Blog für Wissenschaftskommunikation



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Typ/Viewer: RSS/ RSS-Reader Aufgenommen: 13.07.2006 Aufrufe: 198

Kategorie: Forschung, Wissenschaft & Entwicklung > Wissenschaft
SciBlog beschäftigt sich mit Wissenschaftskommunikation in Österreich.
Nachrichten aus dem RSS-Feed: Blog für Wissenschaftskommunikation
TVE1, El Negro und ich
Dieser Eintrag ist natürlich in erster Linie der eigenen Eitelkeit geschuldet. Auch die Kollegen im fernen Österreich mögen wissen, dass ich es – ganz ohne eigenes Zutun – in die spanischen Hauptnachrichten „Telediario“ geschafft habe. Zwar nur mit einem Satz in schlechtem Spanisch, aber immerhin.
In zweiter Linie war es interessant, mal auf der anderen Seite zu stehen, Interviewter statt Interviewer zu sein. Die Journalistin machte einen Beitrag über die Ausstellung menschlicher Überreste (Skelette etc.) in Museen. Aufhänger war der zumindest hierzulande notorische „Negro de Banyoles“, der ausgestopft und mit Speer fast das gesamte 20. Jahrhundert hindurch in einem katalanischen Museum ausgestellt war, bevor der Skandal endlich nicht mehr tragbar war und er im Jahr 2000 endlich bestattet wurde.
Googelt man „Negro de Banyoles“ gibt es auch einen Link zu meiner Wenigkeit. Und schon hatte mich die Journalistin an der Strippe. Interviewen lässt man sich vom Fernsehen natürlich gerne, dass von einer halben Stunde Filmaufnahmen nur ein paar Sekunden ausgestrahlt werden – geschenkt. Die Aufregung im Familienkreise war groß und etwas eigenartig war es dann schon, sich selbst zu sehen. Aber, das habe ich gelernt, so ganz anders recherchieren und arbeiten die Kollegen Journalisten hier in Spanien auch nicht.
Medinjournalismuswatch auf Deutsch
Gary Schwitzer hängt seine Professur für Gesundheitsjournalismus an den Nagel, um sich bis auf weiteres ganz seiner Website HealthNewsReview zu widmen. Diese nimmt Berichte der US-Medien zu Gesundheit und Medizin auseinander, bis mitunter wenig übrig bleibt. Holger Wormer berichtete vorige Woche bei der EBM-Tagung in Salzburg, dass er 60 000 Euro aufgestellt hat, um eine deutsche Version von HealthNewsReview aufzuziehen. An der genauen Umsetzung wie wohl auch Ausschreibung einer Stelle wird am Lehrstuhl für Wissenschaftsjournalismus in Dortmund noch gefeilt. Hier im Sciblog wurde kritisiert, dass Schwitzer die Medienberichte nach vor allem wissenschaftlichen Kriterien bewertet und journalistische Kriterien zu kurz kommen. Das will Wormer besser oder zumindest für die deutsche Szene passender machen. Schließlich können es viele Journalisten nicht ab, wenn ihre Arbeit durchleuchtet wird, so dass ein durch Systematik faires, nicht auf Konfrontation ausgelegtes Vorgehen am ehesten Lerneffekte verspricht.
Der Ö1-Radiodoktor plagiierte ungeniert...
...zitiert und verlinkt aber in Zwischenzeit. Siehe Kommentar weiter unten (erfreulicher Nachtrag vom 1. März, der Rest des Eintrags stammt noch vom 26. Februar:)

So gut Ö1 als Sender sein mag, so schlecht funktioniert seine Homepage: Man kennt sich nicht aus, wo was ist, es gibt keine inhaltlichen Hierarchien, keine Orientierungshilfen, Kraut und Rüben herrschen vor. Mängel im Konzept setzen sich bis in die unterste Textebene fort, wo es zumindest auf den Seiten des Ö1-Radiodoktors zu seltsamen Kooperationen kommt und dann niemand für die Artikel verantwortlich sein will.
Was nicht weiter wundert, weil die Texte mitunter vollständig durch copy & paste enstanden sind, ohne das mit einem Wort auszuweisen, wie Karin Steiner dem sciblog meldete.

Die Geschäftsführerin des Forschungsinstituts abif war bei einer Internetrecherche zum Thema Arbeitslosigkeit und Gesundheit zufällig auf eine Artikelserie zu diesem Thema gestoßen, die im Rahmen der Sendung "Radiodoktor" für die Ö1 Webseite verfasst wurde. abif und das AMS Österreich hatten bereits 2007 eine Publikation zu diesem Thema herausgegeben, und Steiner fielen sofort Parallelen dazu auf. Nach genauerer Prüfung musste sie feststellen, dass alle Texte dieser Serie aus dem "Praxishandbuch: Betriebliche und arbeitsmarktintegrative Gesundheitsförderung" 1:1 übernommen wurden und zwar ohne dieses zu zitieren.

Steiner weiter: "Da das Copyright für die Publikation lt. Impressum beim Forschungsinstitut abif liegt, müsste bei abif sogar um Erlaubnis für den Abdruck der Texte angesucht werden." Doch nicht einmal bei den angeführten Links wird das Handbuch erwähnt.
Womit wir ein un/schönes Beispiel mehr hätten für den Zustand des Medizinjournalismus in Österreich ganz allgemein und der ORF-Gesundheitsberichterstattung im Speziellen.

Link zur Publikation von abif: http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/PH_Gesundheit.pdf
Link zur Serie von Ö1: http://oe1.orf.at/libero/134911.html
Brauchbarer Blog-Überblick
Arnd Zickgraf hat für den Wissenschaftskanal von Telepolis, dem Netzmagazin von Heise, einen brauchbaren Überblick über die deutschsprachige Wissenschafts-Bloggerszene verfasst, pars pro toto halt.
Wie man sieht: Die Dinge entwickeln sich.
Zum lesenswerten Text geht es da: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31880/1.html
Was ein bisschen sehr kurz kommt, nämlich gar nicht: die Frage der Ökonomie bzw. des Geschäftsmodells.
microblogging in der wissenschaft
Microblogging-Dienste wie Twitter werden zunehmend auch für die Wissenschaft interessant. Ein neues derartiges Service richtet sich nun erstmals direkt an die Forschergemeinde und möchte sie "in die Web-2.0-Zeit führen". Schrieb science.orf.at Mitte Februar und meinte damit die Plattform sciencefeed.com

Das Email-Interview mit dem sciencefeed-gründer Ijad Madisch ist lesenswert. Über die Plattform selbst kann ich noch nix sagen, muss sie mal ausprobieren.... wer hier probiert sie aus und kann was dazu sagen? Ich bin gespannt.

Link zum Beitrag auf science.orf.at: Microblogging für die Forschung, 15.2.2010
#scienceconfessions
Derzeit gestehen auf twitter reihenweise WissenschaftlerInnen ihre kleinen und großen Scherze, das ganze unter dem hashtag #scienceconfessions. Wer die 140Zeichen-Geständnisse mitlesen will: einfach auf twitter im Suchfeld #scienceconfessions eingeben und sich freuen...

...zb:
I once ran 20 volts through my tongue as a bet.
I swear in my lab book. No one will ever read it.
I use my cup for days w/out clean
I routinely clean our coffee pot and my coffee cup with lab chemicals
I opened a cage & had a rabbit launch at my face & then escape. I had diagonal line scratches forehead 2 chin.
Once when I suspected lazy lab members were secretly stealing my chemical reagents, I purposely mislabeled them.
...

Ein sehr sehr realistischer Einblick in das Laborleben, wie ich meine :-)
"Keinesfalls mehr als 1200 Euro"
Jaja, die Blogs und das liebe Geld, man kennt das Problem. Lässt sich damit je Geld verdienen? Wie könnten Geschäftsmodelle aussehen?
Andreas Unterberger, Ex-Chefredakteur der Presse und der Wiener Zeitung, der seit einigen Monaten das rechts-konservative Blogger-Sprachrohr macht, ist so frei und appelliert an die "Freunde seines Tagebuchs" zu spenden. Ab 120 Euro jährlich ist man als echter Partner dabei und darf auch zwei Mal im Jahr Themen vorgeben.
Alles Weitere gibt es für präsumptive Unterberger-PartnerInnen da:
http://www.andreas-unterberger.at/appell-an-die-freunde-des-tagebuchs/ (Aber "keinesfalls mehr als 1200 Euro spenden").
einer hält noch dagegen!
bei der letztwöchigen SciCo-podiumsdiskussion zum thema "risikokommunikation" meldete sich ein mann aus dem publikum zu wort und schwärmte von der tollen zusammenarbeit von exekutive und medien bei der fußball-wm 2006. dadurch war es effektiv gelungen, berichte über ausschreitungen zu unterbinden.
kein raunen ging durch die menge und auch auf dem podium schaute niemand indigniert oder widersprach gar der idee von den medien als fünfter kolonne der staatsmacht.
vielleicht lag es ja daran, dass nur wenige journalisten vorort und die prler in der überzahl waren, aber zur sicherheit sei auf einen aktuellen beitrag jakob augsteins verwiesen, der an die eigentlichen aufgaben des journalismus erinnert.
Gesundung der Gesundheitsberichterstattung
Die Wissenschaft befasst sich wieder einmal damit, wie wir unseren Job als MedizinjournalistInnen besser erledigen könnten: Unter dem Titel "Developing guidelines for better reporting of health research" gibt es in PLoS Medicine einen Artikel, in dem wieder einmal Richtlinien zur Gesundheitsberichterstattung vorgestellt werden. Der Rest ist aus der Presseaussendung zitiert:
The authors of the paper have been key in the development of many of the most important health research guidelines published over the past few years, including the CONSORT guidelines for clinical trials and the PRISMA guidelines for systematic reviews.
The accurate reporting of a study is key to the understanding of the importance of the study. Before the development of CONSORT, for example, there was no consensus on what must be reported in order for a reader to accurately assess the validity of a trial. Hence, even such important items such as method of randomization and the primary outcome of the trial were routinely left out, leading to studies being reported in a misleading fashion.
The authors of this report are part of a larger group of experts who have for many years been advocating for, and producing guidelines aimed at the improvement of reporting of health research. The importance of these guidelines is now increasingly recognized by the wider research community, and, moreover, they are increasingly required by journals. In addition to individual guidelines this group has also spearheaded the development of an overarching network, the EQUATOR Network, which contains most of the currently developed guidelines - http://www.equator-network.org/. This paper represents a further effort to promote better reporting" As the authors note "If reporting guidelines are to be useful and more widely disseminated, they need to be developed using robust and widely accepted methodologies.
###
Funding: No specific funding was received to write this piece. DGA is supported by Cancer Research UK, DM by a University of Ottawa Research Chair, and KFS by Family Health International.
Competing Interests:Competing interests: DM, KFS, IS, and DGA are members of the EQUATOR Network. DM, KFS, and DGA are members of the CONSORT executive. DM and DGA are members of the PRISMA executive. DM is on the Editorial Board of PLoS Medicine.
Citation: Moher D, Schulz KF, Simera I, Altman DG (2010) Guidance for Developers of Health Research Reporting Guidelines. PLoS Med 7(2): e1000217.doi:10.1371/journal.pmed.1000217.
IN YOUR COVERAGE PLEASE USE THIS URL TO PROVIDE ACCESS TO THE FREELY AVAILABLE PAPER: http://www.plosmedicine.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pmed.1000217
Die besten deutschen KollegInnen
Im Gegensatz zu Österreich, wo WissenschaftsjournalistInnen von Branchenblättern nach wie vor nicht für wert befunden werden, eine eigene Kategorie zu bilden, wählt man immerhin in Deutschland die besten der FachkollegInnen. Da geht tendenziell Pop ein bisschen vor Qualität, und seltsamerweise hat es Herr Lesch trotzdem nicht ins Ranking geschafft. Und auch noch auffällig: gleich zwei Blogger sind unter den Top 10 gelandet. Ah, das Ranking gibt es übrigens da:
http://www.mediummagazin.de/jdj2009/05-kategorie-wissenschaft/
WissenschaftlerInnen-Speed-Dating
Man kann ja wirklich nicht behaupten, die Wissenschafts-PRlerInnen wären nicht kreativ. Der jüngste Streich/Schrei: Speed-Dating mit WissenschaftlerInnen. Konkret am 23. Februar 2010 im MQ Wien/Tanzquartier, Studio 2, von 14:30 bis 17:00 Uhr. Der Plan: acht ExpertInnen treffen ca. eine Stunde lang mit insgesamt ca. 40 Jugendlichen zusammen. Danach wird in Kleingruppen vertiefend diskutiert. Dahinter steckt: http://www.fti-remixed.at/.
IST-Zustand: Cichocki kommt zur Kommunikation
Lisa Cichocki, bisher Max F. Perutz Laboratories, ist ab 1.2. Kommunikationsverantwortliche des Institute for Science and Technology Austria. Hm, und Oliver Lehmann? Ist immer noch dort. Zuständig für Medienkontakte. Das IST scheint zu wachsen.
Klub-Lob: Es gibt ein Recherchestipendium
Man soll ja - zumal aus Ausgetretener - nicht nur über den Klub schimpfen, sondern ihn auch loben, wenn Lob angebracht ist. Der Anlass: Heute wurde angekündigt, ein (hier im Blog seit längerem ventiliertes) Recherchestipendium primär für freie WissenschaftsjournalistInnen zu vergeben, und zwar in der Höhe von 2500 Euro. "Damit will der Klub in Österreich tätigen Bildungs- und WissenschaftsjournalistInnen ermöglichen, ein Thema ihrer Wahl ausführlich zu untersuchen und für eine Publikation in einem Medium vorzubereiten."
Weitere Informationen dazu gibt es - wohl erst in Bälde – auf der Klub-Homepage http://www.wissenschaftsjournalisten.at/
Der Wissenschafter des Jahres wundert sich
Noch ein kleiner Beitrag zur Diskussion um die Kriterien, nach denen die Auszeichnung "Wissenschafter des Jahres" vergeben wird. Diesmal vom heute Ausgezeichneten selbst, dem wissenschaftlich hoch verdienten Quantenphysiker Rudolf Grimm von der Universität Innsbruck. Langsam wird es ein bisschen peinlich.

Frage: Waren Sie sehr überrascht, dass Sie von den Mitgliedern des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten zum österreichischen Wissenschafter des Jahres gewählt wurden?

Rudolf Grimm: Ja, ich war total überrascht. Ich hab mir dann angeschaut, an wen diese Auszeichnung verliehen wird – nämlich an Forscherinnen und Forscher, die sich „besonders um die leicht verständliche Vermittlung ihrer Arbeit verdient gemacht und damit auch das Image der österreichischen Forschung in der breiten Öffentlichkeit gehoben haben“. Da musste ich schon überlegen, warum ausgerechnet ich diesen Preis gekriegt habe und was der Grund für die Auszeichnung gewesen sein könnte.

P.S.: Dabei war Grimm ja einmal ein echter Popstar: Als Mitglied einer der höchst gelobten Bands der Neuen Deutschen Welle, nämlich: Bärchen und die Milchbubis, vgl. http://www.baerchen-und-die-milchbubis.de/Seite11.html
Nature gibts ab sofort auch als iPhone-App
Aus London erreicht uns mit der Sperrfrist 15 Uhr folgende Neuigkeit für wissenschaftlich interessierte und mobile Kernobst-Benützer:

Nature unveils its iPhone application (app) today. iPhone and iPod Touch users can search, browse, read and bookmark full text content from Nature and Nature News, and search PubMed. The nature.com iPhone app is available free of charge in the iPhone App Store and on nature.com from today at www.nature.com/mobileapps
The nature.com iPhone app will work with the newly announced iPad from launch, and Nature Publishing Group (NPG) will be producing EPUB files that can be read using Apple’s iBooks and other e-readers.
Access to the full text of all Nature and Nature News content through the app is free as an introductory offer until the 30 April 2010. Users will need to be registered on nature.com, NPG’s publishing platform.
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