere Frolicha", aber eine Brücke wäre hier von großem Nutzen und wird auch von der Verwaltung des Chakusy-Sanatoriums sehr gewünscht. Meine Eltern haben gute Verbindungen dorthin und haben die Sache mit der Leitung von Chakusy bereits abgesprochen.Nachdem wir uns also damit abgefunden hatten, dass das Projekt nicht am Frolicha-See verwirklicht werden kann, begannen wir, an dem Gedanken Gefallen zu finden, in direkter Nähe der heißen Quellen von Chakusy die Brücke zu bauen. Die Vorteile lagen auf der Hand: weniger beschwerliche Materialtransporte, Unterstützung durch die Verwaltung von Chakusy, Entspannung in den heißen Quellen und wenn das Wetter uns nicht gewogen sein sollte, Unterschlupf in einer der Blockhütten des Sanatoriums. Alles in allem keine schlechte Sachlage.
Eine Idee reift heran
(Wed, 30 Nov 2005 10:24:00 +0000)  30.11.05: An das Camp am Ufer der Ajaja-Bucht habe ich die schönsten Erinnerungen. Wir waren eine Truppe in Harmonie, Freundschaft und Ausgelassenheit. Die absolute Nähe zur Natur war grandios. Zurück in Deutschland trug ich die Erinnerung an diese Zeit als ein ständiges Hochgefühl in mir und sah ständig die Landschaften vor mir, die wir hautnah erlebt hatten. Auch die Gesellschaft der ausgelassenen jugendlichen Truppe vermisste ich oft.Erinnerung an das Camp 2005: Regina und ich am Frolicha-See.Der anfängliche Entschluss, diese Reise als ein einmaliges Erlebnis hinter uns zu lassen und im nächsten Jahr etwas völlig anderes zu unternehmen, wich langsam dem Wunsch, doch noch mal an den Baikal zu fahren, am liebsten wieder an die Ajaja.Dieses Gefühl wurde durch das Nachtreffen des Baikalplan in Brotterode vertieft. Ich erinnerte mich an jenen Tag, an dem Regina und ich zum Frolicha-See gewandert sind, um dort einfach mal ein paar Stunden an Ufern des Sees die Natur zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Am gleichen Tag machten sich Helmut, Oliver und Andrej auf eine etwas ehrgeizigere Tour auf: Sie wollten bis zur unteren Frolicha, dem Ablauf des Frolicha-Sees gehen, diesen überqueren und weiter das Nordufer des Sees entlang wandern.Der Weg von der Ajaja-Bucht zum Frolicha-See, gabelt sich unmittelbar vor dem westlichen Ende des Sees. Der Pfad der in südlicher Richtung führt, ist gut begehbar und führt in Ufernähe bis zu einer Stelle am See, die sehr gut als Lagerstelle auch für größere Gruppen geeignet ist. Weiter am Südufer entlang verliert sich der Pfad.Erinnerung an das Camp 2005: Alle packen an.Erinnerung an das Camp 2005: Ausgelassenhaeit am Lagerfeuer an der Ajaja-Bucht.Das Ende einer Wanderung: Der Frolicha-Fluß - hier müsste eine Brücke hin. (Foto: Helmut Uttenthaler)Oliver, Helmut und Andrej folgten dem nördlichen Zweig. Einige hundert Meter weit ist der Weg noch gut. Wir selbst haben ihn in den vergangenen Tagen hier bis zu einem „Simovje“, einer Rangerschutzhütte gesäubert und begehbar gemacht. Weiter in Richtung Norden jedoch mussten sie sich durch das Unterholz schlagen, denn der Pfad war nur noch zu erahnen. Erlengesträuch und Krüppelzedern wachsen sehr schnell in den lichten Raum, den ein unbenutzter Pfad bietet und versperren ihn kreuzweise, wie die Lanzen einer Palastwache, von umgestürzten Bäumen ganz zu schweigen. Über eine Stunde vergeht, bevor sie auf das steinige Bett des unteren Frolicha-Flusses treffen. Er ist immer noch ein stattliches Wildwasser, obwohl es seit Wochen nicht mehr geregnet hat. Je näher sie dem Fluss kamen, umso klarer wurde: Hier gibt es keine Möglichkeit, leichtfüßig hindurchzuwaten. Daran änderte sich auch nichts, nachdem sie noch ein gehöriges Stück am Fluss entlanggelaufen waren. Andrei testete immer wieder mögliche Watgänge oder Furten. Schließlich passiert es: Bei einem neuerlichen Angriff, den Fluss an einer vermeintlich seichten Stelle zu durchwaten, rutscht er aus und nimmt unfreiwillig ein Vollbad. Der Gaudi ist riesig, aber das Vorhaben wird für gescheitert erklärt. Schließlich müsse man auch auf dem Rückweg den Fluss wieder durchqueren und das wolle man sich auf einer entspannten Tagestour doch nicht antun. So blieben Sie noch ein Weilchen am Fluss und traten dann den Rückweg an.Dieses Erlebnis kenne ich nur aus den Schilderungen der drei. Aber es machte mir mehrere Dinge klar.Ersten: Ich selbst habe die „untere Frolicha“ nicht gesehen, was mich etwas traurig stimmt. Aber, was nicht ist, kann ja noch werden.Und zweitens: Dieses Flüsschen ist eine mehrfache Herausforderung, einmal für jene, die vom Norden her den Baikal entlang wandern und zum anderen für jene, die den Frolicha-See nördlich umwandern wollten. Beides aus Sicht des „Great Baikal Trails“ höchst attraktive Routen. Drittens aber, für mich persönlich: Eine Querung über den Fluss zu schaffen, der Wanderern einen sicheren Übergang ermöglicht und gleichzeitig so reizvoll erscheint wie die Landschaft selbst, in die sie sich einbettet: Eine Hängebrücke.
Neue Pläne im Herbst
(Sun, 06 Nov 2005 12:04:00 +0000)  5.11.05: Nach unserer Heimkehr dauerte es nicht lange, da kam auch schon wieder die Lust auf Abenteuer auf. Ursprünglich hieß es: Nächstes Jahr machen wir etwas ganz anderes. Aber dann kam die Einladung des Baikalplan zum allherbstlichen Nachtreffen der deutschsprachigen GBT-Camp-Teilnehmer in Brotterode und die Thematik "Baikal" wurde wieder präsent.Brotterode: Wanderung zum großen Inselsberg (hinter mir läuft Andrej Suknew vom GBT den Weg hinauf).Brotterode: Viele Teilnehmer aus Deutschland, Österreich der Schweiz und Liechtenstein sind gekommen.Brotterode: Zum Ende der Wanderung kam sogar die Sonne heraus.Das Treffen fand in einer Jugendherberge direkt am Rennsteig unterhalb des großen Inselsberges statt. Der Ablauf war von den Baikalplaner wie folgt gedacht:Freitag (4.Nov'05) war Anreise und zwangloses Zusammensein in Gastwirtschaft. Samstag nach dem Frühstück sollte eine kleine Wanderung über den großen Inselsberg stattfinden. Am Abend war in der Gastwirtschaft ein Vortrags-Abend geplant, bei dem verschiedene Teilnehmer über ihre Camps berichten konnten.Am Sonntag war dann die individuelle Abreise geplant.Wenige Tage vor dem Treffen rief mich Tom an und hatte eine Bitte. Andrej Suknew, der Gründer des GBT sei in Kiel zu einer Schulung und wolle die Gelegenheit nutzen, zum Treffen in Brotterode hinzuzustoßen. Es sei einfacher für ihn, nach Bremen zu kommen und dann mit uns ins Thüringische zu fahren. Das würden wir selbstverständlich machen, versicherten wir Tom und nahmen daraufhin mit Andrej Kontakt auf. Wir klärten, wann sein Zug am Freitag in Bremen eintreffen würde und so holte ich ihn vom Bremer Hauptbahnhof ab.Zunächst fuhr ich mit ihm in meinem alten Opel Omega zur Avis-Autovermietung um dort eine Miles&More Prämie - ein Mitwagen-Wochende - einzulösen. Ich erhoffte mir davon, diese Fahrt spritsparender und in einem moderneren Auto zu absolvieren. Es war ein Seat Toledo. Wir fuhren daraufhin nach Achim, um Regina abzuholen und gerieten am Bremer Kreuz prompt in einen Stau.Nachdem wir Regina bei uns zu hause abgeholt hatten ging es dann aber staufrei und zügig über die deutsche Autobahn in Richtung Thüringen. In Brotterode waren wir zwar nicht die Ersten, aber Tom war noch nicht da. Trotzdem konnten wir auch für Andrej die Zimmerfrage klären und so allmählich trudelten weitere Teilnehmer und auch der Baikalplan-Vorstand ein. Der gesellige Abend nahm seinen Lauf. Wir lernten nun endlich auch einige "Berühmtheiten" aus der MDR-Reportage über den GBT kennen, wie z.B. die Familie Walter. Besonders freuten wir uns natürlich über das Wiedersehen mit den Teilnehmern aus unserem Camp, vor allem mit Oliver. Helmut holten wir sogar noch vom Bahnhof mit dem Auto ab.Damit begann auch schon das Schmieden von Plänen. Diese Ideen begleiteten uns neben den Erinnerungen an unser Camp das ganze Wochenende, an den Abenden und während der Wanderung. Auch Tom bekam unsere aufgekratzten Planspielchen mit und empfahl, doch ein eigenes Projekt einzureichen. Auch Andrej bestärkte uns darin. Allerdings hörte ich bei ihm den Wunsch und die Empfehlung heraus, doch auch mal ein Camp am Südbaikal, von Irkutsk oder Ulan-Ude aus in Betracht zu ziehen.Wir wollten natürlich wieder zu Ajaja-Bucht. Was wir im Camp 2005 vermissten, war das Errichten von Infrastruktur, wie Brücken oder Rastplätze. Wir hatten im Grunde nur den Trail von Buschwerk befreit und uns durch den Wald gehackt. Daher wünschten wir uns eine mehr schöpferische Aufgabe. So verging ein sehr erlebnisreiches und aufschlußreiches Wochenende und wir trennten uns mit einem Gefühl von Inspiration und Tatendrang
Ein langer letzter Tag
(Tue, 23 Aug 2005 22:53:00 +0000)  23.08.05: Die halbe Nacht rollte der Zug bereits durch das Podmoskowje - das Moskauer Umland. Gegen 3:15 haben wir uns selbst auferlegt, aufzustehen. Der Zug soll planmäßig 4:13 auf dem Jaroslawler Bahnhof einrollen und es sieht so aus, als würde er pünktlich sein. Eigentlich ist das nicht anders zu erwarten von der russischen Bahn. So vergeht die Zeit also mit Waschen, Packen und Essen und schon sind wir da.Obwohl wir Zeit genug hatten, darüber nachzudenken, wie wir vom Bahnhof zum Flughafen kommen wollen, sind wir nun doch unschlüssig, ob wir mit der Metro, oder mit dem Taxi fahren. Die Metro fährt nicht bis Scheremetjewo. Da müsste man noch in einen Bus umsteigen. Mit dem Taxi würden wir wiederum sehr schnell da sein, was die Wartezeit am Flughafen länger werden ließe. Der Flug würde ja erst gegen Mittag gehen.Wir nehmen sein Angebot schließlich an und quetschen uns samt Gepäck in seinen Wagen.Während wir noch im Dunkeln aus dem Bahnhof kamen, dämmerte es jetzt schon. Trotzdem war es verdammt früh und wir näherten uns unserem Ziel sehr schnell.Die Warterei bestand aus Kurzschlaf und zwischendurch aus dem Kampf gegen Selbigen und kleinen Spaziergängen im Flughafengebäude. Der Warteraum war gut gefüllt.So stehen wir unschlüssig auf dem Bahnhofsvorplatz herum und werden dabei mehrfach von Privattaxi-Fahrern angesprochen. Einer von ihnen spricht uns ein zweites Mal an und betont, er würde uns zum Tagtarif fahren, was billiger sei, als der (noch geltende) Nachttarif. Er dachte wohl, wir zaudern wegen des Preises. Wir nehmen sein Angebot schließlich an und quetschen uns samt Gepäck in seinen Wagen.Wir ordern: "Direkt zum Flughafen Scherementewo." Eine Stadtrundfahrt im Taxi hatten wir ja schließlich schon auf der Hinreise gehabt. So fuhren wir durch die menschenleere Stadt. Während wir noch im Dunkeln aus dem Bahnhof kamen, dämmerte es jetzt schon. Trotzdem war es verdammt früh und wir näherten uns unserem Ziel sehr schnell.Wir kamen am Flughafen zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen an, bezahlten den Taxifahrer und betraten den Flughafen. Seit der weltweiten Terrorismushysterie sind auch in Russland einige Sachen verschärft worden (Sie Beitrag über Hinreise - Kazaner Bahnhof). Daher musste man schon durch eine Sicherheitskontrolle, um das Flughafengebäude überhaupt betreten zu können. Dann suchten wir uns ein paar Sitzplatze im Wartebereich vor dem Abflug.Die Warterei bestand aus Kurzschlaf und zwischendurch aus dem Kampf gegen Selbigen und kleinen Spaziergängen im Flughafengebäude. Der Warteraum war gut gefüllt. Die Stunden vergingen schleppend langsam. Doch irgendwann erschien dann auch unser Flug (Aeroflot nach Berlin) auf dem Tableau. Wir begaben uns schon bald darauf zum Check-In, um die obligatorischen Prozeduren hinter uns zu bringen und im Abflugbereich weiter zu dösen.Diese Prozeduren waren aber auch langwierig und kamen nur langsam voran, da die Schlange sehr lang war. Gleichzeitig beobachteten wir, wie am Check-In nebenan ein Flug in die USA abgefertigt wurde, wo alles noch verschärfter ablief. Ich glaube, als wir im Abflugbereich ankamen - nach Check-In, Gepäckkontrolle, Passkontrolle, Sicherheits- und Handgepäckkontrolle - war eine weitere Stunde vergangen.Der Rest lief in gewohnter Weise ab. Im Abflugbereich gab es sogar mehr Shoppingmöglichkeiten. Die Zeit verging schneller und es begann das Boarding. Mit einer kleinen Verspätung ging es in die Luft und nach dem relativ kurzen Flug landeten wir bereit in Berlin. Der Bekannte, bei dem wir unser Auto abgestellt hatten, holte und ab und schon bald befanden wir uns auf der Autobahn in Richtung Bremen - nun ja, es war mittlerweile früher Abend. Als wir ankamen hatten wir wahrlich genug von diesem Tag.Die Eindrücke der Reise jedoch, würden uns noch lange beschäftigen.
Der letzte Tag im Zug
(Mon, 22 Aug 2005 21:33:00 +0000)  Johannes und Matze mit Manolis, den sie in Wanderstiefel gesteckt haben.Der Zeitplan des Transsib-Zuges 339/340, wie er in jedem Waggon aushängt.22.08.05: Nadja aus dem Abteil der Jungs ist in Jekaterinburg ausgestiegen. Ihr Platz wurde aber gleich wieder belegt. In der Nacht rollten wir durch den Ural und passierten die Eurasische Grenze. Anders gesagt, wir gingen in Asien zu Bett und erwachten in Europa. Perm, die erste große Stadt im europäischen Teil Russlands verschliefen wir noch. Dann begann unser letzter Tag im Zug.Auch heute hielt uns Manolis auf Trab. Zum Glück hatte er viele Freunde in verschiedenen Abteilen gefunden, so dass man seine Energie auf mehrere Leute verteilen konnte.Der Europäische Teil Russland ist anders anzuschauen, als der Sibirische. Es gibt häufiger Dörfer und städtische Siedlungen zu sehen. Die Dörfer wirken traditioneller, die städtischen Siedlungen wirken trostloser als in Sibirien. Es gibt mehr verfallene oder verlassene Industrieanlagen. Ausnahmen bilden größere Städte, bei denen die Randgebiete zwar ebenso trostlos aussahen, aber im Stadtzentrum vermehrt Anzeichen von Wohlstand und Wachstum zu sehen waren.Der Zeitplan des Zuges 339/340 veranschaulicht recht gut die wichtigsten Haltepunkte. Neben den Namen der Haltepunkte (von Moskau bis Tschita) ist links der Zeitplan für die Richtung Moskau-Tschita und rechts der Zeitplan für die Richtung Tschita-Moskau amgezeigt. Dazu sieht man die Dauer des Halts, wodurch man auch Einkäufe auf dem Bahnsteig einplanen kann. Natürlich ist nicht jeder kleinere Halt auf diesem Plan angezeigt. Man kann auch erkennen, das es im Umfeld größerer Städte längere Abschnitte ohne Halts gibt, da diese Zonen von den Vorstadtbahnen (Elektritschka) abgedeckt werden.Weiterhin erkennt man auch, dass wir in Moskau in aller Herrgottsfrühe ankommen werden - um 4:13 Uhr. Das wird hart, zumal wir auch einen langen letzten Reisetag vor uns haben werden. Nur gut, dass wir unsere Ankunft nicht verpassen können, da der Zug ja in Moskau endet. Wir versuchten aber, frühzeitig zur Ruhe zu kommen um mit dem Nachtschlaf nicht zu kurz zu kommen.
Manolis und die Monotonie Mittelsibiriens
(Sun, 21 Aug 2005 21:37:00 +0000)  Die Zugnummer in einem Fenster unseres Waggons.Matthias und Johannes schauen aus dem Fenster ihres Abteils.Omsk erreichten wir am Vormittag und rollten über den Irtysch.21.08.05: Die Erinnerung an diesen Tag ist nicht mehr wirklich abrufbar - ein Nachteil, wenn man nicht zeitnah ein Tagebuch führt. Nach so langer Zeit ist ein stereotyper Tag im Zug im Gedächtnis kaum haften geblieben. Gut, dass Johannes Tagebuch geführt hat und ich die Gelegenheit habe, seine Sicht der Ereignisse zur Auffrischung zu verwenden.Dennoch kann nicht wirklich von Ereignissen die Rede sein. Aus Johannes Tagebuch entnehme ich, dass er nicht schlafen konnte und sich daher aus dem Abteil in den Gang verdrückt hatte. Nadja (aus seinem Abteil) ging es scheinbar ebenso und so gesellte sie sich hinzu. Trotz des Sprachproblems vertrieben sie sich die Zeit mit Konversation. Nach Mitternacht rollte der Zug in Novosibirsk ein, wo er über eine halbe Stunde hielt. Diesen Halt nutzten sie zu einem Nachtspaziergang auf dem Bahnsteig.Während der Morgen graute, rollten wir irgendwo zwischen Novosibirsk und Omsk durch die Mittelsibirische Ebene.Ich musste an die alte sorbische Sage denken, der zufolge einst der liebe Gott mit seinem himmlischen Pferdegespann und einem riesigen Pflug den Lauf der Spree durch die Landschaft zog. Aber am Spreewald angelangt lauerte ihm der Teufel auf und erlaubte sich einen üblen Scherz, indem er die Pferde erschreckte. Diese scheuten und gingen durch. Dabei wurde der Pflug kreuz und quer durch den Spreewald gerissen und nur mit Mühe gelang es dem lieben Gott, die Pferde wieder zu beruhigen und gemächlich weiter nach Norden zu führen. Die unzähligen Furchen und Gräben aber, die der Pflug hinterlassen hatte, füllten sich mit dem Wasser der Spree und bilden heute die Kanäle des Spreewaldes.Wenn Gott also mit einem gewaltigen Pflug Flussbetten schuf, so musste er hier, in Westsibirien wohl mit einer gewaltigen Maurerkelle die Landschaft hunderte Kilometer weit glattgestrichen haben.Diese Monotonie außerhalb des Fensters würde uns also den ganzen Tag begleiten.ManolisAnders war es innerhalb des Waggons. Denn da hielt uns ein kleiner Junge auf Trab. Er reiste mit seiner Mutter, ich weis nicht mehr, wohin. Manolis war das Kind einer Russin und eines griechischstämmigen Amerikaners. Dieser war aber nicht mit dabei. Manolis Mutter war mit ihrem Söhnchen allein unterwegs - auf Verwandtenbesuch in Russland.Nun war Manolis ein Energiebündel und hielt alle in Bewegung, mit denen er sich zuvor angefreundet hatte, so auch unser Abteil und das Abteil von Johannes und Matze. Manolis wurde von seiner Mutter Manolik gerufen - sozusagen eine russische Koseform. Manolis kauderwelschte auf Russisch-Englisch-Griechisch durcheinander und war mitunter wegen seines nicht versiegenden Bewegungsdranges auch anstrengend. Zumindest vertrieb er uns an diesem Tag eine Menge Zeit.Die Landschaft blieb auch hinter Omsk eintönig und würde es bis Tjumen bleiben. Dort würden wir am späten Nachmittag ankommen. Nadja aus dem Abteil der Jungs bereitete sich auch schon vor, auszusteigen und packte einiges zusammen. Ihr Ziel war Jekaterinburg an der Ostseite des Ural, welches wir nach Moskauer Zeit am späten Abend, aber nach Ortszeit erst gegen Mitternacht errreichen würden.
Ostsibirien adé
(Sat, 20 Aug 2005 21:31:00 +0000)  In den gestreckten Kurven durch die Taigalandschaft offenbart sich beim Blick aus dem Fenster die Länge des Zuges.Irgendwann überquerten wir den Jennisej, den wasserreichsten Sibirischen Strom und rollten in Krasnojarsk ein.Ein typischer Bahnübergang, der den Stellenwert einer Verkehrsader, wie der Transsib verdeutlicht: Auch der gottverlassenste Bahnübergang ist beschrankt und meist mit einer Straßenbarriere versehen.20.08.05: Nach der ersten Nacht im Zug begann unser zweiter Tag der Bahnfahrt nach Moskau. Noch immer rollt der Zug durch die westlichen Ausläufer des Sajan. Es ist der Zug 339-340 Tschita-Moskau-Tschita. Trotz seiner relativ hohen Nummer (je höher die Nummer, desto niedriger das Prestige) hat er den Charme eines typischen Transsib-Fernzuges. Es gibt außer den Liegewagen genügend Schlafwagen (Kupé) einen 1.-Klasse-Waggon (Ljuks) und einen Speisewagen. Auch die einheitliche Farbgebung der Wagen zeigt: "Ich bin ein schnuggeliger Fernzug." In den gestreckten Kurven durch die Taigalandschaft offenbart sich beim Blick aus dem Fenster die Länge des Zuges.Ansonsten ist es typischer Tag im Zug. Es gibt nicht viel zu tun, außer relaxen, Landschaften gucken, relaxen, essen, relaxen.Johannes und Matthias spielten Karten mit ihren Abteil-Genossen Sergej und Nadja. Sergej war ansonsten mit Fisch essen und Bier trinken beschäftigt. Nadja versuchte sich mit den Jungs zu verständigen und schrieb Johannes sogar eine Widmung ins Tagebuch, die ich mal wie folgt übersetze:"Nie werde ich die Worte Kartoschka (Kartoffel), Suslik (Zieselmaus) und Burunduk (Streifenhörnchen) vergessen, wie Du sie aussprachst."Die Mitreisenden unseres Abteils kamen mit uns ebenfalls ins Gepräch. Die ältere Dame arbeitete bei der Miliz in Tschita. Das Gothic-Girl war auch aus Tschita und fuhr zum Studium nach Sankt Petersburg.Irgendwann überquerten wir den Jennisej, den wasserreichsten Sibirischen Strom und rollten in Krasnojarsk ein.Händler gab es hier nicht so viele, aber Kioske direkt auf dem Bahnsteig, wo wir natürlich wieder einiges einkauften.Dann ging es weiter und wurde zunehmend flacher. Wir rollten langsam in die zentralsibirische Tiefeben ein. Gleichzeitig rollten wir in den Abend und in die nächste Nacht, während die Sonne uns im Westen hinter den Horizont davon eilte und die Landschaft in der Dämmerung verschwamm.
Abreise aus Irkutsk
(Fri, 19 Aug 2005 21:00:00 +0000)  19.08.05 8:00 Uhr: Wieder haben wir eine komfortable Nacht verbracht. Heute geht unser Zug nach Moskau. Er geht nach Moskauer Zeit am späten Vormittag, aber wir kennen das schon. Nach Ortszeit ist dies natürlich erst am Nachmittag. Dennoch hatten wir die Hotelmanagerin gebeten, dies nochmals zu erkunden. Nach einem Telefonat mit dem Bahnhof bestätigte sie dies.Kleine Reparaturen an einer Sandale und einem Rucksack für ein paar Rubel bei einem chinesischen Flickschuster.Die späteste Zeit zum Aus-checken für das Hotel war 12:00 Uhr. Wir waren aber schon früher soweit - schon deshalb, weil das Frühstücksbuffet früher schloss. In der Lobby standen jede Menge Koffer. Eine Touristengruppe aus Hamburg sei eingetroffen, sagte man uns. Auch wenn wir noch jede Menge Zeit hatten, beschlossen wir, in die Stadt zu fahren. Die großen Rucksäcke würden wir schon irgendwie mitschleppen.Mit der Straßenbahn war das alles kein Problem. Wie schon erwähnt zahlten wir 5 Rubel pro Nase und pro Rucksack - Peenuts. Wir stiegen wieder beim Rynok aus mit dem Vorsatz, ein Plätzchen zu suchen, wo man im Schatten sitzen konnte und immer jemand bei den Rucksäcken aufpasst, wären ein Teil der Truppe sich zeitweilig entfernen konnte.Auf der Suche nach einer schattigen Bank kamen wir an verschiedenen Straßenhändlern vorbei, darunter viele Chinesen. Es waren auch Flickschuster dabei, die ihre Dienste direkt auf dem Bürgersteig anboten. Da kam uns die Idee, einige Sachen in Ordnung bringen zu lassen, ein abgerissener Sandalenriemen und ein Kompressionsgurt an einem der Rucksäcke, der kurz davor war, vollends auszureißen. Der Schuster erledigte das schnell und zuverlässig und verlangte sehr wenig, ich glaube 5 Rubel für den Rucksack und 20 Rubel für die Sandale.Wir stiegen in die Straßenbahnlinie 1 und fuhren direkt vor's Bahnhofsgebäude.Der Warteraum war durchaus angenehm, wenn auch gut besucht.An den Kiosken am Bahnhofsvorplatz deckten wir uns noch mit Reiseproviant ein.Auf der Rückseite des großen Handelsgebäudes fanden wir dann auch eine Bank, die halbwegs im Schatten war und ließen uns nieder. Man saß dort ganz gut, nur wurde man ständig von Bettlern angesprochen. Die Jungs machten sich als ersten auf zum Internetcafe, wo sie recht lange blieben.Ich stellte fest, dass die Bettler nach einer bestimmten Zeit wiederkehrten, als würden sie regelmäßige Runden machen. Aber nachdem ich einigen was gab, bemerkte ich auch, dass sie mich bei ihren wiederholten Rundgängen nicht mehr ansprachen, sondern nur noch auf andere Leute zugingen.Nachdem die Jungs zurück waren, machten Regina und ich eine kleine Runde und brachten von irgendwelchen Ständen Getränke und heisse Tschebureki (Teigtaschen mit Fleisch) mit. Sie waren echt lecker und sagten allen zu. Außerdem kaufte Regina noch irgend ein Kraut, was als Tee gekocht wohltuend und heilend sein sollte.Irgendwann entschlossen wir uns, zum Bahnhof zu fahren und den Rest der Zeit dort zu warten. Wir stiegen in die Straßenbahnlinie 1 und fuhren direkt vor's Bahnhofsgebäude. Die Sonne hatte den Zenit zwar schon überschritten, aber der Nachmittag war erst richtig drückend geworden. So gingen wir zuerst in den Schatten des Bahnsteiges 1. Dort wurden wir aber von Milizionären freundlich, aber bestimmt aufgefordert, wieder zu gehen. Der Aufenthalt auf den Bahnsteigen sei nur vor der Einfahrt des Zuges und während des Halts statthaft. Man habe im Bahnhofsgebäude Warteräume. Also begaben wir uns in einen solchen. Bis zur Zugabfahrt waren es noch etwa 2 Stunden.Der Warteraum war durchaus angenehm, wenn auch gut besucht. Man musste nur ab und zu in eine andere Halle laufen, um zu sehen, ob der Bahnsteig unseres Zuges schon ausgeschrieben war. Diese werden in Russland üblicherweise erst kurz vor Einfahrt oder Bereitstellung der Züge bekanntgegeben.An den Kiosken am Bahnhofsvorplatz deckten wir uns noch mit Reiseproviant ein. Eigentlich keine zwingende Notwendigkeit, da man sich während der Fahrt immer verpflegen kann, auf vielfältigste Weise. Aber bei Getränken sollte man bei der Hitze schon einen Vorrat haben.Irgendwann wars soweit. Der Zug wurde angekündigt und der Bahnsteig bekanntgegeben. Die Massen setzten sich in Bewegung. Es war der Zug Nr. 339-340 Tschita-Moskau. Wir waren doppelt gespannt - einmal, ob man in einem Zug mit so hoher Nummer (wo ausländische Touristen viel seltener mitfahren) unser Eurodomino-Ticket anstandslos akzeptieren wird und zum Zweiten, wie wir platziert werden, da auf unseren Tickets keine festen Plätze angegeben waren (siehe auch Beitrag zum Ticket-Kauf).Aber es lief alles problemlos, wenn gleich auch hier wieder unsere Tickets Neugier und Fragen aufwarfen und zwischen den Prowodnitsas herumgereicht wurden. Mit den Plätzen hatten wir das Pech, auf zwei verschiedene Abteile aufgeteilt zu werden, was sich aber im Nachhinein nicht als so schlimm herausstellte. Wir waren mit Regina in einem Abteil, wo bereits eine ältere Dame und eine Studentin im Gothic-Look waren. Johannes und Matze kamen in ein Abteil mit einem jungen blonden Mädchen und einem anfänglich etwas brummeligen Bisnesmen (businessman). Man hatte den Eindruck, er hatte Hoffnung auf einen romantischen Abend allein mit der Blondine im Abteil. Aber er taute irgendwann auch auf. Gewohnheitsgemäß merken wir kaum, wie der Zug sich in Bewegung setzte, während wir damit beschäftigt waren, uns einzurichten.So rollten wir wieder mal in den Abend und irgendwann in die Nacht, diesmal der untergehenden Sonne hinterher. Wir machten es uns recht bald bequem und unterhielten uns noch ein wenig mit unseren Mitreisenden, während Johannes und Matthias noch mal zum Speisewagen tigerten um Bier zu holen: Durch insgesamt 35 Schiebetüren, die sie gezählt hatten.
Ein Tag in Irkutsk
(Thu, 18 Aug 2005 20:25:00 +0000)  18.08.05 8:00 Uhr: Nach der Nacht im Hotel gab es ein hoteltypisches Frühstück vom Frühstücksbuffet. Man spürte, dass das Hotel relativ neu war und bemüht, sich zu etablieren. Alle waren zuvorkommend und höflich. Die Hotelmanagerin beantwortete uns geduldig unsere Fragen: Wo kann man Geld tauschen?, Wie kommt man am besten ins Stadtzentrum?... und so weiter.In der Nähe des Marktes (Rynok) stiegen wir aus. Die Irkutsker Innenstadt war geprägt von einem Mix aus alten sibirischen Holzhäusern und moderneren Neubauten.Die Reihen der alten Holzhäuser vor dem Rynok waren in ihrer Vielfalt und Anzahl sehr beeindruckend, auch wenn so manches Häuschen in erbärmlichem Zustand war.Vor den Stufen zur Aussichtsterasse an der Angara mit einer russisch-orthodoxen Kirche im Hintergrund.Geld tauschten wir schließlich in dem Außenhandelszentrum nebenan, wo es auch eine Bankfiliale gab. Dann ging es in die Stadt, und zwar mit der Straßenbahn. Die Verbindung war perfekt. Die Linie 3 hatte ihre Endhaltestelle direkt vor dem Hotel und führte ins Stadtzentrum vor den Zentralmarkt. Beeindruckend waren die Preise, 5 Rubel pro Person, was so etwa 20 Euro-Cent entsprach. Ein großer Rucksack kam allerdings 5 Rubel extra. Aber noch beeindruckender waren die Strafen fürs Schwarzfahren: 25 Rubel, also noch nicht einmal ein Euro - ein Witz.In der Nähe des Marktes (Rynok) stiegen wir aus. Die Irkutsker Innenstadt war geprägt von einem Mix aus alten sibirischen Holzhäusern und moderneren Neubauten.Wir schlenderten durchs Zentrum und versuchten, so etwas, wie den zentralen Platz zu finden. Die alten Holzhäuser vor dem Rynok waren in ihrer Vielfalt und Anzahl sehr beeindruckend, auch wenn so manches von ihnen in erbärmlichem Zustand war. Das Viertel mit den Holzhäusern wurde hinter dem Rynok von einem großen Kaufhauskomplex abgelöst. Dahinter begann eine Fußgängerzone mit buntem, geschäftigem Treiben. Hier gab es auch teurere Läden, Cafes und Restaurants und andere private Häuser. Sie waren aus Stein, aber offensichtlich historische Substanz und gut restauriert.Hinter der Fussgängerzone begannen noch repräsentativere Bauten. Viele davon waren Verwaltungen, oder Banken. Ein Internetcafe fanden wir hier auch. Dann kam ein gestreckter Platz, de sich als Forum bis zum Ufer der Angara erstreckte. Hier waren die regionalen und städtischen Verwaltungssitze. Der Platz war durch Bänke und Grünanlagen aufgelockert, aber dennoch steriler und weniger belebt, als die Gegend von Rynok und Fussgängerzone. Dennoch empfand ich dies nach dem Trubel zuvor als wohltuend. Da die Mittagshitze aufstieg und sich zwischen den Steinfassaden auflud, kauften wir uns ein Eis und relaxten am Rand eines Springbrunnens.Hier verweilten wir ein ein wenig und schauten von der Terasse über die Angara, wo wir Angler in ihrem Boot beobachteten.Schließlich liefen wir vorbei an den Kirchen wieder in Richtung des Geschäftsviertels.Wir schlenderten über die Fußgängerzone zurück zum Rynok. Hier begegnete uns sogar eine wandelnde Hotdog-Werbung und im Hintergrund ist das Markthallengebäude zu sehen.Dann schlenderten wir zur Angara, vorbei an einigen russisch-orthodoxen Kirchen und der ewigen Flamme zu Ehren der Gefallenen des Großen Vaterländischen Krieges (wie man in Russland der 2. Weltkrieg nennt).Hier verweilten wir ein ein wenig und schauten von der Terasse über die Angara, wo wir Angler in ihrem Boot beobachteten.Am anderen Flussufer wurden die Siedlungsformen wieder ländlicher und man sah in den entfernten Hügeln die Stadtgrenze.Schließlich liefen wir vorbei an den Kirchen wieder in Richtung des Geschäftsviertels. Auf der Freitreppe einer Kirche standen einige ärmlich gekleidete Menschen. Es waren Bettler, die in der Nähe der Kirche auf eine erhöhte Mildtätigkeit der Passanten hofften. Ich gab einigen etwas Kleingeld. Dann liefen wir weiter.Im Geschäftviertel ließen wir uns schließlich in einem Straßencafe nieder und bestellten Schaschlyk und Becks-Bier. Das war unser Mittagessen - sehr entspannt, fast Bayrisch-Bierzeltmäßig unter großen Sonnenschirmen. Wir verweilten hier recht lange, bis die Jungs zu drängen begannen, man müsse ja nochmal ins Internetcafe.Also liefen wir den Weg weiter in Richtung Rynok und verbrachten eine weiter Stunde (oder mehr?) im Internetcafe. Auch dieses war (wie auch in Sewerobaikalsk) kein Cafe, sondern eher ein Terminal-Saal - aber ebenfalls extrem preiswert. Hier konnte man auch ein Gefühl dafür bekommen, wie viele ausländische Backpacker doch in Irkutsk so rumlaufen.Damit war es auch schon wieder Nachmittag und wir schlenderten über die Fußgängerzone zurück zum Rynok. Hier begegnete uns sogar eine wandelnde Hotdog-Werbung. Insgesamt hatte man den Eindruck von mannigfaltigem und prosperierendem Kleingewerbe.Irgendwann gings mit der Straßenbahn wieder zurück zum Hotel, wo wir den Tag ausklingen ließen. Am nächsten Tag würden wir die Stadt verlassen, wenn auch erst am späten Nachmittag. Nochmals löcherten wir die Hotelmanagerin mit verschiedensten Fragen und bezahlten auch gleich die Hotelrechnung.
Baikal-Epilog: Olchon-Irkutsk
(Wed, 17 Aug 2005 21:51:00 +0000)  17.08.05 13:00 Uhr: Nachdem das Boot ins Maloje Morje einglaufen ist, sollte es noch fast zwei Stunden dauern, bis es am Südende der hundert Kilometer langen Insel anlegen würde. Nun befand sich der Blick auf die Küste Olchons backbords - eine Steppenlandschaft über der schroffen, felsigen Küste. Gleichzeitig entfernten wir uns etwas von der Westküste mit ihren teilweise bewaldeten Berghängen.Die Westküste am Nordende des Maloje Morje (kleines Meer) - westlich von Olchon.Eine von mehreren kleinen bizarren Fels-Eilanden, die der Westküste vorgelagert waren.Eine eigentümliche Anlegestelle auf Olchon - ein alter, auf Grund gesetzter Lastkahn, wo Helmut und seine Weggefährten an Land gingen.Im Gegensatz zum Nordbaikal war hier schon "etwas mehr" los. Man sah ab und zu andere Boote und trotz des Überflusses an wilden Landschaften schienen die besiedelten Stellen häufiger zu werden. Wir passierten einige kleine bizarre Fels-Eilande, die der Küste im Westen vorgelagert waren.So glitten wir an der Steppenlandschaft Olchons dahin, bis am südlichen Ende eine merkwürdige Anlegestelle in Sicht kam. Es war ein altes Frachtschiff, welches am Ufer auf Grund gesetzt wurde. Der alte Rumpf war kurzerhand in ein Pier umgewandelt worden, welches die Kometa nun ansteuerte. Das war das Ziel für Helmut und seine neuen Weggefährten. Sie wollten einige Tage auf Olchon verbringen, bevor sie sich auf den Weg machen würden, um über Irkutsk, Ulan-Ude und die Transmongolische Eisenbahn nach China zu fahren.Hier gingen sie an Land, nachdem wir uns herzlich von einander verabschiedet hatten. Ihnen stand nach einigen besinnlichen Tagen auf Olchon ja noch eine gewaltige Weltreise bevor. Helmut hat seinen Olchon-Aufenthalt, aber auch die ganze Tour in seinem Eurasia-Blog beschrieben und vor allem reichlich bebildert.Schon bald ging es weiter und die Kometa durchfuhr die engste Stelle zwischen dem Südende Olchons und der Westküste, wo eine Autofähre die Insel mit dem Festland verbindet. Dann ging es wieder auf den offenen Baikal hinaus. Das nächste Ziel würde Port Baikal sein. Wie wir zwischenzeitlich erfahren hatten, würden wir dort auf ein kleineres Tragflächenboot umsteigen müssen. Aus welchen Gründen auch immer fuhr die große Kometa nicht direkt bis Irkutsk.Am Pier in Port Baikal. Hier stiegen wir auf ein kleineres Tragflächenboot nach Irkutsk um.Der Schamanenstein (im Wasser vor dem großen Gebäude) ist kaum zu erkennen. Der Legende nach schleuderte der Vater Baikal diesen Felsbrocken seiner Tochter Angara hinterher, als diese ihn für den Recken Jenissej verließ.Die beiden Tragflächenboote lieferten sich ein Rennen und im Hintergrund entschwand der Baikal.Irgendwann kam Listwianka in Sicht und man konnte den Angara-Abfluss erkennen. Dann liefen wir in Port Baikal ein, wo es hieß: Aussteigen. Zur Weiterfahrt standen gleich zwei kleinere Tragflächenboote bereit, in welche die Reisenden aus der Kometa einstiegen, aber auch einige Tagestouristen aus Port Baikal. Dann ging es los, vorbei an Listwianka in den Lauf der Angara hinein. Am Schamananstein, den man kaum ausmachen konnte, trieben einige kleinere Boote. Dann ging es in schneller Fahrt nach Irkutsk, wobei sich die beiden Tragflächenboote ein Rennen mit wechselnder Führung lieferten.In Irkutsk kamen wir recht bald an - am Passagierhafen oberhalb der Angarastaumauer. Oliver und Franziska wurden vom Shuttleservice ihres Hotels abgeholt. Wir hatten es nicht so komfortabel und suchten uns ein Marschroutentaxi ins Stadtzentrum.Über das Internet (im Internetcafe in Sewerobaikalsk) hatte ich für uns verbliebene vier Leute ein Hostel gebucht, welches in Bahnhofsnähe lag. Wir fanden es auch recht schnell und klingelten an der Tür. Keine Reaktion. Wir drückten uns eine geschlagene Stunde vor dem Haus rum, klingelten immer wieder und befragten Anwohner, ob irgend jemand etwas wüsste. Alles Fehlanzeige, keiner konnte was sagen, keiner wusste etwas. Schließlich resümierten wir, dass das Hostel wohl nicht mehr existiert und dies auf der Internetseite von Hostelworld nocht nicht bekannt war und so liefen wir zum Taxistand am Bahnhof hinunter. Dort bestiegen wir ein Taxi mit der Order zu einer weiteren Hosteladresse zu fahren (dem Angara-Hostel).Der Passagierhafen von Irkutsk kommt in Sicht. Er liegt oberhalb der Angara-Staumauer.Dort angekommen sah es wieder recht suspekt aus und ich bat den Taxifahrer, zu warten. Es dämmerte bereits und wir wurden unruhig. Aber auch hier wurde uns gesagt, dass das Hostel hier nicht mehr existiere. Nun gab ich dem Taxifahrer die Order, uns zu einem Hotel zu fahren - am Besten nicht zu teuer und nicht zu billig.Er schlug vor "Hotel Profsojusnaja" (Hotel der Gewerkschaften). Der Vorteil sei, dass in der Nähe noch weitere Hotels zum Ausweichen seien. Also fuhren wir dahin.Es lag in der Nähe des Flughafens. Auch dort wurden wir enttäuscht. Alles ausgebucht. Also wandte ich mich ans nächste Haus am Platz. Neben einem protzigen Kongresszentrum mit Hotel gab es ein Hotel "Solnyshonik" (Kleine Sonne, oder Sönnchen). Dieses Hotel war in der oberen Etage eines Verwaltungsgebäudes untergebracht und nur durch einen kleinen Eingang mit unscheinbarem Schild zu erkennen. Dort hatten wir Glück.Ich bezahlte den Taxifahrer und entließ ihn. Dann checkten wir ein. Die Zimmer waren eine Art Appartments mit zwei Zweibettzimmern, einem Flur, Bad und Toilette. Die Zimmer gingen nach hinten hinaus und man hatte den Blick über ein Werkstattgelände in Richtung Flughafen. Nachdem die Unterbringung gesichert war, gingen die Jungs nochmal eine Runde raus (an einen Kiosk, den sie da gesehen hatten) und Regina und ich duschten und schauten dann ein wenig einen deutschsprachigen Fernsehsender, den wir beim Zappen entdeckt hatten.
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