Ist der Lobbyismus zur 5. Gewalt im Staat geworden?(Fri, 19 Nov 2010 10:46:01 +0100)
Diese Frage steht im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten
Podiumsdiskussion, die am Freitag, 19.11.2010, um 19.15 Uhr an der
Evangelischen Akademie im Rheinland, Mandelbaumweg 2, 53177 Bonn,
stattfindet. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei.
Die Teilnehmer des Podiums kommen aus den Reihen der Politik und
Wirtschaft, der evangelischen Kirche und politik-kritischen
Nichtregierungsorganisationen. Sie bringen ihre Erfahrungen und
Beobachtungen zum Lobbyismus sowohl auf der Bundes- und Landesebene als
auch auf der EU-Ebene in die Diskussion ein:
* Volker Stehmann, tätig im Bereich Public Affairs/Energiepolitik bei
der RWE Aktiengesellschaft Essen
* Regina van Dinther, Landtagspräsidentin a.D., Düsseldorf, CDU, u. a.
seit 1990 Stellvertretende Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes
Ruhrgebiet und Landesvorsitzende der Frauen-Union
* Prof. em. Dr. Peter Lösche, Politikwissenschaftler, bis 2007 Direktor
des Seminars für Politikwissenschaft an der Universität Göttingen sowie
Gründer und Direktor des Zentrums für Europa- und Nordamerikastudien.
Lösche ist insbesondere durch seine Arbeiten zur Parteienforschung
bekannt geworden. Er ist Autor des 2007 im Kohlhammer Verlag
erschienenen Sachbuchs „Verbände und Lobbyismus in Deutschland“.
* Tobias Münchmeyer, Stellvertretender Leiter der Politischen Vertretung
von Greenpeace in Berlin
* Patrick Schnabel, stellvertretender Leiter und Juristischer Referent
beim Büro des Bevollmächtigten der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD), Brüssel
* Hans H. Stein, Leiter der NRW-Landesvertretung bei der Europäischen
Union, Brüssel
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion haben Sie Gelegenheit, Ihre Fragen
an die Referentinnen und Referenten zu stellen.
Die Moderation des Abends liegt bei Arnd Henze, außenpolitischer
Fernsehredakteur beim Westdeutschen Rundfunk.
Wir bitten um vorherige Anmeldung zu dieser Abendveranstaltung bis zum
17.11.2010. Bitte melden Sie sich im Tagungssekretariat bei Frau Katrin
Arnold an. (Tel.: 0228 9523-203 oder katrin.arnold@akademie.ekir.de).
Die Podiumsdiskussion findet statt im Rahmen der Tagung: Deutschland –
Lobbyland? Die Tagung liefert Fakten und klärt über Trends auf.
Qualitätskriterien für “guten” und “schlechten” Lobbyismus kommen zur
Sprache. Das ausführliche Tagungsprogramm ist auf der Internetseite der
Akademie www.ev-akademie-rheinland.de zum Abruf bereit gestellt.
Die Redewendung „eine Lobby haben“ hat - mal scherzhaft, mal ernsthaft
gemeint - längst Eingang in unsere Alltagssprache gefunden. In die
Internet-Suchmaschine Google eingegeben, bringt sie es auf mehr als 1
Million Treffer - und spiegelt damit gesellschaftliche Realität:
Lobbyismus ist intensiver geworden
Angesichts der immer komplexer werdenden gesellschaftlichen und
politischen Entscheidungsprozesse sind die Kontakte starker
Interessensgruppen zu Regierung, Fraktionen und Parlament intensiver
geworden. 2006 gab es 1.900 Einträge in die Lobbyliste des Deutschen
Bundestages, die Gesamtzahl wurde auf 4.500 Lobbyisten in Berlin und auf
bis zu 25.000 Lobbyisten in Brüssel geschätzt.
Unternehmensverbände, Gewerkschaften, Nichtregierungsorganisationen
suchen gezielt das Gespräch mit politischen Entscheidern, damit ihre
Interessen bei Gesetzgebungsverfahren berücksichtigt werden. Andrerseits
brauchen Parlamentarier und Ministerialbürokratie deren Rohstoff, die
detaillierte Sachkenntnis im jeweiligen Bereich. Stagnation bei den
Reformen auf dem Finanzsektor, Verlängerung der Laufzeiten für
Atomkraftwerke – sind das Auswirkungen informeller Einflussnahme?
Tagung zu Lobbyismus von der berechtigten Einflussnahme bis hin zu
bedenklichen Formen
Ist Deutschland heute Lobbyland?
Diese Frage greift jetzt eine Veranstaltung an der Evangelischen
Akademie im Rheinland auf:
Deutschland – Lobbyland?
Tagung in Kooperation mit dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer in
Deutschland, Regionalgruppe Köln-Bonn-Leverkusen
19. November 2010, Bonn
Lobbyismus reicht heute von der legitimen Form der berechtigten
Einflussnahme bis hin zu bedenklichen Formen, die demokratische
Grundprinzipien gefährden.
Referenten decken ein breites Spektrum der Standpunkte ab
Die Tagung gibt Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und
Perspektiven zu informieren. Dabei decken die Referentinnen und
Referenten der Tagung ein breites Spektrum der Standpunkte ab: Von
Politikern und Unternehmensvertretern über Vertreter der
Wohlfahrtsverbände und der evangelischen Kirche bis hin
politik-kritischen Nichtregierungsorganisationen. Einzelne
Lobbyistenbüros gewähren Einblick in ihre Arbeit.
Die Referenten liefern Fakten, klären über Trends auf.
Qualitätskriterien für „guten“ und „schlechten“ Lobbyismus werden ebenso
zur Sprache kommen wie die Frage, ob Lobbyismus bereits zur 5. Gewalt im
Staate geworden ist.
Die unsichtbaren Machtfaktoren in der Wirtschaftspolitik
In Kooperation mit dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer,
Regionalgruppe Köln – Bonn – Leverkusen
Nach den Erschütterungen durch die Bankenkrise gab es zunächst eine
große Bereitschaft, neue Regeln einzuführen. Die staatliche Aufsicht
über die Finanzmärkte sollte verbessert werden. Doch hat sich seither
merkwürdig wenig bewegt. Obwohl es an sachkundigen Mahnungen nicht
mangelt und die Auswirkungen der Wirtschaftskrisen allerorten zu spüren
sind, entwickeln sich auf den Finanzmärkten schon wieder
Spekulationsblasen. Wie bei allen politischen Reformen trifft auch die
Finanzmarktreform in Deutschland wie in Europa auf den Widerstand von
starken Interessenverbänden, von großen Banken und berufsmäßigen
Lobbyisten internationaler Finanzimperien. Deren Einflussnahme geschieht
weitgehend unsichtbar, aber gleichwohl hoch effizient. Viel Geld und
viel Personal werden aufgeboten, um „Politikberatung“ zu treiben. Wo
verläuft die Grenze zwischen fachlich notwendiger Beratung und
Manipulation?
Wie viel Lobbyismus verträgt die Demokratie? Wie souverän sind unsere
politischen Mandatsträger bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen? Wie
ließe sich Sachkunde für die politischen Generalisten in unseren
Parlamenten besser und transparenter organisieren? Welche Erfahrungen
gibt es mit dem Lobby-Register der Europäischen Union?
Anhand der Analyse von Lobbyarbeit verschiedener Interessensgruppen soll
ein differenziertes Urteil über legitime und bedenkliche Formen des
Lobbyismus ermöglicht werden. Einzelne Lobbyistenbüros schildern ihre
Arbeit. Politikerinnen und Politiker lassen sich zum Umgang mit
Lobbyisten befragen. Fachleute aus Sozialethik, Wirtschafts- und
Politikwissenschaft liefern Fakten und diskutieren Qualitätskriterien
für „guten“ und „schlechten“ Lobbyismus.
Zu den Referentinnen und Referenten:
Arnd Henze, Journalist, Köln
Geb. 1961. Seit Mai 1992 außenpolitischer Fernsehredakteur und Reporter
beim WDR. Dort ist er u. a. zuständig für die redaktionelle Betreuung
der ARD-Studios Washington und New York. Zahlreiche seiner
Dokumentationen, Reportagen und Sondersendungen wurden mit bedeutenden
deutschen und internationalen Fernsehpreisen ausgezeichnet.Als
Sonder-Korrespondent für USA und UNO berichtet Arnd Henze seit 1994
immer wieder für die aktuellen ARD-Sendungen wie Tagesschau,
Tagesthemen, Brennpunkt, Morgen- und Mittagsmagazin. Im Rahmen der
Evangelischen Kirche leitet Arnd Henze seit fünfzehn Jahren das
"Dellbrücker Forum", das sich in dieser Zeit weit über Köln hinaus als
Ort kontroverser außen-, innen- und gesellschaftspolitischer
Diskussionen etabliert hat. Als Lehrbeauftragter am Institut für
Internationale Politik der Universität Köln beschäftigt er sich unter
anderem mit dem Einfluss der Medien auf internationale Ereignisse.
Weitere Informationen: http://www.wdr.de/tv/cosmotv/team/arnd_henze.jsp
http://www.dellbruecker-forum.de/Teilnehmer/arnd_henze.htm
Prof. em. Dr. Peter Lösche, Göttingen
Geb. 1939.Studium der Geschichte, Politikwissenschaft, Geografie und
Philosophie an der Freien Universität Berlin, Universität Göttingen und
in den Vereinigten Staaten. 1966 Promotion an der Freien Universität
Berlin. l966 – l973 Wissenschaftlicher Assistent, Otto – Suhr – Institut
für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin. l969 – l971
Kennedy Memorial Fellow, Harvard University, Cambridge, USA. 1973 – 2007
Universitätsprofessor an der Georg-August-Universität Göttingen für
Politikwissenschaft; Direktor des Seminars für Politikwissenschaft;
Gründer und Direktor des Zentrums für Europa- und Nordamerikastudien.
Seit 1975 Gastprofessuren an der University of California, Santa
Barabara; Stanford University; School of Advanced International Studies,
Johns Hopkins University, Bologna, Italien. Forschungsaufenthalte in der
Vereinigten Staaten und Neuseeland. 2007 Emeritierung
Seit 1996 journalistische Nebentätigkeit in Fernsehen, Rundfunk und bei
Zeitungen Forschungsschwerpunkte: Geschichte der
deutschen und internationalen Arbeiterbewegung; Anarchismus; Politik und
Gesellschaft der Vereinigten Staaten; Parteien, Verbände, Lobbyismus.
Tobias Münchmeyer, Stellv. Leiter der Politischen Vertretung v.
Greenpeace in Berlin
Geb 1969. Studierte Politikwissenschaft und Slawistik an der FU Berlin.
1995-1996 Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew und
Koordinator der internationalen Konferenz „Lessons of Chernobyl“
anlässlich des 10. Jahrestages der Tschernobyl-Katastrophe. Anschließend
arbeitete er zum Thema Energieeffizienz im Moscow Energy Centre der EU,
bevor er 1998 zu Greenpeace International wechselte. Dort arbeitete er
als Atom-Experte mit Schwerpunkt Osteuropa. 2002 wechselte er für ein
Jahr in das Auswärtige Amt, wo er im Sonderstab Afghanistan für
Humanitäre Hilfe und Wiederaufbau zuständig war. 2003-2004
wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesabgeordneten Winfried Nachtwei
in der Bundestagsfraktion der Grünen, 2004 kehrte Münchmeyer zu
Greenpeace zurück. Seither ist er als stellvertretender Leiter der
Politischen Vertretung Berlin vor allem für den Bereich Klima- und
Energiepolitik zuständig.
Patrick Schnabel, Büro des Bevollmächtigten des Rates der EKD, Brüssel
studierte Theologie zu etwa gleichen Teilen in Bethel, St Andrews
(Graduation zum Master of Theology) und Göttingen (1. Kirchl. Examen),
sowie Kirchen-, Staatskirchen- und Europarecht in Göttingen und am Ev.
Institut für Kirchenrecht in Potsdam. Er war Stipendiat des Ev.
Studienwerks Villigst, des St Mary’s College St Andrews und der
Konrad-Adenauer Stiftung. Pfr. Patrick Roger Schnabel ist
Stellvertretender Leiter und Juristischer Referent der Dienststelle
Brüssel. Zu seinem ehrenamtlichen Engagement gehören die Mitarbeit in
deutsch- und englischsprachigen Gemeinden in Brüssel und beim Deutschen
Evangelischen Kirchentag.
Volker Stehmann
Geb. 1967. Staatsexamen in Französisch und Wirtschaftswissenschaften,
Master of European Economic Studies, Europakolleg Brügge, Belgien. 1989
– 1990 Fremdsprachenassistent, Lycée Louis Pasteur, Hénin-Beaumont /
Frankreich. 1994 Trainee, TAUW Milieu Adviesbureau, Deventer /
Niederlande. 1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter,
Europakolleg Brügge, Belgien. Seit 1996 Funktionen in verschiedenen
Unternehmen der Energiewirtschaft: 1996 – 2000 Verband der Europäischen
Stromwirtschaft EURELECTRIC/Unipede, Brüssel, Belgien, 2000 - 2001
Manager Energiestrategie, Accenture, México D.F. 2002 - 2003
Internationale Aktivitäten, RWE Plus AG, Essen. 2003 - 2008
Energiepolitik, RWE Energy AG, Dortmund, seit 2008 Public Affairs /
Energiepolitik, RWE AG, Essen. Ehrenamtliches Engagement als
Schatzmeister und Mitglied des Präsidiums „Gesellschaft für
übernationale Zusammenarbeit / „Bureau International de Liaison et de
Documentation“, Bonn/Paris.
Hans H. Stein, Leiter d. Vertretung des Landes NRW bei der EU, Brüssel
06.2002 – 03.2006 Geb. Geb. 1965. Studium der Volkswirtschaftslehre
sowie der Poltischen Wissenschaften an den Universitäten Bonn und Köln
mit Abschluss als Diplom-Volkswirt. 1990 – 1991 Geschäftsführer des
Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität zu Köln. 1991 – 1992
Geschäftsführungsassistent eines mittelständischen
Technologieunternehmens in Kleve. 1991 - 1992 Büroleiter des
Bundestagsabgeordneten Paul K. Friedhoff (Kleve), mittelstands- und
wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. 06 – 08.1992 Summer
Fellow des Instituts for Humane Studies, George Mason University,
Fairfax, VA. 1997 – 2000 LeiterWirtschaftspolitik, Arbeitsgemeinschaft
Selbständiger Unternehmer e.V. (ASU), Bonn. 2000 – 2006
Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer
e.V. (ASU). 2002 - 2006 Secretary General der European Group of
Owner-Managed and Family Enterprises (GEEF), jetzt Leiter der Vertretung
de Landes NRW bei der Europäishen Union.
Regina van Dinther, Landtagspräsidentin a. D., Düsseldorf
Geb. 1958. Dipl.-Ing. FH für Bekleidungstechnik. 1980 - 1990 Tätigkeit
in der Bekleidungsindustrie. 1991 - 2002 selbständig. Vom 8. Juni 2005
bis 9. Juni 2010 Präsidentin des Landtags NRW. Mitglied der CDU seit
1978. Stellvertretende Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes Ruhrgebiet
seit 1990. Stadtverbandsvorsitzende Hattingen der CDU von 1996 bis 2006.
Landesvorsitzende der Frauen-Union Nordrhein-Westfalen seit März 1999.
Frauenpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion 1990 - 2005.
Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU-Landtagsfraktion 1995 bis
2005.
Mitglied im Kuratorium der Evangelischen Stiftung Volmarstein und im
Vorstand der Karl Arnold Stiftung. Stellv. Vorsitzende von "Donum vitae
e.V." Hattingen und Beiratsvorsitzende der Regionalstelle Frau und Beruf
Hagen/Ennepe Ruhr. Mitglied der 11. Verbandsversammlung des
Regionalverbandes Ruhr. Abgeordnete des Landtags Nordrhein-Westfalen
seit 31. Mai 1990.
Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer ist ein von
ehrenamtlichem Engagement getragenes Netzwerk protestantischer
Unternehmer, Manager und Führungskräfte.
Wir rüsten uns geistig und geistlich zu, um uns in unserem Glauben zu
vergewissern.
Wir suchen ethische Orientierung und fachlichen Austausch, um uns in
unserem unternehmerischen Entscheiden und Handeln zu bestärken.
Wir beteiligen uns an der kirchlichen Meinungsbildung zu wirtschafts-
und sozialethischen Fragen, um unsere Gesellschaftsordnung
verantwortlich mitzugestalten.