DJ UPDATE: Fed öffnet Tür für neutralere Risikoeinschätzung08.08.2007 - 04:30 DJ UPDATE: Fed öffnet Tür für neutralere Risikoeinschätzung (Neu: Hintergrund) FRANKFURT (Dow Jones)Die US-Währungshüter haben den Weg zu einer ausgewogeneren Risikoeinschätzung von Inflation und Wachstum und damit zu einer Zinssenkung vielleicht noch in diesem Jahr geebnet. Zwar hielt die US-Notenbank in ihrer Erklärung zur Zinsentscheidung am Dienstag an der Übergewichtung der Inflationsrisiken fest, sie trug aber auch dem schwächeren US-Wachstum Rechnung: Anders als in den vorangegangenen Statements wies die Fed darauf hin, dass die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum gestiegen seien. Auch die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten fanden Erwähnung durch die Fed. Der Offenmarktausschuss (FOMC) der US-Notenbank verzichtete dennoch wie erwartet auf eine Änderung des Leitzinsniveaus und beließ den Leitzins bei 5,25%. Die Entscheidung sei einstimmig gefällt worden, hieß es. Die so genannte Fed Funds Rate ist damit seit Ende Juni vergangenen Jahres nicht mehr verändert worden. Trotz einiger neuer Passagen glich der Tenor des Beschlusstextes in weiten Teilen dem Juni-Text. So rechnet die US-Notenbank in den kommenden Quartalen weiterhin mit einem moderaten Wirtschaftswachstum und ihre Hauptsorge bleibt, dass der Rückgang der Inflation nicht so stark ausfallen wird wie bisher erwartet. In der Erklärung hieß es ferner, die Kerninflation habe sich zuletzt abgeschwächt, doch ein nachhaltiger Rückgang müsse noch überzeugend demonstriert werden. Das von der Federal Reserve favorisierte Preismaß, der Kernindex für die persönlichen Konsumausgaben (PCE), hatte im Juni auf Jahressicht eine Zunahme von 1,9% verzeichnet, nachdem im Mai ein Anstieg von 2,0% registriert worden war. Damit lag der PCE-Kerndeflator wieder im "Komfortbereich" des von der US-Notenbank favorisierten Zielbandes zwischen 1% und 2%. Mit etwas Überraschung wurde aufgenommen, dass die US-Notenbank auf die jüngsten Finanzturbulenzen, insbesondere auf den Kreditmärkten, einging. Die Finanzmärkte hätten sich in den vergangenen Wochen volatil entwickelt, die Kreditkonditionen seien dabei für die privaten Haushalte und Unternehmen etwas verschärft worden, erklärten die US-Währungshüter vor dem Hintergrund der Schieflagen auf dem Segment der Hypothekenkredite finanzschwacher Schuldner. Wie in den vorherigen Statements betonte die Fed, dass sich die Korrektur am US-Häusermarkt fortgesetzt habe. Dennoch werde davon ausgegangen, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen moderat wächst. Dem fügte die Notenbank erstmals den Passus hinzu, dass die US-Konjunktur Unterstützung vom soliden Wachstum der Beschäftigung und der Einkommen sowie einer robusten Weltwirtschaft bekomme. Die Fed erklärte weiterhin, wenngleich die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum etwas gestiegen seien, sei es ihre Hauptsorge, dass der Rückgang der Inflation nicht so stark ausfallen werde wie bisher erwartet. Als Risiko für die Inflationsentwicklung verwies sie dabei auch auf das hohe Niveau der Kapazitätsauslastung in der US-Wirtschaft. Künftige Politikanpassungen seien abhängig vom weiteren Inflations- und Wachstumsausblick, betonte die US-Notenbank- "Es sieht so aus, als ob wir erst eine stärkere Wachstumsabschwächung und größere Kursverluste an den Finanzmärkten sehen müssen, bevor die Fed den Leitzins senkt", zeigte sich James Knightley von ING Financial etwas enttäuscht vom Fed-Statement. Anders seien auch die zunächst negativen Marktreaktionen nicht zu werten, sagte der Volkswirt. Greg Anderson von ABN Amro meinte, die Fed sei zwar etwas besorgter um den Zustand der US-Wirtschaft, "sie kann oder will jetzt aber noch nichts zu ihrer Unterstützung tun". Für die Finanzmärkte seien dies wenig angenehme Aussichten. John Ryding von Bear Stearns meinte, die Fed bleibe auf die Inflationsrisiken fokussiert. Zwar habe sie die Entwicklung an den Finanzmärkten nun stärker im Blick, aber ihre Einschätzung zu Inflation und Wachstum sei weitgehend unverändert. US-Aktien und -Anleihen verzeichneten nach der Veröffentlichung der Zinsentscheidung und der Fed-Erklärung zunächst stärkere Kursverluste, Aktien drehten dann aber wieder in positives Terrain. Der Dollar zog angesichts etwas gesunkener Zinssenkungsfanatasien - Fed Funds Futures sahen für den September nur noch eine Zinssenkungswahrscheinlichkeit von 20% gegenüber 35% vor der FOMC-Sitzung - leicht gegenüber dem Euro an. Allerdings blieben die Akteure auf den Terminmärkten bei der Einschätzung, dass die Fed bis Jahresende ihren Leitzins auf 5,00% senken wird. -Von Katrin Härtel und Peter Trautmann, Dow Jones Newswires, +49 (0) 69/297 25- 300, konjunktur.de@dowjones.com DJG/ptt/kth (END) Dow Jones Newswires August 08, 2007 00:30 ET (04:30 GMT) Copyright (c) 2007 Dow Jones & Company, Inc. |
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