MTA-Dialog - Die Fachzeitschrift der Technischen Assistenten in der Medizin



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Kategorie: Gesundheit, Medizin > News

MTA Dialog ist die Fachzeitschrift für medizinisch-technische Assistenten, Laborärzte, Radiologen, Klinische Chemiker und Lehrkräfte. MTA Dialog informiert etwa 23.000 Abonnenten aktuell mit Fachbeiträgen aus der Laboratoriumsmedizin, Radiologie und Funktionsdiagnostik. Die Zeitschrift stellt moderne Untersuchungsmethoden sowie Neuentwicklungen aus Medizintechnik und Diagnostik anschaulich vor.

Nachrichten aus dem RSS-Feed: MTA-Dialog - Die Fachzeitschrift der Technischen Assistenten in der Medizin
Frühdiagnostik bei Rheuma: SPECT zeigt Knochenveränderungen schon im Frühstadium
(Thu, 24 May 2012 08:50:39)  Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen. Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. In der Rheumatologie hat sich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen: Patientinnen und Patienten werden zunehmend früher, individueller und intensiver therapiert. Damit soll vermieden werden, dass langfristige Folgeschäden der rheumatischen Erkrankung auftreten, wie etwa Schäden an Knochen und Gelenken. Für die Radiologie haben sich die Anforderungen dadurch ebenfalls geändert: Immer häufiger geht es bei der Bildgebung von Rheumapatienten um die Frage, ob moderne Therapien anschlagen oder nicht und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem die Rheuma-typischen Knochenveränderungen noch gar nicht vorliegen. "Mit Ultraschall oder Magnetresonanztomographie können auch kleinere Veränderungen am Gelenk bereits relativ früh erkannt werden", betont Professor Dr. Axel Scherer vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. "Aber erst nuklearmedizinische Verfahren wie etwa die SPECT-Untersuchung gestatten es, funktionelle Veränderungen sichtbar zu machen. Damit können wir beispielsweise Probleme des Knochenstoffwechsels erkennen, noch bevor fassbare Schäden auftreten." Scherer und seine Mitarbeiter Dr. Christian Buchbender und Dr. Falk Miese haben die hochauflösende SPECT und die Magnetresonanztomographie (MRT) in einer klinischen Studie bei zehn Patienten mit frühem Rheuma ("rheumatoide Arthritis") direkt miteinander verglichen. Die Ergebnisse stellen sie beim Deutschen Röntgenkongress 2012 vor. Die Untersuchungen erfolgten zweimal, zu Beginn der Therapie und nach sechs Monaten Behandlung mit einem typischen Rheumamedikament (Methotrexat). Bei der SPECT-Untersuchung wird den Patienten eine mit Technetium markierte, phosphonathaltige Substanz (Tc99m-DPD ) gespritzt. Phosphonat (und damit das mittels SPECT nachweisbare Technetium) werden in den Knochen eingebaut und zwar vor allem dort, wo Umbauprozesse stattfinden. Dies ist in der Umgebung der vom Rheuma betroffenen Gelenke der Fall. Zwei Stunden nach Injektion wird die Verteilung des Technetiums per SPECT gemessen. Erhöhte Werte deuten darauf hin, dass Osteoblasten und Osteoklasten, also jene Zellen, die den Knochen auf- und abbauen, überdurchschnittlich aktiv sind. Bei jedem Patienten wurden vier Fingergrundgelenke untersucht, insgesamt also 40 Gelenke. "Einen erhöhten Knochenstoffwechsel haben wir auch in solchen Gelenken gefunden, die in der MRT völlig normal aussahen. Die SPECT liefert demnach schon früh Informationen über drohende Knochenschäden. Das kann für die Therapie sehr relevant sein", so Scherer. In der Studie fand sich vor Therapie bei mehr als der Hälfte der untersuchten Gelenkportionen eine Erhöhung der Tc99m-DPD-Aufnahme. Die MRT zeigte lediglich bei siebzig Prozent dieser Gelenke eine Entzündung der Gelenkhaut (Synovialitis). Jene Patienten, bei denen sich trotz Therapie Knochenschäden entwickelten oder verschlechterten, hatten zuvor ausnahmslos eine erhöhte Tc99m-DPD-Aufnahme.In einer Folgestudie wollen die Düsseldorfer Radiologen jetzt weitere moderne radiologische Verfahren mit Blick auf einen möglichen Einsatz bei Rheumapatienten evaluieren. An erster Stelle steht dabei die Positronenemissionstomographie (PET). Anders als die SPECT, die den Knochenumbau mit Hilfe des Markers Tc99m-DPD sichtbar macht, macht die PET mit Hilfe des Markers Fluordesoxyglucose (FDG) Gewebe mit erhöhter Stoffwechselaktivität sichtbar: Gewebe, die viel Zucker verbrauchen, nehmen vergleichsweise viel FDG auf und erscheinen in der PET dann als "leuchtende" Areale.Die PET wird überwiegend in der Krebsmedizin eingesetzt. Aber nicht nur Tumore, auch entzündliche Gewebe haben einen erhöhten Glukosestoffwechsel und lassen sich entsprechend mittels PET nachweisen. Bei der Rheumaerkrankung sind das die Weichteile des Gelenks, vor allem die Gelenkhaut. Eine erhöhte Entzündungsaktivität an dieser Stelle könnte per PET sichtbar gemacht werden - unter Umständen schon in einem sehr frühen Stadium der Erkrankung. "Welchen Stellenwert die unterschiedlichen diagnostischen Methoden künftig haben werden, lässt sich bisher noch schwer abschätzen. Interessant könnte die molekulare Diagnostik bei Patienten sein, die auf die Therapie nicht ansprechen oder sehr aggressive Krankheitsverläufe haben", so Scherer. Vielversprechend sind in diesem Zusammenhang auch neue Verfahren der Hybridbildgebung. Kombinierte PET/MRT-Scanner beispielsweise vereinen die Vorteile der frühen funktionellen Diagnostik und der hochauflösenden Gelenkdarstellung im Kernspin in einem einzigen Untersuchungsgang. (drg)
Gestresste Männer sind sozialer
(Wed, 23 May 2012 08:27:26)  Ein Forschungsteam unter der Leitung der Freiburger Psychologen und Neurowissenschaftler Prof. Dr. Markus Heinrichs und Dr. Bernadette von Dawans hat in einer Studie untersucht, wie Männer in Stresssituationen reagieren - und mit den Ergebnissen eine fast 100 Jahre alte Lehrmeinung widerlegt. Dieser zufolge sollen Menschen und die meisten Tierarten bei Stress die "Kampf-oder-Flucht-Reaktion" ("fight-or-flight") zeigen. Erst seit den späten 1990er Jahren vertreten einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die These, dass Frauen unter Stress alternativ nach dem "Tend-and-befriend-Konzept" handeln, also mit einem beschützenden ("tend") und Freundschaft anbietenden ("befriend") Verhalten reagieren. Männern hingegen wird nach wie vor unterstellt, bei Stress aggressiv zu werden. Zu Unrecht, sagt von Dawans: "Offenbar zeigen auch Männer soziales Annäherungsverhalten als unmittelbare Konsequenz von Stress." Mit dieser Studie hat das Forschungsteam erstmals das Sozialverhalten bei Männern unter Stress experimentell untersucht. Die Ergebnisse stellen die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des renommierten internationalen Fachjournals Psychological Science vor. An der Studie waren die Ökonomen Prof. Dr. Ernst Fehr von der Universität Zürich/Schweiz und Prof. Dr. Urs Fischbacher von der Universität Konstanz sowie der Psychologe Prof. Dr. Clemens Kirschbaum von der Technischen Universität Dresden beteiligt. Schon im vergangenen Jahr hatten Heinrichs und von Dawans ein standardisiertes Verfahren entwickelt, um in Vortragssituationen Stress in Gruppen zu erzeugen. Die Folgen für das Sozialverhalten untersuchten die Forscherinnen und Forscher nun in ihrer Studie mit eigens konzipierten sozialen Interaktionsspielen. Diese ermöglichen es, positives Sozialverhalten, zum Beispiel Vertrauen oder Teilen, und sozial negatives Verhalten, etwa Bestrafen, zu messen. Im Ergebnis zeigten Probanden, die unter Stress standen, deutlich mehr positives Sozialverhalten als Probanden der Kontrollgruppe, die sich nicht in einer Stresssituation befanden. Negatives Sozialverhalten jedoch wurde durch Stress nicht beeinflusst. Für Markus Heinrichs hat dies weit reichende Konsequenzen für ein besseres Verständnis der sozialen Bedeutung von Stress: "Aus vorherigen Studien unseres Labors wussten wir bereits, dass positiver sozialer Kontakt mit einem vertrauten Menschen vor einer Stresssituation die Stressreaktion reduziert. Offenbar ist diese Bewältigungsstrategie so stabil verankert, dass Menschen auch unmittelbar im oder nach dem Stress durch positives soziales Verhalten Stressreaktionen verändern können." (idw)
Hinweis
(Tue, 22 May 2012 10:01:05)  Im Artikel "Finanzieller Zuschuss für Ausbildende MTRA in Ingolstadt" in der Mai-Ausgabe von MTA Dialog wurde von einem berufsbegleitenden Studiengang MTA an der LMU München berichtet. Dieser Studiengang existiert derzeit leider noch nicht, ist aber für 2013 geplant.
Angriffswerkzeug der Bakterien hochaufgelöst in 3D
(Tue, 22 May 2012 06:10:41)  Pest, Bakterienruhr und Cholera haben eines gemeinsam: Sie werden von Bakterien ausgelöst, die ihren Wirt mit einem ausgeklügelten Injektionsapparat infizieren. Über nadelartige Strukturen spritzen sie molekulare Wirkstoffe in ihre Wirtszellen und überlisten so deren Immunabwehr. Forscher vom Göttinger Max-Planck-Institut (MPI) für biophysikalische Chemie haben in Zusammenarbeit mit Kollegen am Berliner MPI für Infektionsbiologie und der University of Washington in Seattle (USA) jetzt die Struktur einer solchen Nadel im atomaren Detail aufgeklärt. Ihre Erkenntnisse könnten dazu beitragen, Medikamente maßzuschneidern und Strategien zu entwickeln, die den Infektionsprozess gezielt verhindern. Es ist ein tückisches Werkzeug, das die Erreger von Pest oder Cholera so gefährlich macht. In Form hunderter winziger hohler Nadeln ragt es aus der Bakterienmembran heraus. Diese Miniatur-Spritzen bilden zusammen mit der in die Membran eingebetteten Basis das sogenannte Typ III-Sekretionssystem - einen Injektionsapparat, mit dem die Erreger molekulare Wirkstoffe in das Innere ihrer Wirtszellen einschleusen. Dort manipulieren die Substanzen wichtige Stoffwechselvorgänge und setzen die Immunabwehr der infizierten Zellen außer Gefecht - mit fatalen Folgen. Der Erreger kann sich nun ungehindert im Organismus ausbreiten. Einmal infiziert, helfen bislang traditionelle Antibiotika. Einzelnen Bakterienstämmen allerdings gelingt es immer wieder, Resistenzen zu bilden. Spezifischere Medikamente zu entwickeln ist daher ein wichtiges Ziel vieler Forschungsgruppen weltweit. Die genaue Struktur der 60 bis 80 Nanometer (millionstel Millimeter) langen und rund acht Nanometer breiten Nadeln blieb Forschern bislang verborgen. Klassische Methoden wie die Röntgenkristallographie oder die Elektronenmikroskopie versagten bisher oder ergaben falsche Modellstrukturen. Nicht kristallisierbar und unlösbar widersetzte sich die Nadel allen Versuchen, ihren atomaren Aufbau zu entschlüsseln. Ein Team von Physikern, Biologen und Chemikern um Adam Lange und Stefan Becker am MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen wählte daher einen völlig neuen Ansatz. In Kooperation mit David Baker an der University of Washington und Michael Kolbe am MPI für Infektionsbiologie stellten die Wissenschaftler die Nadel im Labor her und kombinierten Festkörper-NMR-Spektroskopie, Elektronenmikroskopie und Computermodellierung - mit Erfolg: Atom für Atom haben die Forscher die Struktur der Nadel aufgeklärt und ihren molekularen Aufbau erstmals im Ångström-Bereich sichtbar gemacht - das ist eine Auflösung von weniger als einem Zehntel eines millionstel Millimeters. Fortschritte auf mehreren Gebieten waren dafür nötig. "Methodisch sind wir einen großen Schritt vorangekommen, beim Herstellen der Proben ebenso wie bei der Festkörper-NMR-Spektroskopie", sagt Lange. ¿Nicht zuletzt konnten wir in der Abteilung NMR-basierte Strukturbiologie von Christian Griesinger an einem der derzeit leistungsfähigsten Festkörper-NMR-Spektrometer weltweit messen." Das Magnetfeld dieses 850 Megahertz-Spektrometers ist mit 20 Tesla rund 400 000-mal so stark wie das der Erde. ¿Der Bauplan der Nadeln barg für uns große Überraschungen", erzählt Lange. Die Nadeln von Erregern so unterschiedlicher Krankheiten wie Salmonellenvergiftung, Bakterienruhr oder Pest zeigen auffällige Gemeinsamkeiten - wie erwartet. Doch anders als bisher vermutet ist es der innere Teil der Nadeln, der bei den unterschiedlichen Erregern auffallend ähnlich aufgebaut ist. Die Oberfläche der Nadel dagegen ist erstaunlich variabel. ¿Diese Wandelbarkeit könnte eine Strategie der Bakterien sein, um der Immunabwehr des Wirts zu entkommen", meint Kolbe. Veränderungen auf der Nadeloberfläche könnten es dem Immunsystem des Wirts erschweren, den Erreger wiederzuerkennen. Der Injektionsapparat der Bakterien beschäftigt die Wissenschaftler Lange, Kolbe, Becker und ihre Max-Planck-Kollegen Christian Griesinger und Arturo Zychlinsky schon seit mehreren Jahren. Bereits 2010 hatten sie gemeinsam mit der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung herausgefunden, wie Bakterien ihre Miniatur-Spritzen zusammenbauen. Dass die Forscher nun auch ihren Bauplan im atomaren Detail kennen, ermöglicht nicht nur wichtige neue Einblicke, wie diese Erreger ihre Wirtszellen überlisten. Es eröffnet zugleich die Perspektive, den Aufbau der Spritze und das Einschleusen der bakteriellen Wirkstoffe in die Wirtszelle mit einem maßgeschneiderten Molekül zu blockieren. Solche Substanzen, Anti-Infektiva genannt, könnten spezifischer und zu einem viel früheren Zeitpunkt der Infektion wirken als traditionelle Antibiotika. "Unser neues Verfahren erlaubt es uns endlich, die Nadeln im Labor in größerer Menge herzustellen. Unser Ziel ist es nun, Hochdurchsatzverfahren zu entwickeln, um nach neuen Wirkstoffen zu suchen, die die Nadelbildung verhindern", erklärt Stefan Becker. (idw)
Vermindertes Schmerzempfinden durch mentale Ablenkung
(Mon, 21 May 2012 15:06:55)  Ablenkung kann das Schmerzempfinden schwächen - dieses Phänomen ist seit Langem bekannt. Wissenschaftler des Instituts für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) können jetzt durch eine Studie belegen, dass dies kein rein psychologischer Vorgang ist, sondern auf einem Mechanismus basiert, der bereits auf Rückenmarksniveau einsetzt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden im renommierten Wissenschaftsjournal "Current Biology" veröffentlicht. In einer experimentellen Studie führten gesunde Probanden zwei Schwierigkeitsstufen einer Gedächtnisaufgabe aus, während ihnen gleichzeitig schmerzhafte Hitzereize am Arm verabreicht wurden. Die einfache Stufe der Gedächtnisaufgabe führte zu keiner relevanten Ablenkung vom Schmerzempfinden, die schwierige Stufe hingegen bewirkte, dass die Versuchsteilnehmer von den Schmerzreizen deutlich abgelenkt waren. Sie erlebten den Schmerz somit in der Folge als schwächer. Beide Male wurde mit Hilfe der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT) gemessen, wie stark das Rückenmark durch die applizierten Schmerzreize aktiviert wurde. Das Ergebnis war verblüffend: Während der schwierigen Stufe der Gedächtnisaufgabe zeigte sich im zugehörigen Abschnitt des Rückenmarks eine signifikant geringere Aktivierung durch die Schmerzreize im Vergleich zu der leichten Stufe. "Dies lässt sich höchstwahrscheinlich dadurch erklären, dass das Gehirn während einer anspruchsvollen kognitiven Aufgabe ein System im Hirnstamm aktiviert, das schon auf Rückenmarksebene die dort eingehenden Schmerzsignale hemmt", erklärt der Leiter der Studie, Christian Sprenger vom Institut für Systemische Neurowissenschaften (ISN) am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE). ¿Das geringere Schmerzempfinden während einer Ablenkung ist somit kein rein psychologisches Phänomen, sondern basiert auf einem aktiven Mechanismus, der bereits auf der frühsten Stufe der zentralen Schmerzverarbeitung einsetzt." In einem zweiten Untersuchungsschritt konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Christian Büchel, Direktor des ISN, zeigen, dass dieser Mechanismus endogene Opioide als Überträgerstoff benutzt. So bewirkte die Applikation des Medikaments Naloxon, welches Opioidrezeptoren im Körper blockiert, eine Reduktion des zuvor beobachteten Effekts um etwa 40 Prozent. Die Ergebnisse der Studie zeigen auf, welch tiefgreifenden Einfluss kognitive Faktoren auf die Schmerzverarbeitung haben können, darüber hinaus könnten sie aber auch klinische Relevanz haben. Christian Sprenger: "Die Ergebnisse legen nahe, dass therapeutische Ansätze wie beispielsweise die kognitive Verhaltenstherapie auch das Potential haben könnten, bis auf die Rückenmarksebene zu wirken und dort schmerzverbundene Krankheitsprozesse zu beeinflussen." (idw)
Junge Radiologin erneut ausgezeichnet
(Fri, 18 May 2012 09:15:53)  Privat-Dozentin Dr. Ulrike Attenberger kann sich über eine weitere hochrangige Auszeichnung freuen: Im Rahmen des Röntgenkongresses, der vom 16. bis 19. Mai 2012 in Hamburg stattfindet, wird ihr von der Deutschen Röntgengesellschaft der mit 2.500 Euro dotierte Walter-Friedrich-Preis verliehen. Es ist ein weiterer Erfolg in der wissenschaftlichen Karriere der Oberärztin, die am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) ein eigenes Geschäftsfeld leitet. PD Dr. Attenberger, die im Alter von 31 Jahren habilitierte, ist in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn bereits mit einigen Preisen ausgezeichnet worden. Davon zeugte zuletzt ihre Aufnahme in das so genannte Fast Track Programm der Robert-Bosch-Stiftung, mit der diese ausgewählte exzellente Nachwuchswissenschaftlerinnen der Lebenswissenschaften fördert, um sie für ihren Weg zu Spitzenpositionen in Wissenschaft und Forschung fit zu machen. Den Walter-Friedrich-Preis verleiht die Deutsche Röntgengesellschaft an Radiologen, die nicht älter als 40 Jahre sind und herausragende wissenschaftliche Arbeiten in der Radiologie erbracht haben. PD Dr. Attenberger erhält die Auszeichnung für ihre Habilitationsschrift, die sie an der Medizinischen Fakultät Mannheim unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Schönberg, Ärztlicher Direktor des Instituts für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin, erstellt hat. Die junge Radiologin hatte in dieser ausgezeichneten Arbeit das Ziel, die Anwendungsmöglichkeiten der Magnetresonanztomographie (MRT) in der klinischen Routinediagnostik schwerkranker Patienten durch innovative Akquisitionstechniken zu erweitern, erfolgreich umgesetzt. PD Dr. Attenberger leitet das Geschäftsfeld "Präventive Bildgebung" am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin der UMM. Ziel ihrer Arbeiten ist es, hoch-sensitive und gleichzeitig schonende Verfahren zu entwickeln, mit denen Krankheiten so früh wie möglich erkannt und folglich effizienter therapiert werden können und die den Patienten dabei möglichst wenig belasten. Im Visier hat sie vor allem die so genannten Zivilisationserkrankungen der Gefäße und des Herzens, aber auch Krebserkrankungen und Erkrankungen des Bewegungsapparates. Bei der Diagnostik dieser Erkrankungen kommt insbesondere die Hochfeld-MRT zum Einsatz, die PD Dr. Attenberger für ihre speziellen Anforderungen im Team mit Medizinern und Physikern der Medizinischen Fakultät Mannheim optimiert. PD Dr. Attenberger ist die dritte Wissenschaftlerin der Medizinischen Fakultät Mannheim, die mit dem Walter-Friedrich-Preis ausgezeichnet wurde: Professor Dr. Henrik J. Michaely, Oberarzt und Leiter des Geschäftsfeldes "Abdominelle und Vaskuläre Bildgebung", ebenso wie PD Dr. Attenberger am Institut für Klinische Radiologie und Nuklearmedizin, erhielt den Preis im Jahr 2010, Professor Dr. rer. nat. Lothar R. Schad, Direktor des Instituts für Computerunterstützte Klinische Medizin, bereits 1995. (idw)
Mikroskop blickt in Zellen lebender Fische
(Wed, 16 May 2012 08:37:01)  Mikroskope liefern wertvolle Einsichten in Struktur und Dynamik von Zellen. Insbesondere, wenn diese in Ihrer natürlichen Umgebung verbleiben können. Gerade bei höheren Organismen ist dies jedoch sehr schwierig. Im Magazin Nature Methods stellen Forscher vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz und dem amerikanischen National Institutes of Health (NIH) nun eine neue Methode vor, mit der sie Zellstrukturen von einem Achtel Mikrometer Größe in lebenden Fischlarven sichtbar machen. (DOI:10.1038/nmeth.2025)"Der Zebrabärbling eignet sich sehr gut für genetische Studien an Zellen, denn seine Larven sind komplett durchsichtig", erklärt Marina Mione vom KIT. Um bestimmte Strukturen sichtbar zu machen, werden diese fluoreszierend eingefärbt, meist über gentechnische Methoden. In der aktuellen Studie interessierten Mione Teile des zellularen Skeletts der Fische, die so genannten Mikrotubuli. Die fadenförmigen Mikrotubuli haben eine länge von rund 100 Mikrometern und einen Durchmesser von circa 20 Nanometern, also dem hunderttausendstel eines Haares. "Mikrotubuli kommen überall in der Zelle vor und sind für ihre Teilung und Bewegung notwendig." Für das neue Mikroskopverfahren wird das Objekt nicht komplett ausgeleuchtet, sondern nur punktformig mit speziellem Licht. Dadurch wird Streulicht minimiert und das eine angeleuchtete Detail wird scharf abgebildet. Eine Serie von Bildern mit unterschiedlicher Beleuchtung wird schließlich von einem Computer zu einem Gesamtbild zusammengestellt. Durch geschicktes Ausleuchten wird es sogar möglich die Tiefenschärfe zu justieren, Bilder von verschiedenen Tiefenebenen zu machen und am Computer zu einem dreidimensionalen Bild zu verbinden. "Mittlerweile lassen sich so Auflösungen von 145 Nanometer in der Ebene und 400 Nanometern dazwischen verwirklichen", sagt Marina Mione. Die Aufnahmen werden innerhalb einiger Sekunden gemacht, so daß auch die Bewegung der Zellen zu keinen Unschärfen führt. "Vielmehr kann man über eine Serie von Aufnahmen auch Videos von der Bewegung der Mikrotubuli machen. Im Experiment wurde über einen Zeitraum von 60 Minuten beobachtet, wie sich etwa 45 Mikrometer unter der Haut des Fisches das Frühstadium des Seitenlinienorgans bildet, mit dem Fische im Wasser Bewegungsreize wahrnehmen können. Solche Aufnahmen am lebenden Organismus liefern wertvolle Erkenntnis über Entwicklung von Wirbeltieren auf zellularer Ebene. Der tropische Süßwasserfisch Zebrabärbling vereint eine Reihe von Vorteilen als genetischer Modellorganismus. Er ist klein genug um ihn problemlos zu züchten und groß genug, um einzelne Organe leicht zu unterscheiden, er hat einen kurzen Generationszyklus und produziert viele Nachkommen. Als Wirbeltier teilt er zahlreiche mikrobiologische Eigenschaften mit dem Menschen. (idw)
Was Meeresschnecken mit Insulin zu tun haben
(Mon, 14 May 2012 14:42:49)  Kegelschnecken sind im Meer lebende Raubtiere. Sie lauern am Grund des Meeres kleinen Fischen auf und injizieren ihrer Beute durch einen Rüssel einen Giftcocktail, der sie lähmt. Die Einzelbestandteile dieser Gifte, die sogenannten Conopeptide, sind bekannt für ihre außergewöhnlichen pharmakologischen Eigenschaften und ihr pharmazeutisches Potenzial. So wird mit Ziconotid (Prialt) bereits ein Conopeptid als Schmerzmittel eingesetzt und stellt eines der ersten Medikamente überhaupt dar, die aus einem marinen Organismus stammen. In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Kanada und den USA haben Forscherteams der Universitäten Kiel, Lübeck und Göttingen jetzt die Wirkungsweise einer Substanz aus dem Giftcocktail der Kegelschneckenart Conus striatus untersucht. Dabei konnten sie zeigen, dass ein bestimmtes Peptid (Conkunitzin-S1) die Freisetzung von Insulin in Zellen der Bauchspeicheldrüse verändern kann. Die Ergebnisse dieser Studie sind kürzlich im Wissenschaftsmagazin EMBO Molecular Medicine erschienen. "Dies könnte ein neuer Ansatz für die Behandlung von Typ-II Diabetes sein", sagt Professor Heinrich Terlau vom Physiologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und assoziiertes Mitglied im Exzellencluster "Ozean der Zukunft". "Substanzen, die standardmäßig für die Behandlung von Typ-II Diabetes eingesetzt werden, wirken zum Teil unabhängig vom Blutzuckergehalt", erklärt Terlau. Das könne zu einer Unterzuckerung, einer sogenannten Hypoglykämie, führen. "Das neuartige bei dieser Substanz ist, dass sie sehr spezifisch wirkt und aufgrund der Wirkungsweise die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen wie Unterzuckerung sehr gering ist", so Terlau weiter. Wenn durch die Nahrung Glukose aufgenommen wird, setzen die Zellen der Bauchspeicheldrüse Insulin frei und der Zucker im Blut wird wieder abgebaut. Bei Patientinnen und Patienten, die an Typ-II Diabetes erkrankt sind, ist dieser Mechanismus gestört und es kommt zu einer Überzuckerung des Blutes. Die neu entdeckte Substanz, das Conopeptid Conkunitzin-S1, bindet sich gezielt an einen bestimmten Kaliumkanal in den Zellen der Bauchspeicheldrüse und führt so zu einer kurzzeitig vermehrten Freisetzung von Insulin, allerdings nur dann, wenn der Zuckergehalt im Blut erhöht ist. In Versuchen mit oralen Glukose-Toleranz-Tests an Ratten haben die Forscherinnen und Forscher herausgefunden, dass die Gabe von Conkunitzin-S1 zu keiner Unterzuckerung führt. Es treten also nicht die typischen Nebenwirkungen mancher herkömmlicher Medikamente auf. "Zurzeit arbeiten wir daran, dass man das Peptid oral verabreichen kann ", ergänzt Terlau. (idw)
Schwachstelle eines gefährlichen Krankenhaus-Keims
(Wed, 09 May 2012 14:46:20)  Wenn es um gefährliche Antibiotika-resistente Erreger im Krankenhaus geht, taucht früher oder später der Name Staphylococcus aureus auf. Ein Angriffspunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe speziell gegen dieses Bakterium ist das Enzym FabI. Dessen Struktur haben Forscher des Würzburger Rudolf-Virchow-Zentrums eingehend charakterisiert - und Hinweise darauf gefunden, warum Staphylococcus aureus auf eine Hemmung dieses Enzyms anfälliger reagiert als andere Bakterienarten. Normalerweise ist Staphylococcus aureus ein harmloses Hautbakterium. Seit Jahren aber schon gibt es Stämme, die kaum noch auf vorhandene Antibiotika reagieren. Sie sind "multi-resistent" und unter der Abkürzung MRSA gefürchtet. Denn bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem können sie zu gefährlichen Blut- oder Lungenentzündungen führen. Neue Wirkstoffe speziell gegen Staphylococcus aureus haben deshalb in der pharmazeutischen Forschung einen hohen Stellenwert. Ein möglicher Angriffspunkt ist das Enzym FabI, das an der Herstellung von Fettsäuren für die bakterielle Zellhülle beteiligt ist. Forscher des Würzburger Rudolf-Virchow-Zentrums haben jetzt entdeckt, warum Staphylococcus aureus auf eine Hemmung dieses Enzyms anfälliger reagiert als andere Bakterienarten. Die Daten ihrer Röntgenstrukturanalyse zeigen, dass FabI bei Staphylococcus aureus deutlich anders aussieht als bei anderen Bakterienarten. "Das Enzym sah sehr flexibel aus", erinnert sich Johannes Schiebel, der den Großteil der Experimente für seine Doktorarbeit durchgeführt hat. Einige Windungen des Moleküls hatten offenbar ungewöhnlich viel Spielraum. Und ganze Teilstücke waren auf dem einen Bild aus- und auf dem nächsten eingeklappt - als wäre ein Bewegungsablauf in einzelnen Standbildern eingefangen. Schiebel recherchierte und fand Hinweise, dass Staphylococcus aureus - anders als die meisten anderen Bakterien - in seine Zellmembran mit Vorliebe verzweigte Fettsäuren einbaut. Schiebels Doktormutter Prof. Caroline Kisker erklärt den Zusammenhang: "Es liegt nahe, dass ein Enzym mehr Möglichkeiten braucht, sich anzupassen, um verzweigte Fettsäuren verarbeiten zu können - die sind einfach sperriger." Einen Verknüpfungspunkt fand Johannes Schiebel mit Hilfe von Kollegen im Labor von Peter Tonge an der Stony Brook University in New York. Die Amerikaner zeigten, dass das FabI-Enzym aus Staphylococcus aureus tatsächlich verzweigte Fettsäuren viel besser verarbeiten kann als die entsprechenden Enzyme aus anderen Bakterienarten. Verzweigte Fettsäuren kommen - im Gegensatz zu unverzweigten - im Blut von Säugetieren kaum vor. Und vorhandene Studien enthielten bereits Hinweise, dass sie entscheidend für das Überleben der Bakterien sein können, wenn diese nicht unter idealen Laborbedingungen gedeihen können, sondern sich zum Beispiel gegen Angriffe des Immunsystems wehren müssen. "Damit liefern wir zum ersten Mal eine Hypothese für den tieferen Grund, warum FabI für das Überleben von Staphylococcus aureus entscheidend ist", erklärt Schiebel, "und warum es Sinn macht, dass Pharmafirmen an Hemmstoffen gegen das Enzym arbeiten." Von dreien weiß der junge Grundlagenforscher, die gerade in klinischen Studien zum ersten Mal an Patienten getestet werden. Er hofft, dass die Hersteller dieser möglichen neuen Medikamente durch seine Ergebnisse stimuliert werden: "Das wäre für mich eine große Bestätigung." Die Arbeitsgruppe und ihre Kooperationspartner suchen derweil weiter nach den Hemmstoffen der übernächsten Generation, die FabI noch besser blockieren. (idw)
microRNA steuert Bösartigkeit und Resistenz von Brustkrebszellen
(Mon, 07 May 2012 07:50:28)  Resistenzen gegen Medikamente sind der Hauptgrund dafür, dass Brustkrebs bei vielen Patientinnen nicht wirksam bekämpft werden kann. Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist es nun gelungen, Tamoxifen-resistente Brustkrebszellen mit Hilfe eines winzigen RNA-Moleküls wieder empfindlich für das Medikament zu machen. Die RNA-Schnipsel unterdrücken die Bildung eines Proteins, das das Krebswachstum fördert. Hinweise darauf, dass sie auch klinisch eine Rolle spielen, fanden die Forscher in Gewebeproben von Brusttumoren. Viele Brustkrebspatientinnen erhalten das Medikament Tamoxifen. Der Wirkstoff blockiert die Wirkung des Östrogens und unterdrückt dadurch die Wachstumssignale des Hormons in den Krebszellen. Während der Entwicklung von Resistenzen gegen das Medikament schalten Tumorzellen auf ein anderes Wachstumsprogramm um: Sie verändern Verhalten und Gestalt, werden beweglicher und erlangen auch die Fähigkeit, in umgebende Gewebe einzudringen. Diese Veränderungen beobachteten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum um PD Dr. Stefan Wiemann auch an Tamoxifen-resistenten Brustkrebszellen. "Resistenzen gegen Medikamente sind bei vielen Krebserkrankungen der Hauptgrund dafür, dass Therapien versagen und die Krankheit fortschreitet", erklärt Wiemann. ¿Wir wollen verstehen, was dabei in den Zellen passiert, um in Zukunft bessere Therapien entwickeln zu können." Wiemanns Mitarbeiter Dr. Özgür Sahin vermutet, dass so genannte microRNAs bei der Resistenzentstehung eine Rolle spielen. "Diese winzigen RNA-Schnipsel steuern viele zelluläre Vorgänge, indem sie sich passgenau an bestimmte Genabschriften heften und so die Proteinproduktion blockieren." Durch regelmäßige Gabe von Tamoxifen machten die Wissenschaftler aus Sahins Team Brustkrebszellen in der Kulturschale resistent gegen das Medikament. Parallel zur Resistenzentstehung schalteten die Krebszellen auf das Entwicklungsprogramm um, das sie noch invasiver und bösartiger wachsen lässt. Beim Überprüfen des gesamten microRNA-Spektrums in den resistenten Krebszellen fiel dem Team auf, dass die Produktion der microRNA 375 besonders stark gedrosselt war. Kurbelten die Forscher die Produktion der microRNA 375 an, reagierten die Zellen wieder auf Tamoxifen und schalteten auch auf ihr normales Wachstumsprogramm zurück. "Das ist ein starker Hinweis dafür, dass Mangel an microRNA 375 sowohl die Bösartigkeit steigert als auch zur Resistenzentstehung beiträgt", sagt Özgür Sahin. Ist die Konzentration der microRNA 375 niedrig, steigern Brustkrebszellen die Produktion von Metadherin. Offenbar unterdrückt microRNA 375 in gesunden Zellen die Bildung dieses krebsfördernden Proteins. Die Forscher fanden bei Patientinnen unter Tamoxifen-Therapie, dass ein hoher Gehalt an Metadherin in den Krebszellen mit einem hohen Rückfallrisiko verbunden ist. Das deutet darauf hin, dass microRNA 375 und Metadherin eine Rolle bei der Entstehung einer Tamoxifen-Resistenz spielen. "Die Analyse der microRNAs bei Brustkrebs hat uns auf die Spur von Metadherin gebracht. Möglicherweise können wir in Zukunft die krebsfördernden Eigenschaften dieses Proteins zielgerichtet beeinflussen", schildert Wiemann das Ziel weiterer Forschung. (idw)
Qualität von Lebensmitteln schnell überprüft
(Fri, 04 May 2012 07:56:47)  Ob bei Obst, Fleisch oder Käse - die Qualität ist nicht immer so wie der Verbraucher es wünscht. Ein Spektrometer soll Kunden künftig verraten, wie es um die Güte von Lebensmitteln bestellt ist. Das Gerät ist nicht größer als ein Stück Würfelzucker, lässt sich günstig produzieren und könnte in Zukunft gar in Smartphones Platz finden. Ist die Ananas reif? Oder stellt man zuhause genervt fest, dass das gekaufte Exemplar weder süß noch saftig ist? Und wie steht es um die Qualität des Fleisches? Enthält es zu viel Wasser und wird beim Braten zäh? Beim Einkauf von Lebensmitteln muss der Kunde sich oft auf sein Glück verlassen. Das soll künftig ein Ende haben: Dann reicht es, ein Smartphone an das Produkt zu halten, die entsprechende App und die entsprechende Menüauswahl, zum Beispiel »Birne«, zu starten - und schon gibt das Gerät eine Empfehlung: Der Fruchtzuckergehalt dieser Birne ist hoch, grünes Licht für den Kauf. Grundlage dieser Anwendung ist ein Nahinfrarot-Spektrometer, das den Anteil von Wasser, Zucker, Stärke, Fett und Proteinen in den Produkten misst. Dabei »schaut« das System einige Zentimeter tief in das Lebensmittel hinein - so kann es etwa bei einem Apfel erkennen, ob das Kerngehäuse fault. Auch dünne Verpackungsfolien sind kein Hindernis. Doch wie funktioniert das Gerät? Es strahlt breitbandiges Licht auf die Probe, etwa ein Stück Fleisch. Je nach seiner Zusammensetzung reflektiert dieses das Licht verschiedener Wellenlängen im Nahinfrarot-Bereich unterschiedlich stark. Das Spektrum verrät den Forschern, wie viel von welchem Stoff in dem Lebensmittel enthalten ist. Kleiner als ein Stück WürfelzuckerDas Besondere an dem Spektrometer: Mit einem Volumen von nur 2,1 Kubikzentimeter ist es etwa 30 Prozent kleiner als ein Stück Würfelzucker - und somit deutlich kompakter als seine handelsüblichen Gegenstücke, die etwa die Abmessungen von zwei Päckchen Butter haben. Ein weiterer Vorteil: Die Geräte eignen sich für die Massenfertigung und lassen sich kostengünstig produzieren. »Wir erwarten, dass Spektrometer sich auf ähnliche Weise entwickeln wie Digitalkameras«, sagt Dr. Heinrich Grüger, verantwortlicher Geschäftsfeldleiter am Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden, wo das System entwickelt wird. »Die Kameras, die man vor zehn Jahren für 500 Euro kaufen konnte, können weniger als die, die man heute im Handy quasi umsonst dazu bekommt.« Üblicherweise werden Spektrometer aus einzelnen Bauelementen gefertigt: Spiegel, Spalte, Gitter und Detektor müssen Stück für Stück an die richtige Stelle gesetzt und zueinander justiert werden. Die Forscher am IPMS fertigen die einzelnen Gitter und optischen Spalte direkt auf Siliziumwafern. Doch damit nicht genug: Die dünnen Siliziumplatten sind so groß, dass Bauteile für mehrere hundert Spektrometer darauf passen - es können also hunderte Nahinfrarot-Systeme auf einen Schlag gefertigt werden. Die Wissenschaftler stapeln die Wafer mit den integrierten Bauteilen auf diejenigen, auf denen sich die optischen Komponenten befinden. Sie justieren und fixieren die Wafer und isolieren sie dann zu einzelnen Spektrometern. Die Forscher müssen also nicht jedes Bauteil ausrichten, sondern lediglich die jeweiligen Substratverbünde. Ein weiterer Vorteil dieser MEMS-Technologie, kurz für Micro Electro Mechanical Systems: Die so produzierten Geräte sind wesentlich robuster als ihre handgefertigten Gegenstücke. Auf der Messe Sensor+Test vom 22. bis 24. Mai in Nürnberg stellen die Wissenschaftler einen Prototyp des Spektrometers vor (Halle 12, Stand 202). In etwa drei bis fünf Jahren könnte das Gerät auf den Markt kommen. In einem weiteren Schritt arbeiten die Forscher an der passenden Infrastruktur. »Wir entwickeln intelligente Algorithmen, die die aufgenommenen Spektren sofort analysieren, mit Vorgaben vergleichen und dem Kunden dann eine Kaufempfehlung oder -ablehnung geben. Diese Aussage bezieht sich jedoch lediglich auf die Qualität des Produktes wie Reife oder Wassergehalt. Einen mikrobiologischen und toxikologischen Befund dagegen kann das System nicht liefern.« Die Anwendungen des Spektrometers beschränken sich nicht auf den Lebensmittelbereich: So erkennt es beispielsweise Plagiate, kann also nachweisen, ob es sich um ebenso hochwertige Materialien handelt wie beim Original oder um minderwertigere Ware. Auch kann es beim Auto nachlackierte Stellen enttarnen oder die Inhalte von Medikamenten und Pflegecremes überprüfen. (idw)
Neues Autismus-Gen charakterisiert: Verhaltensauffälligkeiten und synaptische Fehlregulation
(Wed, 02 May 2012 07:10:04)  Störungen an synaptischen Kontaktstellen im zentralen Nervensystem werden vermehrt für die Entwicklung von Erkrankungen aus dem autistischen Formenkreis verantwortlich gemacht. Darauf deuten nun auch Versuche an genetisch veränderten Mäusen hin, denen das synaptische Protein ProSAP1/Shank2 fehlt. Unregelmäßigkeiten an der so genannten glutamatergen Synapse spielen offenbar eine Schlüsselrolle. Diese Erkenntnis könnte ein wichtiger Baustein für eine künftige Autismus-Therapie sein. Eine internationale Gruppe um die Ulmer Forscher Professor Tobias Böckers und Dr. Michael Schmeißer hat eine entsprechende Studie vorab auf der Webseite des hochrenommierten Journals"Nature" veröffentlicht. An dem Fachbeitrag "Autistic-like behaviours and hyperactivity in mice lacking ProSAP1/Shank2" sind Wissenschaftler verschiedener bedeutender Einrichtungen wie dem Pariser Institut Pasteur und der Berliner Charité-Universitätsmedizin beteiligt. Unter dem Begriff "Autismus" werden verschiedene neuronale Entwicklungsstörungen zusammengefasst, die sich durch soziale und kommunikative Verhaltensauffälligkeiten sowie stereotype Handlungen äußern. Bekanntlich kommunizieren Nervenzellen per Signalübertragung an Kontaktstellen (Synapsen) miteinander. Diese Kommunikation wird durch Gerüstproteine wie ProSAP1/Shank2 stabilisiert, die so einen Beitrag zum Funktionsgefüge erregender Synapsen leisten. Um die Rolle von ProSAP1/Shank2 an der Synapse und letztlich bei der Entstehung von Autismus zu verstehen, haben die Forscher Mäuse genetisch modifiziert und ProSAP1/Shank2 ausgeschaltet. Die Wahl dieses Proteins ist nicht ganz zufällig: Im Vorfeld der aktuellen Studie hatten einige der beteiligten Wissenschaftler gezeigt, dass Mutationen im ProSAP1/Shank2 Gen beim Menschen zu Autismus führen können. Auch im Mausmodell hat das Fehlen von ProSAP1/Shank2 sichtbare Auswirkungen: Tiere mit der Gen-Mutation sind hyperaktiv und zeigen sich immer wiederholende Handlungen - etwa bei der Fellpflege. In Verhaltensexperimenten werden zudem Auffälligkeiten in der sozialen und kommunikativen Interaktion deutlich. Auch in den Gehirnen der Mäuse fanden die Forscher Änderungen: "Die Dichte dendritischer Dornen, an denen die vorgeschalteten Nervenzellen synaptische Kontakte bilden, ist wesentlich geringer als beim Wildtyp. Elektrophysiologische Messungen zeigen eine auffällig veränderte Signalübertragung", sagt Tobias Böckers, Direktor des Ulmer Instituts für Anatomie und Zellbiologie. Ist ProSAP1/Shank2 ausgeschaltet, wird das verwandte Gerüstprotein ProSAP2/Shank3 vermehrt an der Synapse gebildet. Diese Substitution haben die Forscher anhand der genetisch veränderten Tiere nachgewiesen. Gleichzeitig beschreiben sie eine Zunahme so genannter ionotroper Glutamatrezeptoren. Glutamat ist ein erregender Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Als wohl wichtigstes Ergebnis untermauert der aktuelle Fachbeitrag die bedeutende Rolle des glutamatergen Systems bei Autismus: "Die molekulare Proteinzusammensetzung an glutamatergen Synapsen ist in verschiedenen Hirnregionen unterschiedlich stark gestört. Das Ausmaß der Unregelmäßigkeiten hängt auch vom Entwicklungsstand der Tiere ab", erläutert Michael Schmeißer. Bei den genetisch modifizierten Mäusen liege anscheinend ein molekularer Reifungsdefekt der Synapse vor. Eines Tages könnte die "Reparatur" dieses Defekts eventuell Grundlage einer Autismus-Therapie sein. Eine weitere wichtige Erkenntnis beruht auf dem Vergleich der genetisch modifizierten Tiere mit einer zweiten Gruppe Mäuse, denen ProSAP2/Shank3 fehlt. Dieses Protein wird ebenfalls mit Autismus assoziiert. Offenbar erfüllen ProSAP1/Shank2 und ProSAP2/Shank3 an erregenden Synapsen verschiedene, in Wechselwirkung stehende Funktionen. Das gilt vor allem im Zusammenhang mit dem glutamatergen System. "Die unterschiedlichen Funktionen der Proteine sollten künftig weiter untersucht und gegebenenfalls bei der Entwicklung einer individualisierten Autismus-Behandlung berücksichtigt werden", so Tobias Böckers. Es gelte, wirksame Therapien auf die zugrunde liegende synaptische Störung abzustimmen. Die Forscher vom Institut für Anatomie und Zellbiologie sind bei der aktuellen Studie insbesondere von der International Graduate School in Molecular Medicine Ulm, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und von der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm unterstützt worden. Besonders mit den ebenfalls am Fachbeitrag beteiligten Wissenschaftlern um Professor Thomas Bourgeron vom Pariser Institut Pasteur, Professor Dietmar Schmitz (Charité-Universitätsmedizin, Berlin) und Professor Eckart Gundelfinger vom Leibniz-Institut für Neurobiologie, Magdeburg, unterhalten die Ulmer seit Jahren einen fruchtbaren wissenschaftlichen Austausch. (idw)
Hautkrebs-Screening kann Hautkrebssterblichkeit deutlich senken
(Fri, 27 Apr 2012 08:42:48)  Deutsch-amerikanische Studie veröffentlicht: Schleswig-Holstein hat sich vom Bundesland mit der höchsten zu dem mit der niedrigsten Melanom-Sterblichkeit entwickeltForscher der Universität zu Lübeck und des Dermatologischen Zentrums Buxtehude berichten gemeinsam mit amerikanischen Kollegen in der renommierten internationalen Zeitschrift CANCER über die Entwicklung der Hautkrebssterblichkeit in Schleswig-Holstein. "Mit der Durchführung des Modellprojekts zum Hautkrebs-Screenings hat sich die Sterblichkeit am Melanom in Schleswig-Holstein halbiert", erklärt der Epidemiologe Prof. Dr. Alexander Katalinic, Universität zu Lübeck. "Damit hat sich Schleswig-Holstein vom Bundesland mit der höchsten zum Bundesland mit der niedrigsten Hautkrebssterblichkeit entwickelt". In ihrer Studie untersuchte die Forschergruppe aus Lübeck, Buxtehude, Boston (USA) und Rhode Island (USA) die zeitliche Entwicklung der Hautkrebssterblichkeit (Melanom / schwarzer Hautkrebs) in Schleswig-Holstein und verglich diese mit den direkt an Schleswig-Holstein angrenzenden Ländern und mit dem übrigen Deutschland. Während in den angrenzenden Regionen und in Deutschland insgesamt nur eine gleichbleibende Tendenz der Melanom-Sterblichkeit festgestellt werden konnte, kam es in Schleswig-Holstein seit Ende 2000 zu einem kontinuierlichen Rückgang. In einem zweiten Schritt wurden mögliche Gründe für den beobachteten Unterschied zwischen den Regionen untersucht wie zum Beispiel unterschiedliche Behandlungsformen oder Präventionsstrategien. "Einziger Faktor, der Schleswig-Holstein von den angrenzenden Regionen unterschied, war das Hautkrebs-Screening, das wir seit 1998 in Schleswig-Holstein im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen entwickelt haben", erklärt der Dermatologe Prof. Dr. Eckhard Breitbart, Dermatologisches Zentrum Buxtehude, ¿Damit konnte weltweit erstmals gezeigt werden, dass ein Hautkrebs-Screening die Sterblichkeit des malignen Melanoms nachhaltig senken kann." Seit 1998 wurde in Schleswig-Holstein das Programm zur Früherkennung von Hautkrebs vorbereitet. In dem einjährigen Modellprojekt 2003/04 nahmen über 360.000 Personen teil. Damit handelt es sich um das weltweit größte Modellprojekt zum Hautkrebs-Screening. Nachdem erste Analysen und Veröffentlichungen bereits gezeigt hatten, dass durch das Hautkrebs-Screening vermehrt Tumoren in einem prognostisch günstigen Stadium gefunden werden, zeigt die jetzige Untersuchung erstmals einen positiven Einfluss auf die Hautkrebssterblichkeit. Das Hautkrebs-Screening wurde im Jahr 2008 deutschlandweit einführt. "Ab dem 35. Lebensjahr besteht jetzt in ganz Deutschland alle zwei Jahre Anspruch auf eine Ganzkörperuntersuchung bei Allgemeinmedizinern und Dermatologen", so Prof. Dr. Breitbart. ¿Wir hoffen, dass bei guter Teilnahme in einigen Jahren die Hautkrebssterblichkeit auch in ganz Deutschland abnimmt". (idw)
IfL-Karte zeigt Borreliose-Risiko im deutschlandweiten Vergleich
(Thu, 26 Apr 2012 12:19:27)  In Deutschland erkranken in jedem Jahr etwa 100.000 Menschen an der durch Zeckenstiche übertragenen Lyme-Borreliose. Am größten ist das Infektionsrisiko in Brandenburg, Sachsen und Bayern. In den Ballungsräumen an Rhein und Ruhr tritt die Krankheit deutlich seltener auf. Das zeigt eine jetzt vom Leibniz-Institut für Länderkunde veröffentlichte Karte auf der Grundlage von Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Lyme-Borreliose, benannt nach einem Ort im US-Bundesstaat Connecticut, kann zu chronischen Entzündungen des Nervensystems, des Herzmuskels und der Gelenke führen. Die Krankheit verläuft nur sehr selten tödlich, verursacht aber hohe Kosten für das Gesundheitssystem. Allein im dritten Jahresquartal der Jahre 2007 bis 2009 wurden im Schnitt gut 300.000 Behandlungsfälle abgerechnet. Die Zahl der jährlichen kassenärztlichen Abrechnungsfälle in Deutschland liegt inzwischen bei einer Million. Das ergaben aktuelle Auswertungen des Umweltmediziners und Geographen Prof. Dr. Thomas Kistemann vom Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn. Die Ergebnisse seiner Studie sind jetzt auf "Nationalatlas aktuell" (http://aktuell.nationalatlas.de) nachzulesen. Die vom Leibniz-Institut für Länderkunde erstellte Karte verdeutlicht die regional unterschiedliche Verbreitung der Erkrankung in Deutschland. Danach nimmt ihre Häufigkeit von Norden nach Süden zu, gleichzeitig zeichnet sich ein deutliches Ost-West-Gefälle ab. Die höchsten Behandlungsraten finden sich in Brandenburg, Sachsen und Bayern entlang der Grenzen zu Polen und Tschechien. Hier weist die Statistik teilweise über tausend abgerechnete Behandlungen je 100.000 Einwohner im dritten Jahresquartal aus. Wesentlich niedriger ist die Zahl der Erkrankungen dagegen in den Großstädten: Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borellien, einem spiralförmigen Bakterium, ist hier etwa um den Faktor zehn geringer. Der Grund: Zecken halten sich bevorzugt im Übergangsbereich zwischen Wald und Wiese auf, einem Lebensraum, der sich in den letzten Jahrzehnten durch die fortschreitende Zersiedelung der Landschaft, aber auch durch Brachen und Sturmschäden deutlich ausgeweitet hat. Kistemann rechnet wie die meisten Experten mit einer Zunahme der Infektionen mit Lyme-Borreliose und steigenden Kosten für das Gesundheitssystem in den nächsten zehn Jahren. Klimaveränderungen gelten als eine der Ursachen für die Ausbreitung der Krankheit. So begünstigen beispielsweise milde Winter die Dichte und Aktivität der Zeckenpopulation. Der vollständige Artikel ist auf "Nationalatlas aktuell¿ unter http://aktuell.nationalatlas.de abrufbar. In der Online-Zeitschrift veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Kartenbeiträge zu Ereignissen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum Download bereit. (idw)
Ungeahntes Reservoir von Viren
(Wed, 25 Apr 2012 11:36:29)  Den wahrscheinlichen Ursprung gleich mehrerer Infektionserreger machten nun internationale Forscher unter Federführung der Universität Bonn ausfindig. Paramyxoviren kommen in Fledermäusen vor, von denen sich die Erreger auf den Menschen und andere Säugetiere ausgebreitet haben. In der weltweit einzigartigen Studie wurden 9278 Tiere auf Viren getestet. Eine enorme Zahl neuer Virusarten wurde dabei entdeckt. Die Ausrottung vieler gefährlicher Krankheiten könnte schwieriger sein als bislang angenommen. Die Fledermäuse bilden nämlich ein Reservoir, aus dem Viren nach Impfkampagnen zurückkommen können. Die Ergebnisse sind nun in der aktuellen Ausgabe von "Nature Communications" veröffentlicht. Woher kommen für Menschen gefährliche Viren - und wie haben sie sich im Lauf ihrer Evolution entwickelt? Wissenschaftler um Prof. Dr. Christian Drosten, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, sind bei der Beantwortung dieser Frage einen entscheidenden Schritt vorangekommen. "Wir wussten bereits von vorherigen Arbeiten, dass Fledermäuse und Nager als Träger von Paramyxoviren eine Rolle spielen", sagt Prof. Drosten. Die vielfältigen Mitglieder dieser großen Virusfamilie verursachen beim Menschen etwa Masern, Mumps, Lungenentzündungen und Erkältungskrankheiten. Die hochgefährlichen Hendra- und Nipahviren führen zu Gehirnhautentzündungen, an denen jeder zweite infizierte Mensch stirbt. Auch in der Tiermedizin spielen Paramyxoviren eine wichtige Rolle, beispielsweise als Erreger der Hundestaupe oder der Rinderpest. Mit Hilfe zahlreicher wissenschaftlicher Institute in Deutschland und auf der ganzen Welt untersuchten sie insgesamt 9278 Tiere aus Europa, Südamerika und Asien. Darunter befanden sich 86 Fledermaus- und 33 Nagerarten. ¿Diese Tiere leben in sehr großen Sozialverbänden mit zum Teil Millionen Exemplaren", berichtet der Bonner Virologe. ¿Der enge Kontakt begünstigt die Ansteckung untereinander und sorgt für eine große Vielfalt an zirkulierenden Viren." Mit molekularbiologischen Methoden identifizierten die Wissenschaftler, welche Virenarten sich in den Fledermäusen und Nagetieren tummeln. Nach eigenen Schätzungen entdeckten sie mehr als 60 neue Paramyxovirusarten. ¿Das sind etwa noch einmal so viele wie bislang bekannt waren", sagt Drosten. Mit bioinformatischen Methoden berechneten die Forscher einen gemeinsamen Stammbaum der neuen und bekannten Viren. Dann leiteten sie durch mathematische Verfahren daraus ab, in welchen Wirtstieren sich die Viren im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte mit höchster Wahrscheinlichkeit eingenistet haben. "Unsere Analyse zeigt, dass die Urahnen der heutigen Paramyxoviren fast alle in Fledermäusen existiert haben", sagt Prof. Drosten. "Wie bei der Influenza, wo wir die Vögel als Quelle neuer Pandemieviren im Auge haben, müssen wir nun die Viren der Fledermäuse untersuchen, ob sie für den Menschen gefährlich sind." Die aktuellen Daten können also für die Früherkennung und Vorbeugung von Epidemien nützlich sein - ein großes neues Ziel in der Virusforschung. Zu den Befunden zählt auch, dass die Hendra- und Nipahviren, die in Asien und Australien Hirnhautentzündungen hervorrufen, in Wirklichkeit aus Afrika stammen. ¿Hieraus ergibt sich die dringende Notwendigkeit, medizinische Studien in Afrika durchzuführen", sagt der Bonner Virologe. Viele Krankheitsfälle auf diesem Kontinent blieben ungeklärt und seien unter Umständen auf solche neuartigen Viren zurückzuführen. In einem Fall fanden die Wissenschaftler bereits Belege dafür, dass Fledermausviren direkt auf den Menschen übergehen. ¿Unsere Daten zeigen, dass das menschliche Mumps-Virus direkt von Fledermäusen stammt - und auch bis heute dort vertreten ist", berichtet Prof. Drosten. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich gefährliche Viren nicht so leicht ausrotten lassen wie bislang angenommen. Denn um einen Erreger dauerhaft durch Impfungen aus der Bevölkerung zu entfernen, darf es keine Wirte im Tierreich geben, aus denen heraus es zu einer Neuinfektion kommen kann. "In den Fledermäusen vermuten wir ein umfangreiches Reservoir solcher Erreger", sagt der Virologe. "Wenn nach Ausrottung von Viren die Impfprogramme gestoppt werden, lauert hier eine potenziell große Gefahr - vielleicht müssen wir neu nachdenken." Drosten plädiert deshalb für eine Berücksichtigung ökologischer Daten bei der Planung von Impfprogrammen. Eine Ausrottung von Fledermäusen oder anderen Wildtieren wäre weder möglich noch sinnvoll. "Fledermäuse und andere wild lebende Kleinsäugetiere sind von unschätzbarem Wert für die Ökosysteme unseres Planeten", so die einhellige Meinung von Drosten und seinen Kollegen. (idw)  
Rheuma in der Pubertät: "Transition-Camp" bietet Austausch und Unterstützung für Teenager und junge Erwachsene
(Mon, 23 Apr 2012 13:41:32)  Rund 20 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an Rheuma. Damit tritt die Erkrankung in dieser Altersgruppe ebenso häufig auf wie Diabetes oder Krebs. Besondere Aufmerksamkeit benötigen jugendliche Rheumapatienten. Denn in der Pubertät beschäftigen sich viele nur ungern mit ihrer chronischen Erkrankung und fallen dann leicht durch das Versorgungsnetz - oftmals mit schwerwiegenden, gesundheitlichen Folgen. Um dies zu verhindern, fördert die Kinder-Rheumahilfe München e.V. ein "Transition-Camp": Während dieses dreitägigen Treffens können sich betroffene Teenager über ihre Erfahrung mit der Krankheit austauschen und erhalten Beratung zu wichtigen Themen ihres Alltags. Das "Transition-Camp" für rheumakranke Jugendliche und junge Erwachsene findet vom 27. bis 29. April 2012 in Eriskirch am Bodensee statt. Rheumatische Erkrankungen verlaufen oftmals chronisch. Während und nach der Pubertät steht neben der persönlichen, privaten und beruflichen Orientierung für betroffene Kinder auch der Übergang von der kinderärztlichen Versorgung in die Erwachsenenmedizin an - die sogenannte Transition. "Gerade in dieser Zeit kommt es immer wieder zu Unterbrechungen der notwendigen Behandlung - mit der Folge, dass die Erkrankung dann oft schwerer verläuft", so Dr. Susanne Schalm, Rheumatologin am Dr. von Haunerschen Kinderspital am Klinikum der Universität München und zweite Vorsitzende der Kinder-Rheumahilfe München. In der Phase des Erwachsenwerdens müssen sich Jugendliche mit zahlreichen Veränderungen auseinandersetzen. Die eigene chronische Erkrankung möchten viele in dieser Zeit am liebsten ignorieren. "Zudem bringt eine rheumatische Erkrankung oft Einschränkungen mit sich: Der Ausschluss von zahlreichen Aktivitäten mit Gleichaltrigen wegen körperlicher Einschränkungen, unerfüllbare Berufswünsche oder etwa ein begrenzter Alkoholkonsum aufgrund der Dauermedikation", erklärt Schalm. "Dies zu akzeptieren und sich außerdem eigenverantwortlich um die Fortführung der Behandlung zu kümmern, ist viel verlangt, aber notwendig." Deshalb unterstützt die Kinder-Rheumahilfe München betroffene Teenager gezielt in dieser Phase: Beim dritten internationalen "Transition-Camp" am Bodensee haben 20 junge Patienten aus Deutschland und der Schweiz die Gelegenheit, andere Betroffene in ihrem Alter zu treffen, sich auszutauschen und zu vernetzen. In Workshops beraten Experten die Teenager in Fragen zu Medikamenten und Therapien, aber auch zu Themen wie Ausbildung, Studium, Beruf, Sport, Liebe und Sexualität - und darin, wie diese sich mit einer Rheuma-Erkrankung vereinbaren lassen. Eine Kommunikationstrainerin übt mit den Betroffenen schwierige Gesprächssituationen. Auch gemeinsame sportliche Aktivitäten stehen auf dem Programm - etwa das Erlernen von Selbstverteidigungstechniken. Das "Transition-Camp" kann 2012 mit Hilfe einer gemeinsamen finanziellen Förderung durch verschiedene Pharmaunternehmen, die Kinder-Rheumastiftung und die Kinder-Rheumahilfe München realisiert werden. Die Ausgestaltung übernehmen mehrere Kinder- und Erwachsenenrheumatologen sowie Mitarbeiter rheumatologischer Kliniken. Verantwortlich für Programm und Organisation sind Dr. med. Susanne Schalm vom Dr. von Haunerschen Kinderspital am Klinikum der Universität München sowie Dr. med. Johannes Mattar, Rheumapraxis Überlingen. Der gemeinnützige Verein Kinder-Rheumahilfe München e.V. organisiert lokale Beratungs- und Freizeitprogramme für Kinder und Jugendliche mit rheumatischen Erkrankungen. Patienten in und um München sollen kurzfristig ambulante Vorstellungstermine erhalten oder mithilfe des Vereins an die richtige Adresse vermittelt werden. Die Vernetzung der regional tätigen Kinder- und Jugendrheumatologen untereinander ist dabei ein erster Schritt. Der Verein will über Kinderrheuma aufklären und Angehörige, Ärzte, die Bevölkerung und auch Politiker für das Thema sensibilisieren. "Weil die Krankheit und ihre vielschichtigen Symptome wenig bekannt sind, durchlaufen viele Kinder einen langen Leidensweg, bis die richtige Diagnose gestellt wird", so Privatdozentin Dr. med. Annette Jansson, Vorsitzende der Kinder-Rheumahilfe München. "Zudem stehen einerseits zu wenige Kinderrheuma-Experten, aber auch zu wenige Mittel zur Verfügung, um eine gute Versorgung der jungen Patienten zu gewährleisten. Hier möchten wir gegensteuern." Die Kinder-Rheumahilfe München e.V. wurde im August 2011 von Rheumatologen des Dr. von Haunerschen Kinderspitals am Klinikum der Universität München gegründet. Um Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche mit Rheuma bestmöglich zu unterstützen, ist die gemeinnützige Organisation auf Spenden angewiesen: Salzburg München Bank AG, BLZ: 701 206 00, Konto-Nr.: 3100022222. Helfen Sie mit! Weitere Informationen erhalten Sie unter http://www.kinder-rheumahilfe-muenchen.de
Besser hören dank Lasertechnik
(Mon, 23 Apr 2012 13:27:23)  Das Laser Zentrum Hannover e.V.(LZH) entwickelt innovative Technologien zum schonenden Einsetzen und exakten Anpassen von Cochlea-Implantaten in das Innenohr, sowie zur Steigerung der Qualität des Resthörens. Das Laser Zentrum Hannover e.V.(LZH) entwickelt innovative Technologien zum schonenden Einsetzen und exakten Anpassen von Cochlea-Implantaten in das Innenohr, sowie zur Steigerung der Qualität des Resthörens. Aktuelle Ergebnisse sind vom 23. bis 27. April am Stand des Forschungsinstituts auf der Hannover Messe 2012 zu sehen.Etwa 95 Prozent aller tauben oder hochgradig schwerhörigen Menschen verfügen über einen ausreichend intakten Hörnerv, um ihr Hörvermögen zumindest teilweise wiedererlangen zu können. Ein wichtiges Hilfsmittel dafür stellt das so genannte Cochlea-Implantat (CI) dar, eine elektronische Hörprothese, die die Funktion zerstörter Haarsinneszellen im Innenohr übernimmt. Sie besteht aus dem Implantat, das unter der Haut in den Knochen hinter dem Ohr eingesetzt wird, dem in die Gehörschnecke (Cochlea) einzuführenden Elektrodenträger sowie einem meist hinter dem Ohr getragenen Teil mit Mikrofon und Sprachprozessor. Das Funktionsprinzip kann man sich vereinfacht so vorstellen: Trifft Schall auf das Mikrofon, wird er in eine Abfolge elektrischer Impulse übersetzt und über die im Innenohr liegende Elektrode an den Hörnerv weitergeleitet. Die dünne, mit Haarsinneszellen besetzte Basilarmembran des Innenohres bewahrt nur im unversehrten Zustand die Chance auf einen optimalen Höreindruck. Eine zu starke Beschädigung der empfindlichen Membran kann sogar zum gänzlichen Verlust des Resthörvermögens führen. Daher erfordert das Einsetzen der Elektrode höchste Genauigkeit. Die Gruppe Oberflächentechnik am LZH verfolgt derzeit einen Ansatz, der die Operation vereinfachen und das Einpassen der Elektrode an die komplizierte Form der Cochlea verbessern soll. Um dies zu erreichen, verwenden die Forscher bei der Herstellung von CI-Elektroden Nickel-Titan-Formgedächtnislegierungen (NiTi-FGL) und machen sich deren besonderen Eigenschaften zunutze. Über Zuführung von Wärme oder elektrischer Energie kann sich dieser Werkstoff nämlich an eine vorab aufgeprägte Form quasi ¿erinnern" und ermöglicht ein gezieltes Bewegen und Anpassen der Elektrode. So will man einerseits die NiTi-FGL im Laserschmelzverfahren zu einem individuell an den Patienten angepassten CI-Elektrodenträger verarbeiten. Andererseits sollen die besonderen Eigenschaften des Materials helfen, die Elektrode ohne schädigenden Kontakt mit der Basilarmembran einzusetzen. Grundsätzlich gilt: je tiefer das künstliche Material in die Gehörschnecke gelangt und je besser es sich an das Gewebe anschmiegt, umso exakter wird sich der Höreindruck ausbilden. Am Laser Zentrum Hannover geht man noch einen zweiten Weg, um die Eigenschaften von Cochlea-Implantaten zu optimieren: Die Gruppe Lasermikrobearbeitung hat sich zum Ziel gesetzt, die Funktionalität der CI durch eine gezielte Strukturierung der Oberfläche zu verbessern. "Die Oberfläche eines konventionellen Cochlea-Implantats wird nicht speziell behandelt - ein enormes Potential das bisher ungenutzt blieb! Denn wie wir aus der Natur wissen, haben biologische Oberflächen wie z.B. bei einem Lotusblatt oder auch die Haifischhaut definierte Strukturen, die für bestimmte Funktionen verantwortlich sind", erläutert Wissenschaftlerin Elena Fadeeva. Mit Hilfe eines Femtosekundenlasers wird daher die Platin-Elektrode gezielt bearbeitet. So entsteht eine nanostrukturierte und deshalb stark vergrößerte, sehr raue Oberfläche, die das Anhaften von Bindegewebe um die Elektroden reduziert und dadurch eine bessere Wechselwirkung mit neuronalen Zellen ermöglicht. Gleichzeitig wird durch Nanostrukturierung der frequenzabhängige elektrische Widerstand verringert, so dass weniger Energie verbraucht wird. Die besonderen Herausforderungen dieser Entwicklungsaufgabe liegen im Detail. Die Strukturen müssen am fertigen Implantat mit nur 300 µm Durchmesser und dazu auf einer gekrümmten Oberfläche aufgebracht werden. Derzeit wird am LZH eine Vorrichtung entwickelt, die eine derart komplexe Bearbeitung auf kleinstem Raum ermöglicht. Cochlea Implantate werden insbesondere den Menschen empfohlen, die trotz bester herkömmlicher Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverstehen mehr erzielen. Über 200.000 Menschen weltweit profitieren bereits von diesen 'künstlichen Innenohren'. Etwa die Hälfte der erwachsenen CI-Träger kann nach einem Training mit der Hörhilfe z.B. wieder telefonieren. Bei kurzfristig Ertaubten und Kindern sind die Erfolge sogar deutlich größer. Die aktuellen Arbeiten am LZH zum Cochlea-Implantat sind sowohl in das vom BMBF geförderten Projekt Gentle CI, als auch in das interdisziplinäre Sonderforschungsprogramm 599 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingebettet. Kooperationspartner ist u.a. die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) mit dem weltweit größten Cochlea Implantat-Programm zur Versorgung hochgradig schwerhöriger Patienten. (idw)
Genauere Diagnose der Alzheimer Erkrankung durch nuklearmedizinische Verfahren
(Fri, 20 Apr 2012 06:59:38)  Zunehmende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten haben in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland und anderen westlichen Industrienationen zu einer Umkehr der so genannten Alterspyramide geführt. Dementsprechend nimmt auch die Anzahl von Patienten mit Erkrankungen des hohen Lebensalters wie beispielsweise Demenzen beständig zu. Ursachen und Mechanismus der Alzheimer Erkrankung sind derzeit noch nicht vollständig geklärt. Mittels nuklearmedizinischer, bildgebender Diagnoseverfahren besteht aber nun die Chance, die diagnostischen Möglichkeiten zur Früh- und Frühsterkennung der Alzheimer Erkrankung deutlich zu verbessern. Entsprechend einer Veröffentlichung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft aus dem Jahr 2010 leben in Deutschland derzeit 1,2 Millionen Demenzpatienten. Zwei Drittel von ihnen leiden an der Alzheimer-Erkrankung. Jährlich werden 300.000 neue Erkrankungsfälle diagnostiziert. Wenn dieser Prozess ungehindert fortschreitet, werden in Jahr 2050 allein in Deutschland ca. 2,6 Millionen Demenzkranke leben. Weltweit ist in diesem Zeitraum ein Anstieg der Erkrankten von derzeit 36 Millionen auf 115 Millionen zu erwarten. Die Früherkennung dieser Erkrankung sowie die Entdeckung von geeigneten Behandlungsmethoden sind aus diesem Grund zu einem wichtigen Forschungsgebiet geworden. Hierbei ist die Entwicklung sensitiver und spezifischer Marker, z.B. radioaktiv markierter Substanzen zur Darstellung krankheitstypischer Veränderungen im Gehirn, von besonderer Bedeutung. Eine krankheitstypische Veränderung, die bei der Alzheimer Erkrankung im Hirngewebe der Patienten nachgewiesen werden kann, ist die Ablagerung spezieller Eiweiße, so genannter Beta-Amyloid-Plaques. Die Ablagerung dieses nicht-löslichen Beta-Amyloids im Gehirn beginnt mindestens zehn Jahre vor der Entwicklung von Symptomen wie Gedächtnisstörungen. Mittels der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) - einem nuklearmedizinischen, bildgebenden Diagnoseverfahren - ist es grundsätzlich möglich, Beta-Amyloid im Hirn bildlich darzustellen. Als Marker kommen hierfür mehrere chemisch sehr ähnliche Substanzen in Frage, die in der Forschung untersucht werden. In den vergangenen Jahren hat eine Leipziger Forschungsgruppe um Prof. Dr. Osama Sabri und Prof. Dr. Henryk Barthel klinische Studien zu Florbetaben, eine dieser Substanzen, durchgeführt. Mittlerweile ist die Forschungsgruppe zu dem Ergebnis gekommen, dass die Beta-Amyloid-Ablagerungen mit hoher Sicherheit mittels Florbetaben nachgewiesen werden können - ein entscheidender Schritt zu mehr diagnostischer Sicherheit bei der Alzheimer Erkrankung. Da die Ablagerung von Beta-Amyloid bereits vor der Entwicklung von ersten Symptomen im Gehirn beginnt, besteht mittels Florbetaben nun die Möglichkeit, die Alzheimer Erkrankung frühzeitig und wahrscheinlich vor Symptombeginn zu erkennen. Des Weiteren ist Florbetaben auch ein geeignetes Instrument, um die Alzheimer Erkrankung von anderen Demenzformen abzugrenzen, die Patienten für in Entwicklung befindliche Therapieformen auszuwählen und den Erfolg der Therapie später zu kontrollieren. Mittels Florbetaben und ähnlichen Substanzen können aber ausschließlich die unlöslichen Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn dargestellt werden. Die Darstellung dieser Ablagerungen kann zwar zur Frühdiagnostik eingesetzt werden, ermöglicht aber nicht den frühest möglichen Nachweis von Krankheitsprozessen, die in Zusammenhang mit der Alzheimer Erkrankung stehen. Inzwischen ist bekannt, dass die bisher nicht gut darstellbaren, löslichen Vorstufen dieser Ablagerungen im Gehirn die Nervenzellen aber in einem weitaus größeren Umfang schädigen. Sie führen zu einer Veränderung spezieller Strukturen im Hirn, den so genannten nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren. Bei Alzheimer-Patienten sind eine geringere Anzahl dieser Rezeptoren im Hirn vorhanden als bei nicht erkrankten, älteren Menschen. Bisher gelang die bildliche Darstellung dieser Rezeptoren nur mit sehr zeitaufwendigen Messungen. Der Leipziger Forschungsgruppe ist es nun gelungen, mit Flubatine einen neuen und einfacher handhabbareren Marker zu finden, der die nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren sichtbar macht. Die Dauer der Aufnahme verkürzt sich durch ihn auf nur noch 20 Minuten. Zudem ermöglicht er eine bessere Bildqualität. Durch die Darstellung der Beta-Amyloid-Ablagerungen und nikotinischen Acetylcholin-Rezeptoren mittels PET können die diagnostischen Möglichkeiten zur Früh- und Frühst-Erkennung der Alzheimer Erkrankung deutlich verbessert werden. Zudem tragen die neuen PET-Methoden dazu bei, die Mechanismen der Erkrankung besser zu verstehen. Sie können darüber hinaus später im Rahmen von Studien, die sich mit der Behandlung der Erkrankung beschäftigen, zur Kontrolle der Therapie eingesetzt werden. Die Alzheimer Erkrankung bildet ein Schwerpunktthema auf der 50. Jahrestagung NuklearMedizin 2012 der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V. Diese findet vom 25. bis 28. April auf dem Gelände der Messe Bremen statt. In bewährter Weise bietet die Kombination aus Kongress, für den international renommierte Referenten gewonnen werden konnten, einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung. Damit zählt die NuklearMedizin 2012 zu den international bedeutendsten und größten Tagungen für Nuklearmedizin. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer - Mediziner, Naturwissenschaftler, medizinisch-technisches Personal und auch Pflegekräfte - erwartet. (idw)  
Radiologen und Herz-Mediziner wollen Einsatz von CT und MRT optimieren
(Thu, 19 Apr 2012 14:15:04)  Deutsche Herz-Mediziner und Radiologen wollen mit ihren neuen "Konsensusempfehlungen zum Einsatz der Herzbildgebung mit Computertomografie und Magnetresonanztomografie" die Anwendung der CT und der MRT zur Darstellung des Herzens optimieren. Wegen der technischen Entwicklungen, der komplexen Anatomie und vor allem wegen der ständigen und schnellen Bewegung des Herzens sind MRT und CT des Herzens technisch besonders anspruchsvoll. "Für Nicht-Spezialisten ist es deshalb schwierig zu entscheiden, für welche klinischen Fragestellungen die CT oder die MRT ein geeignetes Untersuchungsverfahren darstellen", so Prof. Dr. Stephan Achenbach (Universitätsklinikum Gießen und Marburg), Prof. Dr. Holger Thiele (Universität Leipzig - Herzzentrum) und Prof. Dr. Roman Fischbach (Asklepios Klinik Hamburg-Altona). Die Leitlinie von Radiologen und Kardiologen wurde auf der Jahrestagung der Kardiologie erstmalig einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Die neuen Konsensusempfehlungen geben Ärzten erstmals eine umfassende und detaillierte Auskunft darüber, für welche Patienten und in welchen Situationen die CT und die MRT des Herzens nutzbringend eingesetzt werden können. Das Papier fasst die Anwendungsgebiete der beiden bildgebenden Verfahren zusammen und bewertet jeweils, ob die CT und die MRT zur Beantwortung einer speziellen Frage geeignet sind, ob sie ein Verfahren der ersten Wahl darstellen oder nur eingesetzt werden sollten, wenn andere bildgebende Verfahren zu keiner eindeutigen Diagnose führen - oder ob sie für diese spezielle Fragestellung keinen sinnvollen Beitrag liefern können. Knapp 400 Verweise auf Studien verdeutlichen den wissenschaftlichen Hintergrund der jeweiligen Aussage. Die CT erlaubt eine besonders hoch aufgelöste Darstellung des Herzens. Von wesentlicher Bedeutung ist, dass sie als einziges nichtinvasives Verfahren die Darstellung der Herzkranzgefäße in ausreichender Qualität gestattet. Dies kann bei ausgewählten Patienten von diagnostischem Nutzen sein und korrekt angewendet hilft die CT, invasive Herzkatheteruntersuchungen zu vermeiden. Weitere spezielle Vorteile sind die besonders exakte Analyse von Verkalkungen und metallischen Implantaten im Herzen. Nachteil der CT ist der Einsatz von Röntgenstrahlen. Außerdem muss für viele Anwendungen ein intravenöses Kontrastmittel verabreicht werden. Die MRT erlaubt die exakte Analyse der Morphologie (Form, Aussehen) und Funktion des Herzens und nach pharmakologischer Belastung auch der Durchblutung des Herzmuskels. Auch der Blutfluss im Herzen kann sehr zuverlässig quantifiziert werden und nach Kontrastmittelgabe lassen sich durch das sogenannte "Late Enhancement" Infarktareale und andere Veränderungen der Herzmuskulatur genau darstellen. Funktionelle und morphologische Ergebnisse erlauben prognostische Voraussagen, die zu einer Verminderung von Wiederholungs- und invasiven Untersuchungen beitragen. Die Struktur der Empfehlung unterscheidet sich von den bisherigen deutsch- und englischsprachigen Publikationen zu diesem Thema. Die aktuelle Konsensusempfehlung orientiert sich nicht an den Bildgebungsmethoden, sondern gliedert sich nach den großen Krankheitsgruppen. Behandelt werden die koronare Herzerkrankung, Kardiomyopathien (Erkrankungen des Herzmuskels), Herzrhythmusstörungen, Herzklappenfehler, Perikarderkrankungen (Erkrankungen des Herzbeutels), erworbene und strukturelle Veränderungen sowie angeborene Herzfehler. (RöFo 4/2012)  
35 Jahre lang Wegbegleiterin in ein Leben mit Dialyse und Spenderniere
(Wed, 18 Apr 2012 12:55:33)  Dass heute in ganz Deutschland chronisch nierenkranke sowie transplantierte Kinder und Jugendliche umfangreiche psychosoziale Unterstützung erhalten - sei es psychologische Betreuung, Beratung der Familie oder Hilfe zur Bewältigung des Alltags - ist zu großen Teilen das Verdienst von Evelyn Reichwald-Klugger. Für ihre Lebensleistung ist die 60-jährige Psychologin am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg im März 2012 von der Kinderhilfe Organtransplantation mit dem Helmut Werner-Preis 2011 ausgezeichnet worden. Das Preisgeld von 5.000 Euro spendete sie dem Elternverein "Nierenkranke Kinder und Jugendliche e.V. Heidelberg", der damit die diesjährige Freizeit für junge Nieren-Patienten der Region finanziert. Die Kinderhilfe Organtransplantation (KiO) ist eine Initiative des Vereins "Sportler für Organspende". Die Auszeichnung erinnert an den früheren Mercedes-Chef Helmut Werner. "Evelyn Reichwald-Klugger ist zweifelsohne eine Pionierin der psychosozialen Betreuung chronisch nierenkranker Kinder- und Jugendlicher", betonte Diplom-Psychologe Dirk Bethe, langjähriger Kollege am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, bei seiner Laudatio. "Wir gratulieren Evelyn Reichwald-Klugger ganz herzlich zu dieser besonderen Auszeichnung für ihren herausragenden Einsatz für die jungen Patienten und ihre Familien", sagt Professor Dr. Georg Hoffmann, Geschäftsführender Direktor des Zentrums. Im Mai 2012 wird sie nach 35-jährigem Einsatz am Universitätsklinikum Heidelberg in den Ruhestand verabschiedet. Jährlich sind in Deutschland etwa 150 Kinder und Jugendliche von endgültigem Nierenversagen betroffen. Die lebensbedrohliche und unheilbare Erkrankung bestimmt den Alltag der ganzen Familie. Für die Patienten bringt sie häufige schmerzhafte Behandlungen, ggf. dreimal wöchentlich Dialyse, Klinikaufenthalte und strenge medizinische Auflagen wie Diätvorgaben oder Medikamentenpläne mit sich. Darunter leiden nicht nur Schule und Ausbildung, sondern auch Freundschaften und Familienbande. Die enormen seelischen Belastungen für Patienten und Familien kann die medizinische Versorgung allein nicht abfangen. Als Evelyn Reichwald-Klugger 1976 an der Universitäts-Kinderklinik anfing, sieben Jahre nachdem in Heidelberg das erste Kind eine Spenderniere erhalten hatte und zwei Jahre nach Eröffnung des Kinderdialysezentrums, steckte die psychosoziale Betreuung der Familien noch in den Kinderschuhen. "Es gab zwar vereinzelt erste Stellen für Psychologen, aber noch keine Erfahrungen auf diesem Gebiet", erinnert sich Evelyn Reichwald-Klugger. Von Anfang an engagierte sie sich dafür, dieses neue Teilgebiet innerhalb der Kindernephrologie zu stärken und auszubauen - nicht nur in Heidelberg, sondern deutschlandweit. Gemeinsam mit Kollegen aus Heidelberg und Münster entwickelte sie im Rahmen eines von der VW-Stiftung geförderten Projekts von 1979 bis 1982 ein bis heute wegweisendes Konzept mit Ratschlägen für die psychosoziale Begleitung der Familien. Gleichzeitig entstanden umfangreiche Informationsmaterialien speziell für Kinder, die Themen wie Nierenerkrankungen, Dialyse und Transplantation altersgerecht erklären. Doch was nützt ein Behandlungskonzept ohne Therapeuten, die es umsetzen? Da es bis dato nur an den Universitätskliniken Heidelberg, Münster und Hannover Psychologen für die Betreuung nierenkranker Kinder gab, engagierte sich Reichwald-Klugger 1987 mit finanzieller Unterstützung des damaligen Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung in einem weiteren Modellprojekt. An fünf deutschen Kinder-Nierenzentren wurden psychosoziale Stellen eingerichtet und deren Nutzen für die betroffenen Familien in Heidelberg ausgewertet. Mit Erfolg: Die psychosoziale Betreuung wurde in die Regelversorgung übernommen und ist heute fester Bestandteil der Therapie in allen inzwischen 18 kindernephrologischen Zentren in Deutschland. Schon während dieser Projektzeit bot das Heidelberger Team Fortbildungen für die neu entstandene Fachgruppe an, es entwickelte sich eine enge bundesweite Zusammenarbeit mit jährlichen Fachsymposien und multizentrischen Studien. "Diese Zusammenarbeit hat sich gut entwickelt, inzwischen werden die Symposien eigenständig von den gastgebenden Kinderzentren ausgerichtet", freut sich Reichwald-Klugger. Von 1998 bis 2006 leitete die Preisträgerin zudem die "Europäische Arbeitsgruppe zu psychosozialen Aspekten bei chronisch nierenkranken Kindern (EWOPA)", die sie auch heute noch im Vorstand begleitet. Mitglieder sind u.a. Psychologen, Ärzte, Therapeuten, Diätassistenten, Pfleger, Sozialarbeiter, Lehrer und Geistliche aus ganz Europa. Im Zentrum ihrer Arbeit stand jedoch der tägliche Einsatz für ihre "Nierenkinder" und deren Familien. Seit 1987 leitete sie das psychosoziale Team der Universitäts-Kinderklinik bestehend aus Psychologen, Heilpädagogen und Sozialarbeitern. "Sie begegnet den Menschen mit viel Wertschätzung und Empathie, seien es Patienten, Eltern oder Kollegen", so Dirk Bethe. So war und ist es für sie selbstverständlich, die Selbsthilfeaktivitäten der Patienten aktiv zu begleiten und zu unterstützen, vor allem im regionalen Elternverein. Besonders am Herzen liegt ihr die alljährliche, unter ihrer Leitung vom Kinderklinikteam durchgeführte Ferienfreizeit für dialysepflichtige und nierentransplantierte Kinder und Jugendliche. "Die Kinder werden dort rundum versorgt und von ihrem Handicap abgelenkt. Anders als in der Schule sind sie unter anderen betroffenen Kindern keine Außenseiter", beschreibt Reichwald-Klugger. "Zudem entlastet es die Familien." (idw)
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