| Typ/Viewer: RSS/ RSS-Reader | Aktualisiert: 10.02.2012 | Aufrufe: 650 |
Kategorie: Gesellschaft > Allgemeines
Egal ob Strom, Wasser, Handy oder Internetprovider: Wer Ärger mit Rechnungen, Mahnungen oder einfach nur eine neue Bankverbindung hat, landet wie Heerscharen von Hilfe suchenden Kunden in den Warteschleifen der Call Center - am anderen Ende die Avantgarde studentischer SAP Benutzer...
Einer von Ihnen beichtet in „CallCenter! Agenten im Dienste des Kunden“ die Sünden seiner Zunft in harten und doch zarten Worten...
Nachrichten aus dem RSS-Feed: CallCenter!Agenten im Dienste des Kunden
Schulung...Sat, 29 Jul 2006 10:44:19 +0200
Ich hatte formlos per Telefonat von meiner Anstellung erfahren; die dazugehörige Post war offenbar unbekannt verschickt worden. Zwei Wochen Schulung in Kleingruppen wurden angesetzt, mit anschließendem Sprung ins kalte Wasser der Telefonie. Meine paritätisch zugesetzte Kleingruppe bestand aus sechs Personen, von denen ich später genau die Hälfte Kollegen nennen würde. So trafen wir uns dann an einem Montagmorgen im hübsch klimatisiertem Konferenzraum in dem bereits der unvermeidliche Laptop samt Beamer für das unsäglich Folgende bereitgestellt waren.
Die Inhalte der folgenden Powerpointpräsentation waren ein Musterbeispiel für die oft verdrängte Problematik der Simplifizierung komplexer Zusammenhänge durch das Programm von den Ufern des Styx. Das Fragwürdige ist schnell auf die Punkt gebracht: Das Material wird Teletubbieisiert (wenn ich mir diese Wortschöpfung [..]
Wie aus Kling!Kling! Kring!Kring! wird...Thu, 27 Jul 2006 13:20:37 +0200
Als die Vorleserin geendet hatte fielen die Sorgen vor lauter Verblüffung von mir ab. War dies die befürchtete Logikfalle? Hatte die Praktikantin möglicherweise den falschen Text kopiert? Oder sollte bewusst der intellektuelle Widerspruch beschworen werden, dessen Entrüstung bei einer derartigen Abiturienten-Beleidigung mehr als verständlich gewesen wäre? Aber statt Aufruhr atmete auch ich pure Erleichterung. Eifrig wie alle füllte ich genau eine A4 und stellte mit Entsetzen fest, dass Dank des fortgeschrittenen Computerzeitalters, das wohl größte Hindernis für die Anstellungnicht der Test sondern meine Handschrift sein würde. Wer mag schon hinter Gekritzel den ruhigen, strukturierten Geist vermuten, den das harte Business benötigt?
Allerdings: Auch dieser Anfall von Unsicherheit sollte ohne Folgen bleiben, denn wer befürchtet sein Werk hinterher vomRotstift [..]
Universelle LogikFri, 14 Jul 2006 09:53:55 +0200
So war der Andrang beim Assessment Center des Call Centers um das es hier gehen soll auch signifikant groß. Trotz ausdauernder Zeitungsannoncen schien der Bewerberstrom nicht abzureißen, so dass man es auch in dieser Runde auf etwa 25 Teilnehmer brachte. Zu vergeben waren eine unbekannte Menge Jobs im Inbound Projekt eines namhaften Energieversorgers mit dem fantastischen Stundenlohn von 8,25? Brutto. - Klang auch in der Zeitung schon gut, was aber auch bedeutete, daß neben dem Standardtypus ?Student sucht Job? auch andere Kaliber aufliefen.Während also der Beamer vor sich hin summt, sich die Strategen einen guten Platz im namenlosen Konferenzraum suchen und zwischen den Adepten die ersten, leisen Gespräche beginnen, werde ich als ungewollt von einem Call-Center-Hobber in Kurzform über seine einschlägigen Erfahrungen aufgeklärt ? und das bevor ich meinen Mantel ausziehen konnte. [..]
Gut oder Böse?Wed, 12 Jul 2006 13:32:22 +0200
Wie einstmals politische Splittergruppen (aus denen man sich gegenseitig wieder ausschließen konnte) schießen die Dienstleister aus dem Bogen und gieren, ganz im Trend der Globalisierung nach flexiblen, innovativen, dynamischen, belastbaren und fröhlichen Qualitätsfreunden ? gutes Aussehen erwünscht, aber kein muss. (Klingt nach genau den Eigenschaften die mancher Nachbar im BWL-Seminar wie ein Mantra vor sich hinbetet; natürlich nicht um zu bitten, nur zur Demonstration.) Stand 2005 bieten ca. 5600 Call Center ihren etwa 350.000 Beschäftigten befristete Arbeitsverträge auf Stunden- oder Provisionsbasis bei flexibler Zeiteinteilung ? der Traumjob für jeden ernstzunehmenden Studenten. Zumal der Vielzahl der Dienstleister eine weitaus größere Zahl an Dienstleistungen gegenübersteht. Erstmal ist dabei jedoch zwischen Gut und Böse, oder im Fachjargon: Outbound und Inbound zu [..]
In and suddenly BoundTue, 11 Jul 2006 06:58:21 +0200
Das klassische Bild des Studenten aus den alten Tagen von Revolutionsrhetorik und Talar-Ausverkauf hat inzwischen nichts mehr mit der Realität zu tun. - Sicherlich treiben sich zwischen Instituten und BWL-uniformierten Bacheloranwärtern noch ein paar ewig gestrige Avantgardisten vom Typ zur-Schau-gestelltes-Arbeiterkind herum, aber ganz offensichtlich ist die Zeit, in der man reich an Zitaten, aber arm an pekuniären Mitteln war vorbei. Auch möchte niemand mehr sich mehr mit Hirseeintopf ?Burikano Faso?, Dritte-Welt-Gericht des Monats aus der Volx-Küche den Magen verderben; insbesondere wenn Studiengebühren vor der Tür stehen. Wenn man also keine reichen Eltern hat und/oder aber eine Aversion gegen die BAföG-Bürokratie hegt, bleibt nur: arbeiten. Und Dank des technischen Fortschritts sowie ungeheurer Akkumulationsprozesse in der Weltwirtschaft haben sich attraktive [..]
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