Hoffnungslicht - Kurzgeschichten



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Das vergrabene Herz
(Wed, 27 Jul 2011 00:15:03 +0200)   Das vergrabene Herz. Wie jeden Morgen besuchte das kleine Lakota-Mädchen die Stammes-Älteste in ihrem Tipi. Sie wusste immer so schöne Geschichten aus dem Leben zu erzählen und so sollte das kleine Mädchen auch an diesem Tag einer ihrer Geschichen lauschen dürfen. Vor langer Zeit lebte eine junge Frau namens Winona in diesem Stamm. Sie war bekannt für ihre Herzenswärme und hatte immer ein nettes, tröstendes Wort für jene die es brauchten. Sie hatte eine Familie, Kinder und lebte glücklich im Einklang mit all den anderen Menschen des Stammes zusammen. Tagsüber pflückte sie Beeren oder machte sich bei den Ältesten dienlich um das Essen zu bereiten auf welches die Männer hofften wenn sie wieder von der erfolglosen Jagd kamen. Es war Winter und so gab es ausser Trockenfleisch und Maisfladen mit Beeren kaum etwas, was sie hätten essen können. Hin und wieder erfreuten sich die Menschen an einem Fisch oder einem Kleintier und so dankten sie WakanTanka für diese Besonderheit im Winter. Die Tage vergingen als eines Tages ein weisser Mann das Lager erreichte. Er war verletzt, war lange gereist und hatte Durst und Hunger. Man gab ihm vom dem wenigen was da war uns so konnte er sich eine Zeit lang im Camp aufhalten, wärmen und ein bisschen schlafen. Die Männer des Stammes waren wieder auf Jagd und so befahl eine der Ältesten Winona diesem Mann frisches Wasser zu bringen. Sie folgte dem Wort der Alten, ging mit einer Blase zum Fluss um frisches Quellwasser zu holen. Dies brachte sie zu dem Tipi, indem der –Fremde- schlief. Sie trat leise ein und wollte ihn nicht wecken aber als sie vor dem Backrest, einer aus Weidenruten gebundenen Schlafunterlage stand, erwachte der Fremde aus seinem Schlaf und schaute ihr direkt in die Augen. Winona erschrak erst, konnte diesem Blick aber nicht entweichen. Irgendwann riss sie sich los und rannte aus dem Tipi. Ihr Herz schlug schnell und sie war sichtlich berührt, was auch die Alten merkten. So suchte sie sich Arbeit indem sie anfing die Feuerstelle mit Holz zu bestücken, ganz durcheinander von Gedanken und Gefühlen, die sie so nicht kannte und die nicht sein durften. Immer wieder hielt sie inne und genoss diesen Augenblick, den sie zuvor erlebte, in der Hoffnung nicht gesehen zu werden. Die Männer kamen von der Jagd zurück und einige von ihnen redeten mit dem Fremden, begrüssten ihn und schenkten ihm einige Tage Aufenthalt bis er sich vollständig erholt hatte. Dies gefiel Winona garnicht, wusste sie noch nichts mit dem anzufangen, was sie tief in sich fühlte. Irgendwie kannte sie diesen Mann aber ihr war nicht bewusst wo sie ihm jemals hätte begegnen können. So versuchte sie immer wieder das Gefühl mit Arbeit zu bedecken, spielte mit den Kindern um nicht ihren Gedanken nachzuhängen… Am nächsten Tag als sie wieder frisches Wasser holen wollte, traf sie am Fluss auf den Fremden der –ihre- Sprache sprach, dies aber vor dem Rest des Stammes nicht zu erkennen gab. Sie standen voreinander und schauten sich an. Die Zeit schien stehenzubleiben, als von weit her einer der Ältesten rief weil sie auf das Wasser wartete. Winona konnte sich kaum dem Blick entziehen als sie ganz sanft seine Hand in der ihren fühlte. Sie erschrak und doch war sie berührt, ließ von ihr ab und rannte zum Camp. Wieder klopfte ihr Herz und es schien fast rausspringen zu wollen. Sie wusste dass sie diesen Menschen schon gesehen, gefühlt und geliebt hat, weit vor dieser Zeit, denn das was sie fühlte war nicht mit Worten zu beschreiben. Sie hatte sich unendlich verliebt und das obgleich sie eine Familie hatte. Dies durfte nicht sein und das wusste auch der Fremde. So beschloss er am nächsten Morgen weiterzuziehen und sagte es am abendlichen Lagerfeuer so deutlich, das es auch Winona hören konnte. In ihr zerbrach eine Welt, hatte sie ihn endlich wiedergetroffen……………………………. So packte der Fremde am kommenden Morgen seine Sachen zusammen und schenkte Winona zum Dank eine Feder. Sie war wunderschön und er steckte sie ihr ins Haar mit leisen Worten: „ Hakamya upo, tecihila.“ (Komm, folge mir, ich liebe Dich). Winona spürte eine Stich im Herzen und rannte davon, nie wieder vom Stamm gesichtet. Viele Jahre später………………………. Der Fremde war mittlerweile auch in die Jahre gekommen und machte auf seinem Zug durchs Land Rast bei dem Stamm, der ihn damals so liebevoll aufgenommen und beherbergt hatte. Er sprach die Schwester von Winona an und fragte sie wo er sie finden könne. Sie anwortete das sie den Stamm verlassen hätte, im Wald lebt und nicht mehr sprechen würde. Sie hätte ihr Herz vergraben und nur einem sei es gestattet, es zu suchen und ihr wiederzubringen. So machte sich der Fremde auf die Suche nach dem vergrabenen Herz und Tage und Nächte vergingen, ehe er es fand. Es war tief vergraben und er fand es nur weil er es durch ein Erdloch sichten konnte. Es schlug und glänzte matt. Nun musste er nur noch Winona finden und dies schien schwierig denn der Schnee des frühen Wintereinbruchs hatte sämtliche Spuren verdeckt, die sie hätte hinterlassen können. So suchte er Tag und Nacht, in der Angst das Herz können aufhören zu schlagen. Es war innerlich ganz warm und doch bedeckte er es mit Schnee um es zu erhalten. Tiefer und immer tiefer verlief er sich im Wald als er, schon total schwach den Schein eines Feuers in der Ferne wahrnahm. Mit letzter Kraft zog er voran und erreichte die Feuerstelle. Er schaute sich um, blieb stehen und rief leise den Namen der Frau, die ihm damals nicht folgen konnte weil sie aus Verpflichtung und Scham nicht durfte. „Winona“ drang es leise durch die Nacht. „Winona“, ich bin hier. Bitte zeig Dich. In dem Moment brach hinter ihm ein Ast und Winona lag am Boden. Sie war schwach und konnte nichts sagen. Der Fremde hielt ihr Herz auf Brusthöhe und konnte sehen wie es in ihrem Brustkorb verschwandt. Sie lagen sich in den Armen, schauten sich an und wussten diesen Augenblick nie mehr loslassen zu müssen. So gingen sie Seite an Seite durchs Leben und manchmal tut es Not loszulassen damit man irgendwann gewinnt. Wenn nicht an dem was man möchte, so aber an Erfahrungen. ©Sue
Hochzeit - Scheidung
(Mon, 30 May 2011 21:10:34 +0200)   Es war ein wunderschöner Sommertag. Es wehte ein lauer Wind. Schmetterlinge flogen von Blume zu Blume und Bienen bevölkerten die Blüten.Auf der riesigen Grünfläche vor den Reihenhäusern spielten lachend und kreischend die dort wohnenden Kinder. Ein Planschbecken sorgte zusätzlich für einen beachtlichen Geräuschpegel. Eine alte Dame drohte mit Anruf bei der Polizei, wenn die Kinder nicht leiser sein würden. Ich rief zurück, dass ich mich dann gleichfalls beschweren würde, weil ihre Klospülung Tag und Nacht liefe und ihr Köter den ganzen Tag kläfft. Schwupps……, war sie verschwunden. Es klingelte an der Türe. Ich öffnete und vor mir standen meine Tochter Linda und der Nachbarjunge Marcel. Auf meine Frage hin, was sie denn wollten, kicherten die beiden Fünfjährigen um die Wette. Sie stießen sich gegenseitig an, hielten sich mit ihren kleinen schmutzigen Händen die Münder zu und stampften von einem Bein auf das andere, um dann loszulassen, dass sie ein Geheimnis hätten. Es war lustig, zu beobachten, wie sie fast platzten, um ihr so genanntes Geheimnis los zu werden. Marcel fragte mich: “Willst Du denn überhaupt nicht wissen, was wir angestellt haben?” Linda verpasste ihm einen Knuff: “Sei doch still, ich will erzählen!!!” Sie wurden sich dann schließlich einig, dass sie sich beim erzählen abwechseln wollten. “Also”, fragte ich: “wer fängt denn jetzt an?” “Die Linda”, meinte Marcel: “aber nur, weil die ein Mädchen ist!!” O. k., Linda holte Luft und es sprudelte so aus ihr hervor: “Wir haben geheiratet!” Sie kicherten sich fast weg. “Nein, wie schön! Wo habt ihr das denn gemacht?”, wollte ich wissen. “Auf dem Komposthaufen da unten und geküßt haben wir uns auch!” “Wow”, sagte ich, “das müssen wir ja begiessen.” Ich öffnete eine Flasche Limonade und goss drei Gläser ein. Die beiden, das frisch vermählte Paar, machte sich anschließend glücklich vom Acker. Nur ein paar Tage später kam Linda weinend an die Türe, Marcel lief auch fluchend nach Hause. “Was ist los”, fragte ich. Linda antwortete unter Tränen: “Wir haben uns wieder geschieden. Marcel hat mich vom Komposthaufen geschubst! Ich gehe nie, nie wieder raus!” Ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. “Das geht bald vorüber, Du wirst schon sehen.” Da klingelte es wieder an der Türe. - Es war Marcel - mit einem Lutscher in der Hand - für Linda!! Sie nahm dieses überaus schmackhafte Friedensangebot an und ging Hand in Hand mit Marcel die Treppe hinunter. Heute sind beide über 20 Jahre alt und telefonieren oft stundenlang miteinander. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Lovestorrys, trösten sich gegenseitig, lachen viel oder gehen auch mal miteinander aus. …………..Nur, dass sie jetzt geschieden sind!!! (c) Christiane Rühmann
Schriftstellers Leid
(Sat, 21 May 2011 12:23:51 +0200)   Schriftstellers Leid Es geschah zwei Tage nach dem mich die Hexe geschossen hatte. Ich konnte mich nicht bücken und musste beim Arzt in die Knie gehen, um meinen Schirm aus dem Schirmständer zu holen. Als ich nach Hause kam, fand ich einen älteren, um nicht zu sagen, überholten Beitrag in Form eines Gedichts von mir in unserer lokalen Monatszeitschrift. Das Gedicht war versteckt platziert, weit unten auf der Seite 11, gleich neben dem Rezept für das erfrischende Getränk aus Holunder. Der Redakteur dieser Zeitschrift hatte vor einem Jahr eine Kurzgeschichte von mir veröffentlicht. Die restlichen Manuskripte, auch das Gedicht, schickte er mir zurück mit der Begründung, sie seien zu direkt, oder aufrührerisch. Kurz … er dürfe das nicht veröffentlichen. Während ich am Küchentisch saß und mir den schmerzenden Rücken hielt, überlegte ich, woher der Mann das Gedicht hatte. Mein Blick fiel auf das Rezept für das Holundergetränk: „¼ l Weinessig, 10 Holunderdolden und eine Zitrone mit zehn Litern Wasser ansetzen“ …Man hat es nicht leicht hier in der Provinz, wenn man seine Gedichte an die Öffentlichkeit bringen will, dachte ich. „Hiernach siebt man die Flüssigkeit ab, füllt sie in Flaschen und stellt sie luftdicht in den Keller.“ Ich war kein Mensch, der damit hausieren ging, dass er ein bisschen Schreiben konnte … nein, dass war nicht meine Art. „Nach vierzehn Tagen ist daraus eine stark sprudelnde Limonade geworden“, las ich weiter. Ich dachte bisweilen, keiner würde meine Geistesblitze veröffentlichen. Das stimmte nicht. Schon zwölf Monate nach der Rücksendung eines Manuskriptes konnte ich eines meiner Gedichte in dieser Zeitschrift wieder finden. Ich war froh, dass der Redakteur meinen Beitrag nicht unter das Rezept für den Kartoffelsalat mir Sauerampfer gesetzt hatte. Es handelte vom Sinn des Lebens. Der Redakteur hatte mein Gedicht kopiert und konserviert, um es nach einem Jahr als Unterstreichung für eine stark sprudelnde Limonade zu veröffentlichen. Langsam stand ich auf, dabei hielt ich mich krampfhaft am Küchentisch fest. Ich hinkte zum Kühlschrank und holte mir ein Glas Milch wegen des Kalziums für die Knochen. Beim Schreiben hatte mich die Hexe nicht geschossen. Das passierte bei der Arbeit, mit der ich mein Geld verdiente, um Beiträge in Anthologien bezahlen zu können. Wie ich sah, hatte ich das nicht mehr nötig. Demnächst würde ich ein Rezept für eine Salbe gegen Hexenschuss erfinden. Im nächsten Jahr würde es gleich neben der Stellenanzeige, in der sie einen Dachdecker suchen stehen.
Lotto am Samstag
(Mon, 16 May 2011 14:52:22 +0200)   Lieber Gott, Morgen ist Samstag. Wie du weißt, findet an diesem Tag die Ziehung der Lottozahlen statt. Wieder habe ich mitgespielt, seit Jahren mache ich das, und habe oft kaum meinen Einsatz herausbekommen. Lieber Gott, was hast du davon, dass du mich nie gewinnen lässt? Ich möchte nur eine klitzekleine Million haben. Du weißt, dass ich das Geld nicht nur für mich verbrauchen würde. Meine Frau und die Kinder würden den größten Teil bekommen, die Armen der Welt würde ich beschenken… Für mich wäre nur ein kleiner Anteil dabei. Sei mir nicht böse, ich möchte dich nicht erpressen…aber wenn du mich diesmal wieder nicht gewinnen lässt, dann hole ich mir zweihundert Lottoscheine und fülle sie alle aus. Einer wird bestimmt darunter sein auf dem sechs Richtige sind. Lieber Gott, bitte bedenke, wie hoch allein der Einsatz dafür ist….fast ein ganzes Monatsgehalt…Eventuell muss ich einen Kleinkredit aufnehmen. Wer sollte dann die übrigen Schulden bezahlen? Lieber Gott, bitte zieh mir nicht das letzte Hemd aus. Lass mich gewinnen. Amen
Das kleinere Übel
(Sat, 30 Apr 2011 23:37:04 +0200)  Klirr...., schepper....., es war schon wieder passiert! Nein, das kann doch nicht wahr sein! Warum kann ich mich nicht zusammenreißen? Ich weiß doch, dass ich nicht mehr in der Lage bin, mit nur einer Hand einen Teller oder gar eine Tasse festzuhalten. Und immer wieder verfalle ich in die alte Gewohnheit zurück, glaube, dass alles noch so ist, wie vor der widerlichen Erkrankung.
Ungewollte Rettung...
(Sat, 30 Apr 2011 10:21:59 +0200)   Jens hatte heute früher Feierabend als sonst und beschloss daher, sich heute früher als sonst gewöhnlich zweimal in der Woche auf den Weg zu begeben, um seine Seele in der Natur aufzutanken. Er ging zunächst den Laubenweg hinauf bis an die Gabelung. Nur stand heute zum Weg nach links ein Durchgangsverbotsschild wegen Steinschlag. Er überlegte, ob er denn nicht trotzdem dem jetzt verbotenen Weg folgen sollte, den er ja schließlich wie seine Westentasche kannte. Normalerweise hielt sich Jens an Ge- oder Verbote. Er spürte jedoch, dass heute irgendwie alles anders war als sonst. Deshalb begab er sich auf den gewohnten Pfad, ignorierte das Schild und wagte sich den Berg hinauf. Als er auf der Höhe angekommen war, bemerkte er eine Frau auf einer Bank sitzend, die starr auf ihr Handy in ihrer rechten Hand starrte. Im Vorbeigehen grüßte er kurz, erhielt jedoch keine Antwort. Eher hatte er den Eindruck, als ob die Frau ziemlich verwirrt war, ja er glaubte sogar Tränen in ihrem Gesicht bemerkt zu haben. Er ging weiter und erreichte nach etwa 400 m den Waldrand auf der Höhe, an dessen Anblick er sich jedes Mal wieder aufs Neue erfreute. Auf einmal bemerkte er einen Strick an einem dicken Ast hängen, der mit groß gezogener Schlaufe dort baumelte. Sofort fiel ihm die Frau auf der Bank ein. Er kehrte ohne zu zögern um und lief eilig zu der Bank zurück und hörte kurz bevor er dort ankam das Handy klingeln, das die Frau immer noch in ihrer Hand hielt. Sie machte nicht die geringste Anstalt, den Anruf entgegen zu nehmen. Diesmal kam sie Jens noch verwirrter vor. Er sprach die regungslose Frau an. Als sie nicht reagierte, nahm er ihr das Mobilteil aus der Hand und nahm selbst das Gespräch statt ihrer entgegen. Dabei ließ er die Verwirrte nicht aus den Augen, meldete sich mit seinem Namen und war gespannt, was geschah. Am anderen Ende meldete sich ein Beamter der Polizei, der wissen wollte, wie Jens an das Mobiltelefongerät käme und ob die Besitzerin auch in der Nähe sei. Jens schilderte kurz die Situation und besprach mit dem Beamten seinen genauen Standpunkt. Die Frau hatte zu Hause einen Abschiedsbrief hinterlassen und darüber hinaus noch eine SMS an ihren Ehemann gesandt. Dieser hatte darauf hin die Polizei alarmiert und gleichzeitig die Mobilfunknummer seiner Frau angegeben. Jens sollte Auf Bitten der Polizei hin, dort warten, bis ein Streifenfahrzeug und ein Rettungswagen eingetroffen seien. Er ließ sich neben der Frau auf der Bank nieder und nahm sie in den Arm. Sie zitterte am ganzen Körper und brach in Tränen aus. Als Jens das Tablettenröhrchen unter der Bank bemerkte, traf auch schon die Polizei mit dem Rettungswagen ein. Er hinterließ bei den Beamten seine Daten, machte noch auf den Strick im Wald aufmerksam und setzte nun seinen Weg fort - natürlich voller Gedanken. An diesem Tag war wirklich alles anders als sonst. Es war in diesem Fall gut, dass er einen verbotenen Weg gegangen war, sonst wäre die Frau wohl nicht gerettet worden…… Diese Geschichte hat sich tatsächlich ereignet. Ich kenne Jens nur flüchtig und habe die Geschichte nur in Worte gefaßt. (c) Christiane Rühmann
Heimat ist, wo Pütt ist....
(Fri, 29 Apr 2011 19:25:30 +0200)   Er hatte genug von den angestaubten grauen Fassaden der Siedlung. Das ganze Stadtviertel lebte vom Bergbau. Siggi, wie er hier von allen genannt wurde, lebte immer noch in dem Dachgeschoßzimmer mit Schräge und der primitiv zu handhabenden Dachluke. Er lag auf seinem Bett und starrte gegen die Decke. Eigentlich müsste er mal neu tapezieren, aber er hatte es satt, hier länger zu wohnen. Seit seiner Geburt bewohnte er bereits dieses Zimmer. Seine Schwester hatte ihres nebenan und sein Bruder gegenüber. Alles war so grau und trist. In jedem Zimmer hing ein Bildnis der „Heiligen Barbara“, der Schutzpatronin der Bergleute. Er kannte noch nicht einmal wirklich ihre Geschichte und was sie mit den Bergleuten verband, er wusste nur, daß sie sie der Berg sich geöffnet uns sie beschützt haben soll, als sie auf der Flucht vor ihrem fürchterlichen Vater war. Und seither, so sagt es die Heiligenerzählung, beschützt sie alle, die den Berg betreten können und sich unter Tage aufhalten. Siggi dachte an seinen Vater, der an seiner Staublunge elendig verstorben war. Es war wohl das Schicksal vieler Bergleute. Er war Steiger und nur darauf bedacht, seine Familie glücklich zu machen. Daß er sie eigentlich unglücklich machte, war ihm wohl niemals in den Sinn gekommen, denn schließlich hatte er doch für alles gesorgt. Trotz Unterbezahlung hatte er es geschafft, seiner Familie eine Doppelhaushälfte zu ermöglichen. Die andere Hälfte bewohnte dessen Bruder Atze mit seiner Familie. Es gab kaum Platz für Spiele – aber es gab viel Platz für viel Herz! Das Wochenende verbrachten sie stets in ihrem kleinen Schrebergarten, gleich neben den Bahnschienen. Er war wie eine Oase, in der sie sich erholen konnten. Hier vergaßen sie ihre ewige Angst vor Grubenunglücken und die Geldnot wegen der ständigen Arzt- und Arzneirechnungen. Nun ja, es war doch irgendwie schön, wenn sie gemeinsam dort hin marschierten und Mutter Apfelkuchen oder „Muschipizza“, wie Onkel Atze frecherweise die Pflaumenplatte nannte, gebacken und alles in dem Bollerwagen verstaute, auf dem auch kurzfristig eine Kiste Bier parkte, in ihre Oase zogen. Die vorbeifahrenden Güterzüge nahm niemand mehr so wirklich wahr. Sie gehörten einfach zu aller Tagesablauf dazu. Man sprach halt etwas lauter, wenn einer vorüber donnerte. Auch sonst war es ja gar nicht so übel hier. Gleich um die Ecke befand sich ein Kiosk, wo es außer den Zigaretten, Zeitungen und einer Flasche Bier auch noch immer ein nettes Pläuschken gab. Daneben befand sich ein altes Ziegelgebäude, hinter dessen poröser Fassade Siggi ein Geheimversteck hatte. Hier hatte er Briefe versteckt, die dem Leser seine heimliche Liebe zu Giesela preisgeben würden. Auch einen Wimpel hatte er dort deponiert, von seinem Verein, dem FC Schalke 04. Zu Hause konnte er ihn nicht aufbewahren, weil sämtliche Freunde und seine Familie Fans des VFL und der BORUSSIA waren. Er war nicht stark genug, zu seinem Verein zu stehen, aber heimlich – heimlich betete er seine Favoriten an. Ja, und nun, nach Vaters Krebstod war er das Familienoberhaupt und hatte dafür zu sorgen, daß Geld in die Kasse floß. Aber er war nun mal kein Bergmann, wie sein jüngerer Bruder oder sein Onkel. Selbst seine Schwester arbeitete auf der Zeche, allerdings in der Verwaltung. Siggi war anders. Er suchte neue Herausforderungen, wollte die Welt sehen, seinen geistigen Horizont erweitern und mehr Geld verdienen, als er es hier auf´m Pütt könne. Er wollte einfach raus aus dem Ruhrpott. Daher hatte er sich bei einer Baufirma beworben, die in Japan nach europäischem Muster Wohnsiedlungen bauten. Er hatte nach Abschluss der Schule Maurer gelernt und war mittlerweile Maurermeister, also für die Baufirma bestens geeignet. Das Vorhaben sollte zwei Jahre dauern und würde ihm außergewöhnlich viel Geld bringen, das er natürlich seiner Familie zu Gute kommen lassen würde. Was hatte er hier denn auch für eine Zukunft? Er musste es nur noch irgendwie seiner Familie beibringen. Nach seiner Offenbarung bei einer Familiensitzung, zeigten jedoch alle mehr Verständnis für seine Entscheidung, als er angenommen hatte. Das erleichterte ihm den Abschied natürlich ungemein. Er packte seine Sachen und folgte dem fast unwiderstehlichen Angebot. Die Zeit verging und sie hatten eine Menge Häuser in Koshido erbaut. Er befand sich bereits seit etwas mehr als einem Jahr hier. Die Baufirma hatte gute Arbeit geleistet und aus diesem Grund weitere Aufträge in Japan erhalten. Er erhielt bei bereits allerbester Bezahlung das Angebot, weitere zwei Jahre hier zu verbringen und den Aufbau voran zu treiben. Sein Lohn sollte weiter aufgestockt werden und darüber hinaus konnte er jedes Vierteljahr einmal nach Hause fliegen. Er stand vor einer neuen Entscheidung. Seine Gedanken kreisten und waren im Moment genau so verstaubt, wie die Fenster in der Umgebung der alten Zeche in seiner Heimat. Je mehr er nachdachte, umso klarer wurde es in seinem Kopf und sein Entschluß immer deutlicher. All das, vor dem er geflüchtet war, wurde zu einer Schlinge, die ihm den Hals zuschnürten. Ihn plagte Heimweh! Ihn, den Revolutionär, den Ausreißer, der vor der Realität davon gelaufen war! Wie mochte sich seine Mutter wohl fühlen, ohne ihn? Was war mit seiner kleinen Schwester, dem Bruder und seinen Kumpels? Was war sein Leben hier überhaupt ohne seinen Pütt? Er war in dem einen Jahr, seitdem er hier war, noch nicht zu Hause gewesen. Briefe, die sie wechselten, brauchten sehr lange und immer beteuerten ihm alle, daß es ihnen gut gehe, zu Hause. Auf einmal liefen Tränen ohne Aufhalt über seine im Lauf der Zeit fahl gewordenen Wangen. Er ließ ihnen ihren Lauf und begann sogar, laut zu schluchzen. Genau da faßte er den Entschluß: Er mußte zurück , zurück nach Bottrop in die Zechensiedlung. Er sehnte sich plötzlich nach den Reibereien, die es von Zeit zu Zeit gab, nach den Frühschoppen im Revier, dem Getratsche seiner Familie, Freunden und Nachbarn. Die Fremde war doch nichts für ihn, das wußte er nun. Sie war einfach nicht seine Welt…. Mit einer Notlüge familiärer Art, entließ die Gesellschaft ihn schließlich nach seinem Entlassungsersuchen, vorzeitig aus dem Vertrag, wenn sie ihn auch nicht gerne gehen lassen wollten. Er hatte sogar noch eine Sonderzahlung zu erwarten, weil er mit großem Einsatz für das Unternehmen tätig gewesen war. Erst, als er knapp eine Woche später in der Straßenbahn zur Zeche saß, hellte sich sein Gesicht auf. Alles sah noch genau so aus, wie vor einem Jahr. Niemand wußte von seiner Rückkehr, er wollte alle überraschen. Um selbst erst einmal ‚anzukommen‘, war er drei Stationen vor zu Hause ausgestiegen. Er schulterte seinen Seemannssack und legte den Rest des Weges zu Fuß über die Aegidisstraße zurück. Wie in Trance stieg er also aus der Bahn, schaute entlang der immer noch rötlichgrauen Häuserfassaden und bemerkte erst jetzt, wie schön Bottrop doch war. Er näherte sich dem alten Ziegelgebäude mit seinen losen Steinen, entfernte, nachdem er sich vergewissert hatte, daß ihn niemand beobachtete, den immer noch losen Block und stellte fest, daß seine Geheimnisse noch vorhanden waren. Er griff in die Jackentasche und zog das Flug- und Bahnticket heraus und legte diese seinen Schätzen bei. Dann verschloß er mit dem Ziegel wieder seinen Geheimbunker und machte sich lächelnd auf den Heimweg. Nur noch ein paar Meter, dann war er daheim. Er klingelte. Eine alte, eingefallene Frau öffnete ihm die Tür – es war seine Mutter. Sie blickten sich nur kurz in die Augen und fielen sich dann in die Arme. „Willkommen zu Hause, mein Junge. Ich wußte, daß Du kommst, habe es gespürt“. Siggi folgte ihr in die Stube und stellte fest, daß sie ihn tatsächlich bereits erwartet zu haben schien. Es sah jedenfalls so aus. Es stand „sein“ Kaffeegedeck auf dem Wohnzimmertisch, und daß es nach frisch gebackenem Apfelkuchen roch, hatte er bereits auf der Straße vor dem Haus wahrgenommen. Liebevoll hatte sie alles zurecht gestellt. Den Kuchen hatte sie bereits in kleine handliche Stücke geschnitten und der frisch gebrühte Kaffe wartete in einer Kanne auf einem Stövchen darauf, daß er bald getrunken würde. Mutter hatte ihn also tatsächlich erwartet. Tag für Tag glaubte sie an seine Rückkehr, nur heute war sie sich sicher, daß er kommen würde. Endlich war er wieder daheim auf dem Pütt! Wie gut das tat…. Kurz nach seiner Heimkehr erhielt er eine gut bezahlte Stelle als Meister in einem Bauunternehmen. Er begann sogar, seine Gedanken, Empfindungen und Emotionen niederzuschreiben. Er verfaßte sie in kleine Kapitel, die er in dem Püttblättchen, das wöchentlich erschien, veröffentlichen konnte. Sie beschrieben sein Erlebtes, den Fortgang und die Heimkehr in sein geliebtes Bottrop. Der Titel seiner Veröffentlichungen lautete: HEIMAT IST, WO PÜTT IST …….. (c) Christiane Rühmann
Für George
(Tue, 26 Apr 2011 17:46:18 +0200)   "Für George"..... Er war einsam. Natürlich war er noch nicht alt, er hatte sein Leben, seinen Alltag. Er ging morgens aus dem Haus zur Arbeit und kam abends erschöpft wieder. Aber das Haus war leer. Nein, Kinder hatte er keine, aber er wollte immer welche haben und seine Frau auch. Doch wie so vieles nicht vorhersehbar ist, konnte keiner ahnen, dass man ihm seine Frau nehmen würde. Diese verteufelte Straße! Natürlich hatte man jetzt, nachdem der schwere Unfall passiert war, eine Ampel aufgestellt. Aber jetzt nutzte es seiner Frau nichts mehr und ihm auch nicht. Ein Raser hatte seine Frau überfahren, als sie gerade auf dem Weg zur Arbeit die Straße überquerte. Er mochte sich gar nicht ausmalen, was bei dem Unfall wirklich passierte. Es zählte nur, dass sie nicht mehr da war! Dafür würde er den Unfallverursacher sein Leben lang hassen! Und er merkte, dass er im Hassen wirklich gut wurde. Mordphantasien konnten befriedigend sein, aber wäre das in der Realität auch so? Die Sonne wanderte langsam dem Horizont entgegen. Die Luft war noch warm und um sich von seinen Gedanken ab zu lenken ging er in die Bibliothek, um sich ein Buch zu holen. Vielleicht konnte er auf der Terrasse noch ein wenig abschalten, aber er bezweifelte es. Die Bibliothek wollte seine Frau haben, sie war vernarrt in Bücher. Sie hatten extra einen schönen, bequemen Ohrensessel gekauft, damit sie sich direkt in die Nähe ihrer Bücher zurückziehen konnte, wenn ihr danach war. Er musste die Leselampe anmachen, da das Licht von draußen nicht mehr ausreichte, um die Titel auf den Einbänden lesen zu können. Er setzte sich in den Ohrensessel, da er noch nicht wusste, welches Buch er nehmen sollte. Der Raum strahlte immer noch ihre Präsenz aus. Immer wenn er in diesen Raum kam, war er seiner Frau ganz nah! Er lehnte sich zurück und betrachtete die Buchreihen. Alles stand ordentlich in Reih und Glied. Ihre Art, die Bücher zu ordnen hatte er nie verstanden, aber das musste er auch nicht, es war ja ihr Reich. Sein Blick wanderte von einer Reihe zur nächsten und blieb plötzlich an einer Stelle hängen. Die Symetrie war falsch. Ein Buch stand nicht richtig, es schaute aus der Reihe hervor. War das schon vorher so gewesen und ihm nur nicht aufgefallen? Musste ja so sein, sonst hätte er es eher bemerkt. Er stand auf und nahm das Buch aus dem Regal. Der Titel sagte ihm nichts und die Autorin auch nicht. Aber da er sowieso keine feste Vorstellung hatte von dem, was er lesen wollte, nahm er dieses Buch und ging hinaus auf die Terrasse. Er setzte sich auf die Bank, machte es sich bequem, schlug das Buch auf und begann zu lesen. Das Buch fesselte ihn von Anfang an. Es war eine Liebesgeschichte, aber nicht kitschig, sondern tiefer gehend. Sie handelte von Vertrauen, für jemanden da sein und Seelenverwandtschaft. Als die Sonne unterging machte er die Terrassenbeleuchtung an, da er unbedingt weiter lesen wollte. Komisch, denn Liebesgeschichten waren nie sein Geschmack, aber dieses Buch war so geschrieben, als würde er persönlich angesprochen werden. An manchen Stellen standen ihm Tränen in den Augen. An anderen Stellen widerum lachte er laut auf. Es wurde immer später, aber er bemerkte es nicht. Er verspürte keinen Hunger und keinen Durst, er las einfach immer weiter. Als die Alltagsgeräusche schon verschwunden waren wurde ihm langsam kühl. Weiter lesend löschte er das Licht, schloss die Terrassentür und ging zurück in die Bibliothek. Das Licht dort war noch an und er machte es sich in dem Ohrensessel gemütlich. Morgen war Samstag, da brauchte er nicht aufstehen, er konnte also weiter lesen. Als die Morgendämmerung langsam einsetzte hatte er die letzten Seiten des Buches erreicht. Seine Brust schmerzte. Im Hals war ein Knoten, der dort nicht hingehörte und die Buchstaben verschwammen immer wieder vor seinen Augen. Niemand konnte nachvollziehen, dass es so eine Liebe wirklich gab, wie sie in dem Buch beschrieben wurde. Niemand, der es nicht selber erlebt hat. Und er hatte sie erlebt, diese Liebe! Die Geschichte war zu Ende. Er wollte das Buch schon beiseite legen, da sah er, dass auf der folgenden Seite noch etwas stand. Er traute seinen Augen nicht, dort stand "Für George......in ewiger Liebe". George, so hieß er auch, das konnte doch nicht sein. Ein Zufall? Er blätterte weiter bis zum Einband und dort sah er sie....seine Frau. Dort war eine Kurzbiographie seiner Frau gedruckt. Aber wie war das möglich? Sie hatte nie gesagt, dass sie ein Buch geschrieben hatte und der Name passte auch nicht. Ein Pseudonym? Wahrscheinlich! Er lehnte sich zurück und betrachtete das Bild seiner Frau. Es war egal, dass sie es ihm nie erzählt hatte. Sie war nicht mehr da, aber sie hatte ihm ein Andenken hinterlassen. Er fand sich und auch sie in diesem Buch wieder. Er schlug das Buch zu und drückte es an seine Brust. Sein Hass war mit einem Mal verschwunden. Der Raser war verurteilt worden. Aber das alles änderte nichts daran, dass seine Frau tot war. Er würde sie auch nicht wieder lebendig machen, indem der Hass ihn selber zerfraß! Er löschte das Licht, ging wieder hinaus auf die Terrasse und setzte sich. Er betrachtete den Sonnenaufgang und seine Gedanken waren bei seiner Frau. Das letzte, was er vernahm, bevor ihm die Augen vor Müdigkeit zuvielen, war die Stimme seiner Frau......."Für George......in Liebe"......und er spürte fast, wie ihre Hände über sein Gesicht strichen...... Copyright © 2011 Lillemore
Nach dem Fest
(Sun, 24 Apr 2011 10:35:18 +0200)   „Papa, wann haben endlich wieder die Geschäfte offen?“ „Wieso willst Du das wissen? Wir haben doch alles, was wir brauchen hier. Heute ist Samstag und am Montag öffnen die Läden erst wieder.“ „Mann, das dauert ja noch ewig! Hast Du den Bon, oder hat Oma ihn?“ „Welchen Bon?“ „Na den, von dem bescheuerten Nintendo-Spiel. Oma glaubt wohl, dass wir noch in der Steinzeit leben. Das hat doch kein Mensch mehr…“ „Nanana, nun tu ihr aber nicht Unrecht. Sie hat es doch nur gut gemeint.“ „Und was soll ich denn noch mit einer Barbie-Puppe, in meinem Alter. Die peilt voll gar nichts mehr.“ „Jajaja, ist ja schon gut, am Montag fahren wir in die Stadt und tauschen die Sachen um. Aber erzähl Oma nichts davon, sonst ist sie beleidigt.“ „Genau das ist der springende Punkt. Wenn einer mal vernünftig mit Oma reden würde, wäre das Problem für nächstes Weihnachten aus dem Weg geräumt. Ich werde es ihr sagen.“ Beverly war fest entschlossen, ihrer Oma klar zu machen, dass sie mit ihren 12 Jahren nicht mehr mit Barbie-Puppen spielt und Nintendo geht auch gar nicht mehr. Viel lieber wäre ihr der MP3-Player gewesen, den ihre Freundin Lynn schon längst besass. Und Barbie….. also nee, das lief nicht. War Oma denn nicht aufgefallen, dass sie schon fast erwachsen war? Bev wirkte in der Tat um locker mal zwei Jahre älter, als sie war. Sie achtete darauf, immer stylisch und trendy zu sein, na eben so halt, wie es Teenager heutzutage sind. Und das musste sie ihrer Oma beibringen, wenn auch - wunschgemäss – schonend. Oma wollte doch am Sonntag nochmal vorbeikommen, und dann würde sie mit ihr reden. Pünktlich zum Kaffee erschien Oma Rieke. Bev´s Mum hatte, wie immer, den Tisch liebevoll gedeckt und einen Kuchen gebacken. Papa hatte den Kamin angefacht, um es für alle gemütlich zu machen. Während sie nun ihren Kuchen und Kaffee genossen, merkte Oma Rieke, dass Bev etwas bedrückte. „Was ist los, Beverly? Bist Du krank“ „Nein Oma, das ist es nicht. Ich müsste mal mit Dir reden, aber Du darfst nicht traurig oder böse sein.“ Bev´s Eltern zogen die Stirnen in Falten. „Also, raus mit der Sprache. Was bedrückt Dich, Kind?“ „Oma, Du fährst doch einen grossen Wagen, Du weisst schon, einen der Teuersten, mit dem Stern“. „Ja, das stimmt.“ „Was hättest Du gemacht, wenn Du ein Auto geschenkt bekommen hättest, was mindestens vier Preisklassen unter dem Wert Deines jetzigen Fahrzeugs gewesen wäre?“ Oma überlegte kurz und antwortete: „Vermutlich hätte ich es eingetauscht gegen das, was ich immer schon mal haben wollte, nämlich so eins, wie ich es jetzt besitze. Aber auf was willst Du hinaus?“ „Schau mal, ich bin doch jetzt kein kleines Kind mehr und ich habe mich auch wirklich über Deine Geschenke zu Weihnachten gefreut, nur scheint an Dir vorüber gegangen zu sein, dass ich fast erwachsen bin und nicht mehr mit Puppen spiele. Und technisch scheinst Du auch nicht mehr auf dem Laufenden zu sein. Man spielt heute nicht mehr dieses Nintendo. Hättest Du mich gefragt, wäre ich zu gerne mit Dir gemeinsam shoppen gegangen. Oder denkst Du etwa, dass ich noch an den Weihnachtsmann glaube?“ Rieke war ein wenig erstaunt und dachte eine Weile nach, bis sie schliesslich meinte: „Also, wenn ich Dich recht verstehe, waren meine Geschenke für Dich vollkommen falsch gewählt? Und nun möchtest Du, dass Du sie umtauschst gegen etwas anderes? Ich habe verstanden!“ Sie machte eine kleine Pause, holte tief Luft und lächelte. „Hmm, lass mal nachdenken. Wie wäre es denn mit Montag Vormittag? Du hast doch noch Ferien. Die Kassenbelege habe ich noch in der Tasche. Soll ich Dich gegen 11.00 Uhr abholen zum ‚Umtauschbummel‘? Dann können wir ja anschliessend beim Italiener noch eine Pizza essen gehen. Ist das o.k.? Dabei kannst Du mir ja dann etwas mehr über Eure Jugendtrends berichten. Schliesslich bin ich ja noch lernfähig.“ Beverly jubelte, sprang so hastig auf, dass der Stuhl hinter ihr umkippte, fiel ihrer Oma um den Hals und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Die Eltern lächelten und atmeten erleichtert auf. „Danke Oma, Du bist die Beste!“ Wie verabredet, stand Oma Rieke am Montag gegen 11.00 Uhr mit ihrem Superfahrzeug vor der Tür und holte Bev ab. Nachdem sie all ihre Erledigungen getätigt hatten, setzten sie sich gemütlich in eine Pizzeria und schlemmten, bis sie fast platzten. Bev schwärmte Oma Rieke vor, was heute so im Trend liegt. Ausgefallen und stylisch schräg musste alles sein. Sie kamen sich an diesem Tag mächtig nahe und beschlossen, solche Einkaufsbummel häufiger zu wiederholen……. © Christiane Rühmann
Das Häschen Puck
(Fri, 22 Apr 2011 17:13:20 +0200)  Puck war ein kleiner aufgeweckter Waldhase. Er lebte mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern in einem schönen Bau, tief inmitten des Waldes. Seine Hasengeschwister und Eltern trauerten noch um einen weiteren Bruder, der während einer Treibjagd abgeschossen wurde.
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